Datenzentren
03.10.2017

Windstrom lockt Facebook, Apple & Co. nach Dänemark

Foto: Facebook, Foto Startseite: Facebook
Facebook-Datenzentrum Prineville in Oregon. Eine ähnliche Serverfarm baut der Social-Media-Konzern im dänischen Odense.

Der hohe Anteil an Strom aus Offshore-Windparks hat für Dänemarks Wirtschaft eine willkommene Nebenwirkung: Internet- und IT-Konzerne errichten riesige Datenzentren.

Agrar- und -Lebensmittelwirtschaft, Pharmaunternehmen, metallverarbeitendes Gewerbe, dazu erneuerbare Energien und Schifffahrt – diese Branchen bilden das Rückgrat der dänischen Wirtschaft. Internet-Riesen gehörten bisher nicht zum Portfolio – doch das ändert sich jetzt.

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Nahe der Stadt Odense auf der Insel Fünen errichtet der der Social-Media-Konzern Facebook seit diesem Sommer sein neuestes Datenzentrum. Milliarden von Rechenvorgängen werden dort das Posten, Teilen, Liken, Befreunden und sonstige Kommunizieren von Facebook-Nutzern bewerkstelligen. Facebook hat sich aus einem besonderen Grund für Odense entschieden: Die Serverfarm kann zu 100 Prozent mit grünem Strom versorgt werden. In Nordeuropa reichlich vorhanden sei erneuerbare Energie „sehr wichtig für uns unter Nachhaltigkeits-Gesichtspunkten“, sagte Facebook-Datencenter-Direktor Niall McEntegart im dänischen Sender TV2.

 

Energiehungrige IT-Branche

 

Offshore-Wind-Pionier Dänemark versorgt sich zu 50 Prozent mit erneuerbaren Energien und will diesen Anteil auf 80 Prozent steigern. Das wecke Interesse bei Unternehmen, die sich von fossiler Energie verabschieden wollten, sagt Martin Neubert, Deutschland-Geschäftsführer des dänischen Energieversorgers Dong im Gespräch mit bizz energy: „Dänemark hat keine Schwerindustrie wie Deutschland. Aber mit den Datenzentren siedelt sich eine neue Branche mit hohem Energiebedarf an. Diese Unternehmen bevorzugen Strom aus erneuerbaren Energiequellen.“ Da es in Deutschlands nördlichem Nachbarland davon reichlich gebe, entschieden sich viele für Dänemark. (Lesen Sie auch: Dong Energy – „Das ist keine Wette auf explodierende Preise“)

 

Der nächste Neuzugang dürfte Google sein. Die Google-Mutter Alphabet hat im Sommer 73 Hektar Land für ein Datenzentrum nahe der Stadt Fredericia am Kleinen Belt erworben. Auch dem Software-Konzern Microsoft werden in dänischen Medien Ansiedlungspläne nachgesagt.

 

Gemeinde heizt mit Server-Wärme

 

Apple baut derzeit bei Viborg im Norden des Landes ein Datenzentrum, das seinen Energiebedarf zu 100 Prozent aus Erneuerbaren decken soll. Hitze, die bei den Rechenvorgängen entsteht, soll als Heizwärme an die Gemeinde abfließen. Im Juli wurde bekannt, dass der iPhone-Hersteller bereits ein zweites dänisches Rechenzentrum plant. Es soll ab 2019 gebaut werden und Apples iTunes Store, seinen App Store sowie die Dienste iMessage, Maps und Siri vorhalten. (Lesen Sie auch: Frankfurter Bürohochhaus heizt mit heißen Rechnern)

 

Dong-Deutschland-Geschäftsführer Neubert sieht den Rechenzentren eine neue Triebfeder für die Windenergiebranche: „Die Ansiedlung eines Datenzentrums kann den Bau eines neuen Offshore-Windparks auslösen und die Finanzierung sichern.“ Aber Nachfrage komme längst nicht mehr ausschließlich aus der IT-Branche: „Es ist eine Bewegung in verschiedenen Industrien.“

 

Lego beteiligt sich an Windpark

 

So hat Dong den dänischen Spielzeughersteller Lego als Teilhaber eines Windparks in der deutschen Nordsee eingebunden. Weitere Dong-Stromkunden, die explizit grünen Strom verlangen und sich dazu an der Erzeugung beteiligen, sind der niederländische Elektronikkonzern Phillips und das dänische Pharmaunternehmen Novo Nordisk.

Christian Schaudwet
Keywords:
Dong Energy | Google | Facebook | Apple | Lego | Windenergie | Offshore | Datenzentrum
Ressorts:
Markets

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