Energiewende
06.11.2017

Vattenfall baut Europas größte Power-to-Heat-Anlage

Fotomontage: Vattenfall
Im Nordwesten von Berlin am Standort Reuter, plant Vattenfall den Bau einer neuen Anlage.

Tauchsieder statt Feinstauber: Der Energiekonzern Vattenfall baut im Berliner Bezirk Spandau eine Power-to-Heat-Anlage, um das vorhandene Kohlekraftwerk zu ersetzen.

Die neue Anlage mit einer Leistung von 120 Megawatt soll Fernwärme aus elektrischer Energie erzeugen und nach dem Tauchsieder-Prinzip funktionieren: Ihre Leistung entspricht der von  60.000 handelsüblichen Wasserkochern. Ab 2020 soll die Anlage Fernwärme aus Ökostrom für bis zu 30.000 Haushalte erzeugen und den Steinkohlenblock des Heizkraftwerkes Reuter ersetzen.

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Parallel zum Start der Klimakonferenz Cop23 in Bonn starteten die Bauarbeiten durch einen symbolischen ersten Spatenstich durch den Berliner Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz, Stefan Tidow und den Berliner Vattenfall Wärme-Chef Gunther Müller. Dieser erklärt den Vorteil der Anlage so: „Ist viel regenerativer Strom im Netz, nutzt ihn die Anlage zur Erzeugung umweltschonender Fernwärme. Die erneuerbare Energie, die wir dafür abnehmen, entspricht 10 Prozent des gesamten Berliner Strombedarfs im Sommer – oder der Leistung von 750.000 Kühlschränken. Mit der neuen Power-to-Heat-Anlage müssen weniger Windräder und PV- Anlagen abgeregelt werden “, sagt Müller.

Stefan Tidow fügt hinzu, dass die Zukunft der Energie ist erneuerbar sei. Das gelte nicht nur für die Erzeugung von Strom, sondern auch von Wärme und letztlich auch für den Verkehrsbereich: „Damit Energie aus Sonne und Wind intelligent und effizient genutzt werden kann, müssen wir den Weg der Kopplung dieser Bereiche konsequent weitergehen“.

Konzern will raus aus der Kohle

Vattenfall will bis zum Jahr 2030 vollständig aus der Kohlenutzung in der deutschen Hauptstadt aussteigen – entsprechend einer Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin. Die großen Braunkohlekraftwerke des Konzerns in Ostdeutschland wurden bereits an ein tschechisches Unternehmen verkauft.

Vattenfall-Strom galt wegen des hohen Braunkohle-Anteils lange Zeit als besonders klimaschädlich. Noch 2015 nahm der Konzern in Hamburg ein weiteres Kohlekraftwerk in Betrieb. Umweltschützer kritisierten die Folgen. Wegen des Atomausstiegs fordert der schwedische Energiekonzern von Deutschland Schadenersatz von rund fünf Milliarden Euro vor einem internationalen Schiedsgericht. Diese Klage wird von Kritikern oft als Beispiel für die Gefahr einer Paralleljustiz herangezogen, wie sie durch das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP entstehen könnte

Carsten Kloth
Keywords:
Power-to-Heat | Vattenfall
Ressorts:
Technology

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