Klima
14.09.2016

Versicherungswirtschaft: Klimafolgen-Vorsorge muss in den Lehrplan

Foto: pixabay
Meteorologen erwarten: Heftige Unwetter werden in Deutschland immer häufiger.

GDV-Präsident Alexander Erdland sieht Deutschlands Schulen in der Pflicht: Sie sollen auf Klimagefahren wie Hochwasser aufmerksam machen.

 

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Zwar kann sich die Bundesrepublik derzeit über einen verlängerten Hochsommer mit Temperaturen von mehr als 32 Grad freuen. Im Mai und Juni zeigte sich das Wetter hierzulande allerdings von einer ganz anderen Seite: Extremer Regen versetzte einzelne Landstriche hierzulande in den Ausnahmezustand.

„Die Prävention gegen Klimafolgen wie Fluten und Hochwasser gehört in Deutschland in den Schul-Lehrplan“, fordert Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), im Gespräch mit bizz energy.  

Erdland, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender des Stuttgarter Finanzdienstleisters Wüstenrot und Württembergische, ergänzt: „Jedes Kind lernt, dass das Spielen mit Streichhölzern gefährlich ist und dass bei Feuer die Fenster wegen des sonst entstehenden Luftzugs geschlossen bleiben müssen.“ Aber dass der Druck von nur kniehohem Wasser hinter geschlossenen Türen ebenfalls lebensbedrohlich sei, wisse fast niemand.

Als Vorbild führt Erdland die Schweiz an. „In der Schweiz wird die Einführung solcher Maßnahmen derzeit bereits intensiv diskutiert.“

 

Nur ein Vorgeschmack

Mit seiner Forderung steht Erdland keinesfalls alleine da. „Wir müssen die Bürger auf eine neue Kultur im Umgang mit Naturgefahren vorbereiten“, verlangte auch der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker, Anfang dieser Woche bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Deutschen Klima Konsortiums und des Umweltbundesamtes in Berlin. Für ihn ist klar: Dieser Sommer gibt einen Vorgeschmack auf die Folgen der globalen Erwärmung und „auf die Sommer in einer zukünftig wärmerer Welt“.

Starkregen, Hochwasser und Überschwemmungen werden laut Prognosen des Meteorologen in den kommenden Jahren feste Bestandteile des deutschen Wettermixes sein. „Die Projektionen von Klimamodellen lassen eine Zunahme solcher starkregenauslösenden Wetterlagen für die Zukunft vermuten“, sagt Becker.

Der Klimawandel stellt die Bundesrepublik auch vor finanzielle Herausforderungen. Alleine in diesem Jahr entstanden im Frühsommer innerhalb von zwei Wochen in Folge von Starkregen, Hagel und Sturm insgesamt Schäden in Höhe von 2,6 Milliarden Euro – gegenüber nur zwei Milliarden Euro im Gesamtjahr 2015.

 

Vollkasko fürs Haus

Lediglich 1,2 Milliarden Euro waren davon allerdings versichert. Laut GDV-Präsident Erdland liegt das vor allem an Unsicherheit: „Vielen ist nicht bewusst, dass ihre Gebäudeversicherung zwar Schäden durch Feuer, Sturm oder Hagel abdeckt, aber nicht Schäden durch Starkregen oder Hochwasser“, sagt der Bankmanager. „Dafür ist eine zusätzliche Elementarschadenversicherung nötig.“ Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich eine Police gegen Naturschäden, sozusagen eine Vollkasko fürs Haus.

Hierfür macht der Branchenverband derzeit kräftig Werbung – und lädt zu Infoveranstaltungen in mehreren Bundesländern. Derzeit haben laut GDV nur 37 Prozent aller Hausbesitzer eine solche Versicherung für ihre eigenen vier Wände. Die Zahl will der Verband kräftig steigern. Der Sommer 2016 dürfte ihm dabei in die Hände spielen.

 

 

Jana Kugoth
Keywords:
Versicherungswirtschaft | Klimawandel | Extremwetter | Deutschland
Ressorts:
Finance

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