USA
29.03.2017

Vereint gegen Dinosaurier-Energie

Foto: EPA

Donald Trump erntet für seine Abkehr vom Klimaschutz scharfe Kritik. US-Bundesstaaten und Firmen wollen den Kampf gegen die Erderwärmung auf eigene Faust fortführen.

Im Zentrum des Erlasses von US-Präsident Donald Trump steht der Clean Power Plan. Amtsvorgänger Barack Obama wollte damit klimaschädliche Abgase durch strengere Grenzwerte für Kraftwerke reduzieren, und zwar bis 2030 um 32 Prozent. „Ich mache historische Schritte, um Beschränkungen für die amerikanische Energiewirtschaft aufzuheben, den Einfluss des Staates zurückzufahren und Vorgaben zu streichen, die Arbeitsplätze kosten“, sagte Trump am Dienstag in den Räumen der Umweltschutzbehörde EPA. Sie soll nun ein neues Energiekonzept erstellen, um den Obama-Plan zu ersetzen. Dabei geht es in erster Linie darum, der US-Kohleindustrie wieder auf die Beine zu helfen. Trump versprach den anwesenden Kohlebergleuten: „Ihr geht zurück an die Arbeit.“

Anzeige*

Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), verurteilt den Vorstoß. „Donald Trumps Versuch, die USA in einen mit Dinosaurier-Energie betriebenen Jurassic Park zu verwandeln, wird letztlich scheitern“, sagt er. Schellnhuber hält es für wahrscheinlich, dass sich nun auf internationaler Ebene die Reihen der Akteure für den Klimaschutz schließen werden, die Trumps Intervention als Weckruf begreifen. Der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft werde Trumps Dekret hingegen schaden.

Obama-Plan konnte nie in Kraft treten

Der Clean Power Plan war ein zentraler Baustein, um die Klimaziele von Paris zu erreichen. Er konnte jedoch nie in Kraft treten, weil mehrere US-Bundesstaaten dagegen geklagt hatten. Um ihn endgültig auszuhebeln, ist allerdings ein komplizierter und langwieriger, bürokratischer Prozess nötig. Zudem muss Trump – wie zuvor Obama – mit Klagen rechnen.

Verfechter grüner Technologien in den USA sind der Meinung, dass Trump mit seiner Zeitenwende im Klimaschutz schlichtweg die Realität ignoriert. „Wenn es um Energie und Umwelt geht, ist die Trump-Administration nicht im Einklang mit den Amerikanern“, sagt Nancy Pfund, Partnerin bei der US-Wagniskapitalfirma DBL Partners, zu bizz energy. Pfund investierte anderem in die E-Auto- und Solarfirmen Tesla und Solarcity und war in beiden Unternehmen im Aufsichtsrat. „Erneuerbare Energien sind unglaublich populär, sowohl bei den Kunden als auch bei den Unternehmen, und die Einführung wird vor allem von der Wirtschaft getrieben“, ist die Investorin überzeugt. Der frühere Bürgermeister von New York City, Michael Bloomberg, sieht das ähnlich: „Selbst ohne den Clean Power Plan werden wir dessen Klimaziele wahrscheinlich früher als geplant erreichen – weil Konsumenten, Städte und Unternehmen bei der öffentlichen Gesundheit und dem Klimawandel weiter tonangebend sein werden, auch ohne Washington“, prognostiziert er.

Die Gouverneure von New York und Kalifornien veröffentlichten ein Statement, in dem sie Trumps Erlass verurteilen und bekräftigen, die CO2-Ziele des Clean Power Plans nicht nur erreichen, sondern übertreffen zu wollen. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman führt eine Koalition von Bundesstaaten, Landkreisen und Städten an, die den Clean Power Plan bereits vor Gericht verteidigen und gegen Trumps Dekret rechtlich vorgehen wollen. Kalifornien und New York stehen zusammen für 20 Prozent der US-Bevölkerung und mehr als ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts.

