Windenergie
27.03.2018

Vattenfall baut Offshore-Windpark mit Saugeimer-Fundamenten

Foto: Vattenfall
Der Schwimmkran Herkules III senkt das erste Suction-Bucket-Fundament für den neuen Windpark ab.

Der Windpark Aberdeen Bay vor Schottland entsteht als erster Offshore-Windpark komplett mit Hilfe der Suction-Bucket-Technik. Dies soll Kosten sparen und insbesondere Wale schützen.

Erstmals errichtet Vattenfall einen kompletten Offshore-Windpark auf Stahlfundamenten, die mit Hilfe von „Saugeimern“ im Boden verankert werden. Bei der sogenannten Suction-Bucket-Technologie können die Fundamente praktisch ohne Lärm installiert werden, was die Meeresumwelt schützt.

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Ein riesiger Schwimmkran legt die elf Fundamente für den Windpark Aberdeen Bay vor der Küste Schottlands. Die Fundamente inklusive der Saugeimer sind jeweils bis zu 80 Meter hoch und wiegen bis zu 1.800 Tonnen.

Errichtung eines Suction-Bucket-Fundaments.
Vattenfall setzt dabei auf die Saugeimer-Technologie, die aus der Öl- und Gasindustrie stammt. Die Fundamente, die auf bis zu 13 Meter hohen, umgedrehten Eimern stehen, werden zunächst auf dem Meeresboden abgestellt. Anschließend wird das Wasser aus den Eimern herausgepumpt. Durch das Gewicht der Fundamente und den Wasserdruck saugen sich die Fundamente dann im Meeresboden fest. Pro Eimer müssen bis zu eine Million Liter Wasser abgepumpt werden.  

„Die Errichtung der Suction-Bucket-Fundamente erfolgt nahezu geräuschlos und bringt damit deutliche Verbesserungen für die Meeresumwelt beim Bau solcher Projekte“, sagt Adam Ezzamel, Projektleiter von Vattenfall für Aberdeen Bay. Bei dem bislang gängigen Bau von Offshore-Windenergieanlagen werden häufig bis zu 70 Meter lange Stahlzylinder, so genannte Monopiles, als Fundamente für die Turbinen in den Meeresboden gerammt.

Dabei treten erhebliche Schallemissionen auf, deren Auswirkungen auf Lebewesen im Meer bisher wenig erforscht sind. Bekannt ist, dass der geschützte Schweinswal unter der Geräuschentwicklung leidet. Sein Hörvermögen und sein Orientierungssystem werden gestört, was im schlimmsten Fall zur Strandung der Tiere führen kann.

Statoil baute schwimmenden Windpark

Für Rammarbeiten bei der Erstellung von Windkraftanlagen in der Nordsee gilt in deutschen Gewässern daher bereits eine Schallenergie-Höchstgrenze. Dies ist einer der Gründe, weshalb nach alternativen Befestigungsmöglichkeiten gesucht wird. Andere Gründe sind finanzieller Natur: „Im Vergleich zu bisherigen Technologien erfolgt die Errichtung der Fundamente zudem deutlich schneller. Das senkt die Kosten und trägt so weiter zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Offshore-Wind bei“, sagt Ezzamel. Darüber hinaus ließen sich diese Fundamente später einfacher zurückbauen. 

Auch andere Technologien werden derzeit erprobt. So setzt die norwegische Firma Seatower auf mit Wasser gefüllte Fundamente, die auf dem Meeresboden stehen. Vor der Küste Schottlands hat der norwegische Energiekonzern Statoil zudem den größten schwimmenden Windpark der Welt gebaut. Die fünf Windräder stehen auf Bojen im Meer. Da die Bojen tief im Wasser liegen, bleibt die gesamte Konstruktion auch bei starkem Seegang ruhig. Die fünf Windräder sind über Stahlseile miteinander verbunden. Weitere Seile verankern sie am Meeresboden.

Der schwimmende 30-Megawatt-Windpark soll jährlich etwa 135 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Der neue, deutlich größere Offshore-Windpark Aberdeen Bay hat mit elf Windenergieanlagen eine installierte Leistung von insgesamt 92,4 Megawatt. Vattenfall erwartet eine durchschnittliche jährliche Stromproduktion von mehr als 300 Gigawattstunden.

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Carsten Kloth
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Technology

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