Mobilität
17.05.2017

Virtuelle Herausforderer

Foto: iStockphotos/Crystaleyestudio

Die Digitalisierung überrollt den Mobilitäts-Markt – und seine alten Eliten. Wer die Veränderung mitgestalten will, sucht Zugang zum smarten Endgerät seiner Kunden.

Wir haben die Zeichen erkannt. Diese Botschaft will Kay Lindemann, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) an einem Abend im März loswerden. Gemeinsam mit dem Bundesverband Deutsche Startups hat der VDA nach Berlin geladen – in die Hallen am Berliner Westhafen, wo Ford in den 1920er-Jahren sein Modell T baute.

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Um die aufstrebenden Macher, die dort ihre neuen Geschäftsmodelle präsentieren, bemüht sich der Automobilverband aus einer ganzen Reihe von Gründen. Einer der wichtigsten heißt Uber. Satte 68 Milliarden Dollar ist der Fahrdienst aus dem Silicon Valley mittlerweile wert – und damit mehr als bekannte Autokonzerne. Das Beratungshaus McKinsey prophezeit Anbietern von Car- und Ridesharing-Diensten eine goldene Zukunft. Auf bis zu zwei Milliarden US-Dollar könnte der Markt bis 2030 wachsen, prognostizieren die Berater in einer aktuellen Studie.

VW, BMW und Daimler reagieren

Solche Zahlen haben die deutsche Autobranche aufgerüttelt. VV, BMW, Daimler und Co reagieren. Bisher allerdings erst mit Prototypen wie dem autonomen Fahrzeug Sedric, das VW im März auf dem Genfer Autosalon präsentierte. Für schnellere Erfolge setzen die Autobauer vor allem auf Apps, denn die sind bereits verfügbar. Mit diesen Anwendungen fürs Smartphone und andere tragbare Geräte organisieren schon heute Millionen von Menschen täglich Fahrten mit Bus, Bahn, Mietwagen oder Shuttle. Die Applikationen locken mit Start-up-Charme. In Deutschland steck oftmals jedoch schon heute die traditionelle Elite des individuellen Personenverkehrs dahinter: die großen Autokonzerne.

Daimler bietet mit Moovel eine eigene multimodale Mobilitäts-App an. Anfang März stellten die Stuttgarter sie ins Zentrum ihrer ersten Teilnahme bei der weltweit größten Digitalkonferenz South by Southwest in Texas. Mit Car2Go war der Konzern bereits 2008 ins Carsharing-Geschäft eingestiegen. Konkurrent BMW zog 2011 nach und startete mit DriveNow Deutschlands zweitgrößtes Carsharing-Unternehmen. Mittlerweile hat BMW außerdem in das Start-up Moovit investiert, während Daimler mit dem Start-up Via Transportation kooperiert.

Beide Jungunternehmen haben ihre Wurzeln in Israels aufstrebender IT-Gründerszene. Moovit bietet eine Planungssoftware für die Kombination verschiedener Verkehrsträger an und Via eine Lösung für das On-Demand-Bestellen von SUVs, mit denen kleine Gruppen von Fahrgästen transportiert werden können. 
VW hatte sich bereits im vergangenen Jahr beim Uber-Konkurrenten Gett eingekauft und damit einen ersten Schritt in Richtung ganzheitlicher Mobilitätsanbieter gemacht. Mit der im Winter vorgestellten 13. Konzernmarke Moia versprechen die Wolfsburger, dass noch viele weitere Schritte folgen sollen.

Autos verkaufen allein reicht nicht

Die Konzerne investieren in ganzheitliche Mobilitätslösungen, weil sie verstanden haben, dass der Verkauf von Autos allein in Zukunft nicht mehr reichen wird. „Überleben werden nur Hersteller, die es schaffen, sich vom ‚Blechbieger‘ zum ‚Gridmaster‘, also dem Herrscher des gesamten Netzes, zu mausern. Letzten Endes wird es darum gehen, die Kundenbeziehung über den gesamten Lebenszyklus innerhalb und außerhalb des Autos zu bestimmen“, ist Dieter Becker, Global Chair of Automotive beim Wirtschaftsprüfer KPMG, überzeugt. Die Autofirmen müssen sich demnach davon lösen, ausschließlich produkt- und technologiegetrieben zu denken.

Beherrschen müssen die traditionellen Hersteller vor allem vernetzte mobile Geräte wie Smartphones und Tablets. Mobilgeräte werden auch für die einstigen Chassis- und Motorenschmieden die wichtigste Verbindung zu ihren Kunden. Die auf ihnen laufenden Apps konkurrieren darum, den Nutzern den einfachsten Zugang zu den Mobilitätsangeboten zu erschließen, ihre Fahrten bequem zu planen und die verschiedenen Fortbewegungsmittel zu kombinieren – also multimodal unterwegs sein zu können.

Per Fahrzeitangaben und teils sogar Verkehrslagen-Check in Echtzeit wird der Weg minutengenau berechenbar. Zunehmend wird die direkte Buchung der jeweiligen Angebote integriert. Auch die Preise können teils miteinander verglichen werden. „Vergleichsportale spielen in vielen digitalen Märkten eine wichtige Rolle. Auch im Mobilitätsumfeld werden übergreifende Plattformen immer wichtiger“, meint Ellen Brinkmann, Pressesprecherin von Quixxit, einer multimodalen Mobilitäts-Anwendung der Deutschen Bahn. Der Schienenkonzern bietet den Nutzern mit der App beispielsweise einen Vergleich zu Fernbussen, Fluganbietern und Carsharing-Diensten.

Für Autoanbieter sind Apps wie Quixxit oder Moovel allerdings nur ein Baustein ihrer Vernetzungsstrategie. BMW etwa bietet den selbst entwickelten Mobilitätsplaner Connected inzwischen in Verbindung mit Amazons Service Alexa an, dem Sprachsteuerungssystem für zu Hause. Fahrer können beispielsweise geplante Strecken und Abfahrtzeiten abfragen, um rechtzeitig bei einem Termin zu sein. Nicht ganz ohne Grund setzen die Hersteller auch auf die Digitalisierung der eigenen Fahrzeuge statt ausschließlich auf Apps. Denn bei all den neuen Möglichkeiten für die Kunden bleibt ein bedeutendes Problem bisher häufig ungelöst: Viele Applikationen werfen kaum...

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Tim Luedtke
Keywords:
Mobilität | Digitalisierung | Fahrdienste
Ressorts:
Markets

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