Interview zu Smart City
07.02.2018

"Versorger sind die City-Manager der Zukunft"

Foto: Promo
Prof. Etezadzadeh lehrt zum Thema „Produktentwicklung für Smart Cities“ an der Technischen Hochschule Köln.

"Die Stadtbewohner sollten sich die Frage nach einer lebenswerten Zukunft stellen", sagt Chirine Etezadzadeh. Im Interview mit bizz energy spricht die Wirtschaftswissenschaftlerin über die Voraussetzungen für intelligente Städte, über Digitalisierung und soziales Zusammenleben, und die Rolle der Versorger.

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In Deutschland geht es beim Thema Smart City nur langsam voran. Was sind die Herausforderungen?

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Deutschland steht nicht an der Spitze der Entwicklung. Wir suchen aber aktuell nach einem Weg, der unseren Anforderungen gerecht wird und wahrt, was wir für selbstverständlich erachten. Kurz gesagt, liegen für uns die größten Herausforderungen darin, die technologischen, rechtlichen und kulturellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir uns der Gestaltung von Smart Cities und der Digitalisierung erfolgreich widmen können. Ich zweifele aber nicht daran, dass uns die Transformation gelingen wird.

Wie viel Digitalisierung vertragen wir in unseren Städten? Verlernen wir, mündige Staatsbürger zu sein, wenn uns die Technik zu viele Aufgaben abnimmt?

So wie es bereits heute eine negative Abhängigkeit zwischen Komfort und Sicherheit gibt, wird es zukünftig einen Trade-off zwischen Freiheit und Entlastung geben. Es liegt an uns, wie wir die Digitalisierung nutzen. Wir müssen sie in jedem Fall dafür einsetzen, unsere natürliche Umwelt zu bewahren und Sinnvolles zu realisieren. Dieses Vorhaben manifestiert sich für mich in der Smart City. Dabei müssen wir mit großer Weitsicht prüfen, welche Konsequenzen unsere Handlungen haben. Meines Erachtens sollten die menschliche Urteilskraft und unsere Lebenswelt maßvoll technisch unterstützt und nicht dominiert werden.

Welche Folgen für das Zusammenleben, für soziale Interaktion kann eine solche Entwicklung haben?

Das soziale Zusammenleben kann von der Digitalisierung profitieren. Schließlich können sich Menschen durch die Digitalisierung miteinander vernetzen. Partizipation, Integration, Inklusion, Sharing-Programme, die Nachbarschaftshilfe, Communities und Initiativen können durch die Digitalisierung sehr gut unterstützt werden. Alle Aktionen sollten aber auf wahrhaftiger Interaktion fußen, um wahrhaftig etwas zu bewirken

Werden wir durch Smart Cities glücklicher?

Wir haben Ende November gemeinsam mit der Messe Frankfurt die „Blisscity“ veranstaltet, die erste deutsche Smart City Convention. Blisscity ist ein Kunstwort und steht für die Stätte der Glückseligkeit. Wir haben diesen Namen gewählt, weil zum einen die Blisscity ein Ort des Glücks ist, zum anderen da wir darauf aufmerksam machen möchten, dass wir aufgefordert sind, lebenswerte Städte zu gestalten, in denen wir uns gerne aufhalten und die unser Leben bereichern. Glück kann man nicht planen, aber wir können Voraussetzungen schaffen, die zum individuellen Glück beitragen können anstatt es zu konterkarieren. Ein sicherer, gesunder, schöner und vielfältiger Lebensraum, der uns versorgt, beschäftigt, eine Aufgabe gibt und ein Auskommen sichert, gehört dazu. Mit der Gestaltung solcher Städte befassen wir uns.

 

Die Volkswirtin Chirine Etezadzadeh leitet das SmartCity.institute, SmartCityNews.global und ist Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Smart City (BVSC) e. V. Neben der Forschungsarbeit, berät Sie Kommunen, Versorgungsunternehmen und die Industrie.

Carsten Kloth
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Keywords:
Smart City | Digitalisierung
Ressorts:
Technology

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