Windenergie
25.10.2017

Windkraftmarke Fuhrländer: Auferstanden in der Ukraine

Foto: Fuhrländer Wind Technology
Expansion: Montage einer ukrainischen Fuhrländer-Windkraftanlage in Kasachstan

Der deutsche Windkraftpionier Fuhrländer ging 2012 Pleite. Heute erobert der Stahlmanager Maxim Efimov mit der Marke aus dem Westerwald den ukrainischen Windmarkt.

Sieben Windparks in der Ukraine und einen in Kasachstan hat Fuhrländer Wind Technology bisher errichtet. Im kommenden Jahr sollen zwei weitere hinzukommen. Fuhrländer fertigt seine Windkraftanlagen im ostukrainischen Kramatorsk, der Heimatstadt seines Eigentümers Maxim Efimov.

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Von der Front des Krieges um das separatistische Donbass-Gebiet sind es 60 Kilometer bis zum ukrainisch kontrollierten Kramatorsk. Dort hat der Stahlunternehmer vor einigen Jahren die Produktion neu aufgebaut, als es mit Fuhrländer am Gründungsstandort im Westerwald zu Ende ging. Wegen strategischer Fehler und eines Nachfrageeinbruchs während der Finanzkrise war Fuhrländer in Schieflage geraten. Spätestens 2012 übernahm Efimov von Gründer Jochen Fuhrländer die Mehrheit. Im Herbst desselben Jahres meldete das Unternehmen in Deutschland Insolvenz an, nachdem Efimov ihm den Geldhahn zugedreht hatte. Im Dezember wurde es aufgelöst.

11,3 Cent Einspeisevergütung

Im neuen Heimatmarkt Ukraine, für den sich angesichts schwieriger Bedingungen auf angestammten Onshore-Märkten wie Deutschland zunehmend auch Branchenriesen wie Vestas interessieren, ist Fuhrländer gut im Geschäft. Windmüller erhalten in dem Land eine feste Einspeisevergütung von umgerechnet zehn Euro-Cent pro Kilowattstunde. Doch für Windparks mit Anlagen made in Kramatorsk gelten Sonderbedingungen: Wer Fuhrländer-Anlagen aufstellt, bekommt nach Aussage von Marketing-Chef Yuri Shevchenko 11,3 Euro-Cent pro Kilowattstunde.

„Die ukrainische Regierung will die erneuerbaren Energien ausbauen, um den Verlust der Kohleminen im Donezk-Gebiet abzufedern, ohne auf russisches Erdgas zurückgreifen zu müssen“, sagt Shevchenko im Gespräch mit bizz energy. Von der Verunsicherung auf dem deutschen und westeuropäischen Onshore-Markt verspüre man in der Ukraine wenig. „Wir sehen Wachstumspotenzial zu Hause, besonders an der Schwarzmeerküste und in der Zentralukraine.“

Eigentümer mit Vitamin B

Kiew will offenkundig die heimische Windindustrie fördern, wie die höheren Einspeisegebühren für Fuhrländer-Anlagenbetreiber zeigen. Dass Eigner Maxim Efimov Abgeordneter im ukrainischen Parlament und Präsident des Kramatorsker Stahlproduzenten Energomashspetsstal ist, dürfte den Sonderkonditionen für den Windkraftanlagenbauer allerdings auch nicht abträglich gewesen sein. Die meisten der bisher sieben Fuhrländer-Windparks in der Ukraine gehören Fuhrländer selbst.

In den Anlagen mit Leistungsstärken zwischen 2 und 3,2 Megawatt, die rund 150 Angestellte im vom Donbass-Krieg weitgehend verschonten Kramatorsk montieren, steckt deutsches Know-how: Das Rostocker Ingenieurbüro Wind to Energy zeichnet für die Entwicklung verantwortlich. Die frühere Tochter der einstigen deutschen Fuhrländer AG spezialisiert sich auf Anlagendesign für Hersteller in aller Welt.

Turbinen von Siemens

Auch viele Bauteile kauft Fuhrländer international zu. Turbinen beispielsweise liefert Siemens, die Rotorblätter stammen von Herstellern in Polen und China. „Wir produzieren kostengünstiger als in China und bieten niedrigere Preise“, sagt Shevchenko.

Windenergie-Investor Efimov blickt über die Grenzen der Ukraine hinaus. Im kommenden Jahr will Fuhrländer seinen zweiten Windpark in Kasachstan errichten. Auch dort fließt eine staatlich festgelegte Einspeisegebühr in die Kassen von Anlagenbetreibern. Zu normalen Konditionen beträgt sie knapp sieben Euro-Cent pro Kilowattstunde – mit Vitamin B kann sie deutlich höher werden.

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Christian Schaudwet
Keywords:
Windenergie | Ukraine
Ressorts:
Markets

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