Klimawandel
13.10.2016

UN-Städtekonferenz: Große Zukunft auf kleinem Raum

Foto: Wikimedia / Lion Hirth
Quito, Hauptstadt Ecuadors und Schauplatz der Habitat-Konferenz 2016.

Die Herausforderungen einer zunehmend metropolisierten Welt im Klimawandel sind groß, die deutsche Delegation für die UN-Städtekonferenz weiß jedoch: Zukunftsfähigkeit wächst auch im Kleinen.

Die Zukunft für einen Großteil der Menschheit liegt in den Städten. Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung darin. 2050 werden es voraussichtlich zwei Drittel sein. Dementsprechend groß mögen die Hoffnungen und Herausforderungen für die viertägige UN-Städtekonferenz Habitat sein, die am 17. Oktober in Ecuadors Hauptstadt Quito beginnt und die nur alle 20 Jahre stattfindet. Die deutsche Delegation wird von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) angeführt.

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Kleine Vorbilder

Die Vertreter der Bundesrepublik bringen zwar jeweils die eigene Perspektive mit – sie teilen jedoch die Wertschätzung von Details: „Vorbilder für Zukunftsfähigkeit lassen sich vor allem auch im Kleinen finden: bei der Umwandlung von Brachflächen in Gemüsegärten, bei dem nachbarschaftlichen Engagement für die Integration von Flüchtlingen oder bei der Beteiligung an politischen Aushandlungs- und Diskussionsprozessen auf lokaler Ebene“, heißt es etwa aus Gerd Müllers Haus, dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), auf Anfrage von bizz energy.

Dennoch sollen auch großformatige Strategien für die Städte der Zukunft thematisiert werden: Etwa die Verkehrswende. Das BMZ hat angekündigt eine neue deutsche Investitionsinitiative zum Thema urbane Mobilität zu starten. Darüber sollen deutsche Unternehmen und Organisationen ab 2017 Städten in Entwicklungs- und Schwellenländern technisches Wissen und innovative Mobilitätslösungen zur Verfügung stellen. Mit der Vorstellung der Initiative wird die Delegation den Ausstellungspavillon des Autolandes Deutschland eröffnen.

 

Stärkung der Städte

Bürgermeister Michael Müller reist nicht nur als oberster Vertreter der deutschen Hauptstadt an. Er ist zudem in seiner Funktion als Vizechef des Städtenetzwerks Metropolis unterwegs. Ihm geht es daher auch um den Einfluss der Städte als zentrale Akteure der nachhaltigen Entwicklung und ihre Stärkung als Verhandlungspartner der Vereinten Nationen. So hat schon er im Juni ein Vortreffen zur UN-Städtekonferenz in Berlin ausgerichtet , das German Habitat Forum. Daraus entstand das Positionspapier „Berliner Empfehlungen“. Auch dieser Beitrag stellt kleinere Strukturen in den Vordergrund: „Die Schlüsselrolle haben lokale Akteure – eine leistungsstarke kommunale Verwaltung, Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaft und Wissenschaft, die Bürgerinnen und Bürger“ heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von BMZ und Stadt Berlin dazu.

Auch Umweltministerin Barbara Hendricks wird sich Themen widmen, die der Spreemetropole teils nur allzu gut vertraut sind. So wird sie auf der Städtekonferenz unter anderem zur Klima- und Unwetteranpassung von Großstädten sprechen. Das ist eine Aufgabe, mit der sich Berlin genauso zunehmend konfrontiert sieht, wie mit dem offenen Zugang zu einem sicheren Wohnungsmarkt mit seiner großen Bedeutung für das soziale Miteinander, wozu Hendricks ebenfalls eine Rede halten wird.

 

Deutsche Erfolgsbeispiele

Zumindest für das BMZ ist klar: „Es gibt viele Erfolgsbeispiele aus Deutschland, die wir und unsere Partner in Quito vorstellen werden“, so ein Sprecher des Ministeriums. Dazu gehöre etwa der Deutsche Städtetag, als kommunale Interessenvertretung. Für das interne Funktionieren deutscher Städte sei die aktive Beteiligung der Bewohner und der intensive Dialog mit Vertretern verschiedener Interessengruppen von grundsätzlicher Bedeutung. Durch Beteiligungsverfahren und Mechanismen für den Interessenausgleich könnten Stadtbewohner Verantwortung über ihre Nachbarschaft hinaus übernehmen und ihre Heimatstadt nachhaltig gestalten.

Ein Negativbeispiel für Megacities ist laut der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenheit (GIZ) dagegen die ägyptische Hauptstadt Kairo. Dort treten demnach die Probleme einer zu schnell wachsenden Stadt deutlich zu Tage. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebe dort bereits in Slums. Um die Lage der Bewohner zu verbessern und dennoch auch Erfolgsgeschichten schreiben zu können, versucht die GIZ mit lokalen Projekten zu helfen die Entwicklung zu strukturieren.

Tim Lüdtke
Keywords:
Klimawandel | Habitat III | United Nations | UN | Vereinte Nationen | Quito | Ecuador | BMZ | BMUB | Berlin | Städtekongress | Städtekonferenz
Ressorts:
Governance

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