Mobilität
19.07.2016

Verkehrswende im Leerlauf

Foto: Wikipedia

Eine Metastudie der Agentur für Erneuerbare Energien zeigt: Auf der Straße und auf der Schiene kommt die Verkehrswende langsam ins Rollen – aber nur in der Theorie. Bei der Umsetzung hakt es noch immer.

Zwar lassen konkrete Ergebnisse zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase bei Pkw und Lkw auf sich warten. Dass im Verkehrssektor für die Einhaltung der Klimaziele etwas passieren muss, ist allerdings mittlerweile Konsens. Das zeigen die von der Agentur für Erneuerbare Energien ausgewerteten Studien von 16 Forschungsorganisationen. Darin wurde jeweils identifiziert, mit welchen Maßnahmen die Energiewende im Verkehr angeschoben werden könnte.

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Als besonders wirksam sehen die Autoren demnach Steuernachlässe für E-Autos, eine höhere Lkw-Maut, strengere CO2-Grenzen für Neuwagen sowie den Umstieg vom Pkw und Lkw auf Busse beziehungsweise Bahnen an. 

 

Diesel-Subventionen streichen, alternative Kraftstoffe bezuschussen

Elf Studien, darunter eine Analyse der Expertenkommission der Bundesregierung, fordern demnach eine Erhöhung der Kraftstoffsteuer. Alternative Kraftstoffe mit einem geringen oder praktisch keinem CO2-Ausstoß sollen laut dieser Idee weniger oder gar keine Abgaben zahlen müssen. 

Auch neue Förderprogrammen für alternative Kraftstoffe wie Biosprit oder strombasierte Kraftstoffe sollen kommen. Darin sehen zehn der untersuchtem Studien einen Erfolgsgaranten für die Energiewende im Verkehrssektor. 

Der Ausweitung des europäischem Emissionshandels auf den Verkehrssektor misst indes nur die Expertenkommission der Bundesregierung Bedeutung zu. Bereits vor zwei Jahren hatte eine Studie des Beratungsunternehmen Cambridge Econometrics im Auftrag der European Climate Foundation ergeben, dass erst bei einem Preis von 218 Euro pro Tonne Kohlenstoffdioxid ein nennenswerter Effekt erzielt werden könne. 

 

Viele Ideen, wenig Konkretes

Geht es um ordnungsrechtliche Instrumente, fordert ein Großteil der Studie strengere CO2-Grenzwerte bei der Zulassung von Neufahrzeugen (Pkw). Aktuell sieht das Gesetz zwischen 2015 und 2030 eine Verschärfung auf 130 Gramm CO2 pro Kilometer bis 2030 vor. Die untersuchten Studien fordern mitunter mehr als eine Halbierung dieses Ziels, teilweise auf 50 Gramm CO2 pro Kilometer im gleichen Zeitraum.

Insgesamt soll der Verkehr von der Straße zunehmend auf die Schiene verlagert werden, fordern viele Wissenschaftler. Auch der Umstieg auf das Rad oder mehr Gänge zu Fuß sind Teil der neuen Konzepte für Infrastruktur und Mobilität. Wie eine solche Stadtplanung konkret aussehen soll, bleibt allerdings vage.

Unterm Strich sind Ideen für eine Energiewende im Verkehrssektor laut der Metaanalyse ausreichend vorhanden. Jedoch scheitert es an der Umsetzung. „Die Durchsetzung alternativer Antriebe und klimafreundlicher Kraftstoffe wird in vielen der untersuchten Studien und Szenarien vorausgesetzt, ohne dass näher erörtert wird, wie die Umstellung gelingt“, kritisiert die Lobbyorganisation deshalb. Nach den jüngsten Zahlen des Umweltbundesamts sind die Emissionen im Verkehrssektor im Vergleich zu 1990 sogar um 0,6 Prozent gestiegen (Stand 2014). Dabei ist kurzfristiges Handeln gefragt. Viele Maßnahmen müssten nach Einschätzung der meisten Akteure bereits vor 2020 in Kraft treten, heißt es in der Metaanalyse. Auch Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake (Bündnis 90/Die Grünen) hatte nach dem Pariser Klimagipfel mehrmals öffentlich gefordert, die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren ab 2030 gänzlich zu verbieten. 

Wie der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen bei Flugzeugen und Schiffen gesenkt werden könnte, untersucht kaum eine der ausgewerteten Studien. Dabei wird vor allem dem Luftverkehr ein immenses Wachstumspotenzial vorausgesagt. Laut Prognosen des IATA, der weltweiten Vereinigung von Flugzeugherstellern, könnte sich der Emissions-Anteil bis 2025 verdoppeln. „Ein Grund könnte sein, dass die betrachteten Studien meist einen nationalen Fokus haben“, vermutet die Agentur für Erneuerbare Energien. Der Verkehr über Luft und Wasserwege geht überwiegend über die nationalen Grenzen hinaus.

 

Jana Kugoth
Keywords:
Verkehrswende | Agentur für Erneuerbare Energien | Luftfahrt | Schifffahrt | Kraftstoffsteuer | CO2 | Emissionshandel | CO2-Grenzwerte
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