Republikanischer Bundesstaat Maryland verbietet Fracking

Zehn Bundesstaaten und 71 Städte in den USA verpflichteten sich jüngst zu einer ambitionierten Klimapolitik. Mehr als 600 Unternehmen, darunter Konzerne wie HP, DuPont, Kellogg’s oder Levis, schrieben im Januar einen offenen Brief an Trump, in dem sie die Umsetzung der Pariser Klimaziele fordern. Der republikanische Bundesstaat Maryland hat just vor zwei Tagen ein Fracking-Verbot beschlossen. Und ausgerechnet in fünf weiteren, republikanisch geführten Staaten boomt die Windkraft: Iowa, South Dakota, Kansas, Oklahoma und North Dakota bezogen 2016 mehr als 20 Prozent ihres Stroms aus Windenergie. Zudem hat sich die Solarindustrie mittlerweile zu einem wichtigen Arbeitgeber entwickelt: Mehr als 260.000 Menschen sind dort beschäftigt – fast viermal so viele wie in der Kohleindustrie im Mai 2015 tätig waren.

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch kritisiert das Dekret von US-Präsident Donald Trump als „Rückschritt ins vergangene Jahrhundert“. Trump katapultiere die USA damit aus der internationalen Führungsrolle in der Klimapolitik, die die Obama-Administration gemeinsam mit China übernommen hatte, sagt Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch. Aus seiner Sicht kann die Weltgemeinschaft trotz des Rückzugs der US-Regierung immer noch die Pariser Klimaziele erreichen. „Es wäre viel zu früh, um einen Abgesang anzustimmen“, sagt Bals im Gespräch mit bizz energy. Zuversichtlich stimmen ihn zwei Faktoren: Zum einen hofft er, dass der Druck aus der US-Wirtschaft, den Bundesstaaten und Städten so groß sein wird, dass Trump womöglich einlenkt. Zum anderen rechnet er damit, dass sich die überraschend positive Entwicklung der vergangenen Jahre in China und Indien in Bezug auf Klimaschutz und Erneuerbare Energien fortsetzt.

EU und China in der Pflicht

Bals glaubt weder, dass es in Folge von Trumps’ Dekret in den USA einen Kohle-Boom geben wird, noch, dass die Rahmenbedingungen und die Förderung von Erneuerbaren Energien wesentlich geschwächt werden. Lediglich die Förderung von Schiefergas, das Fracking und der Export von Kohle würden wahrscheinlich zunehmen. Auch andere Experten gehen davon aus, dass durch das Dekret kaum viele neue Arbeitsplätze entstehen, sondern eher Kohle-Kraftwerke länger in Betrieb bleiben, die sonst geschlossen worden wären. Zudem sorge die zunehmende Mechanisierung im Bergbau dafür, dass weniger menschliche Arbeitskräfte benötigt werden.   

Der Germanwatch-Geschäftsführer sieht nun die EU und China in der Pflicht, die Führungsrolle auf dem Weg in eine emissionsfreie Zukunft zu übernehmen. Mit ihrer schwachen Klimapolitik könne die EU diese Rolle derzeit allerdings nicht ausfüllen. „Europa sollte sich dringend ehrgeizigere Ziele für 2030 setzen, um den Anschluss nicht zu verlieren“, fordert Bals. So seien die energiebedingten CO2-Emissionen in China nach vorläufigen Berechnungen der Internationalen Energieagentur IEA um ein Prozent gesunken. In Deutschland dagegen stiegen sie leicht.

Jutta Maier
Keywords:
USA | Klimapolitik | Klimawandel | Bundesstaaten | Donald Trump | Kohleindustrie | erneuerbare Energien | Dekret
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy April 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports


Aktuelle Angebote:
» Zur Ausschreibungssimulation
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore
» Informationen zur Studie "Solarenergie in Chile"



MEHR INFORMATIONEN HIER

Film ab! Energiewende in 25 Sek.
Was würde Goethe
zur Energiewende sagen?

Mit dieser Frage startet bizz energy einen Aufruf, originelle Kurzvideos zu
aktuellen Themen der Energiewende zu drehen.

MEHR INFORMATIONEN HIER

 
 

bizz energy Veranstaltungen