Klimaschutz
02.11.2017

Viele Ölraffinerien bald nicht mehr rentabel

Foto: iStock
Viele Raffinierien internationaler Ölkonzerne drohen einer Studie zufolge unwirtschaftlich zu werden.

Wenn das Zwei-Grad-Ziel eingehalten wird, könnte weltweit ein Viertel der Raffinerie-Kapazitäten der Ölbranche überflüssig werden, warnt eine britische Denkfabrik.

Die wirtschaftlichen Aussichten der Ölbranche trüben sich ein. Nicht nur, dass im Zuge der „Divestment“-Bewegung reihenweise Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen Ölaktien abstoßen: Einer Studie der britischen Denkfabrik Carbon Tracker zufolge droht einem Viertel der globalen Raffinerie-Kapazitäten die Schließung.

Anzeige*

Fortschritte bei erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und alternativen Fahrzeugantrieben könnten den Brennstoffbedarf demnach so stark sinken lassen, dass sich Wert und Gewinne von Raffinieren bis zum Jahr 2035 halbieren und die am wenigsten profitablen Anlagen aus dem Markt gedrängt werden. Als Berechnungsgrundlage dient Carbon Tracker ein Szenario, in dem das Ziel der Vereinten Nationen eingehalten wird, den Anstieg der globalen Temperatur um zwei Grad im Vergleich zum Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. (Lesen Sie auch: Ölkonzerne senken ihren CO2-Ausstoß)

Warnung an Investoren

„Investoren sollten auf der Hut sein, weil das Risiko Kapital zu vergeuden alle neuen Investitionen erfasst, inklusive der Ausweitungen oder Modernisierungen bestehender Anlagen“, warnt Carbon-Tracker-Analyst Andrew Grant. Der Verarbeitungssektor werde von einem Nachfragerückgang viel härter getroffen als der „Upstream“-Bereich der Branche, also die Ölförderung, weil Überkapazitäten bei Raffinieren sich viel schneller in den Konzernergebnissen niederschlügen, heißt es in der Studie.

Der Think Tank listet auf, welche Ölkonzerne besonders hohem Risiko ausgesetzt sind: Beim saudischen Staatskonzern Saudi Aramco, der sich gerade auf seinen Börsengang vorbereitet, könnte das Raffinieriegeschäft in die Verlustzone rutschen. Den Verarbeitungsssparten von Total und Eni droht bis 2035 ein Gewinneinbruch um 70 bis 80 Prozent. Shell und Chevron müssen bei ihren Raffinerien mit 60 bis 70 Prozent weniger Gewinn rechnen. Am besten könnten laut Carbon Tracker die Konzerne BP und ExxonMobil mit Gewinneinbußen von 40 bis 50 Prozent davonkommen.

Optimistische Berechnungsgrundlage

Die Londoner Denkfabrik hat für ihre Studie 492 Raffinerien untersucht, die nach Angaben der Autoren 94 Prozent der globalen Verarbeitungskapazität ausmachen. Berechnungsgrundlage ist neben dem optimistischen Zwei-Grad-Szenario eine Prognose der Internationalen Energieagentur, nach der der Ölbedarf bis zum Jahr 2020 ansteigt und dann sinkt. Die Ölindustrie selbst hingegen rechnet mit einem Bedarfsanstieg weit über das Jahr 2020 hinaus.

Lesen Sie auch: Forscher sammeln Daten für Klagen gegen Ölkonzerne

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Klimawandel | Erdöl | Ölkonzerne
Ressorts:
Finance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die aktuelle Ausgabe gibt es am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research