Digitalisierung
21.11.2017

Wuppertaler Stadtwerke handeln Ökostrom über Blockchain

Foto: Wuppertaler Stadtwerke (WSW)
Der Verwaltung der Stadtwerke Wuppertal.

Ökostrom direkt vom Erzeuger: Die Wuppertaler Stadtwerke haben einen Blockchain-basierten Handelsplatz in Betrieb genommen.

Nach eigenen Angaben sind sie der weltweit erste kommunale Energieversorger mit einem solchen Handelsplatz: Auf „Tal.Markt“ können Kunden ihren Strom bei lokalen Ökostromanbietern erwerben und ihren Energiemix selbst zusammenstellen. Jede Transaktion wird über die Blockchain-Technologie ausgeführt. Die Wuppertaler Stadtwerke sind Betreiber der Handelsplattform und übernehmen die wirtschaftliche Abwicklung. Umgesetzt wird das Projekt mit dem Schweizer Energiehändler Axpo.

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„Das Konzept hat die Kraft, den Stromvertrieb zu revolutionieren“, sagt Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke. Erstmals sei es möglich, dass Kunden eigenständig und mit echtem Herkunftsnachweis ihre Stromerzeuger auswählen könnten. Bedeutend sei das neue Konzept aber insbesondere auch für die Zukunft der Erneuerbaren-Branche. Christoph Sutter, Leiter des Bereichs Neue Energien bei Axpo, erläutert: „Stromkonsumenten werden sich in Zukunft als Energiepartner auf Augenhöhe mit den Stromversorgern etablieren.“ Die Plattform habe das Potenzial, ein führender Marktplatz für personalisierte erneuerbare Energie in Europa zu werden.

Mehr als ein Nischenprodukt

Rund 80.000 Euro haben die Stadtwerke in das Projekt investiert, erläutert Stadtwerke-Sprecher Elmar Thyen auf Nachfrage des Magazins bizz energy. Dies sei ein vergleichsweise geringer Betrag angesichts des Potenzials. Die private Axpo-Blockchain sei skalierbar, das heißt, auch eine größer werdende Kundengruppe kann mit ihr verarbeitet werden. Entwickler Axpo wolle mit dem Produkt den deutschen Markt aufrollen und langfristig auch europäisch expandieren. Die Stadtwerke Wuppertal wollen sich auf den Rhein-Ruhr-Raum konzentrieren.

„Jede Kilowattstunde Solar- oder Windstrom kann durch die Technologie nur einmal verkauft werden“, sagt Thyen. Auch für alte Windkraftanlagen böte sich durch die Plattform eine Zukunft: Bis zum Jahr 2020 werden deutschlandweit über 5000 Windräder aus der EEG-Förderung laufen. Die Vermarktungserlöse, die danach an der Strombörse erzielt werden, reichen aus heutiger Sicht nicht aus, Betriebs- und Wartungskosten zu decken. Über das Modell hätten alte Windmühlen jedoch eine Zukunft, da ihr Strom über die Plattform direkt an den Kunden vermittelt werden könnte. Auch neue Anlagen ließen sich so eher finanzieren, wenn ihr Strom direkt abgenommen werde. „Wir sehen hier keinen Massenmarkt, aber mehr als eine Nische“, sagt Thyen in Bezug auf das Marktpotenzial.

Hoffnungsträger für die dezentrale Energiewende

Konkret funktioniert das Blockchain-Modell über eine Internetadresse, auf der Betreiber von Solarstrom-, Windkraft- und anderen regenerativen Anlagen ihren Strom anbieten und Verbraucher diesen kaufen können. Die Energieproduzenten kommen zunächst nur aus Wuppertal und dem Bergischen Land. Zu den ersten Anbietern gehören ein Solaranlagen- und ein Windkraftanlagenbetreiber. Hinzu kommt Strom aus regenerativen Anlagen der Stadtwerke, aus zwei Blockheizkraftwerken sowie aus einer Wasserturbine an der Herbringhauser Talsperre.

Die Blockchain-Technik gilt als Hoffnungsträger für die dezentrale Energiewende: Milliarden Geräte müssen integriert werden. Doch die heutige Netz-Infrastruktur ist dafür bislang nicht ausgelegt. Die Blockchain-Technologie könnte die Netze schneller und stabiler machen. Sie ermöglicht zudem den direkten Peer-to-Peer-Handel von Strom, zum Beispiel zwischen dem Besitzer einer Solaranlage mit seinem Nachbarn. Bisherige Mittelsmänner in der Energiewirtschaft, klassische Versorger oder Vergleichsportale könnten durch die Technologie jedoch übergangen werden. Dies ist auch ein Grund dafür, weshalb immer mehr Energieunternehmen mit der Blockchain experimentieren: Sie möchten rechtzeitig eigene Angebote entwickeln, um nicht von der Technologie überrollt zu werden.

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Carsten Kloth
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Technology

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