Flüssig-Erdgas
15.09.2017

Trumps neue Tankerdiplomatie

Foto: Flickr/Qatar Gas
Mit LNG-Tankern wie diesem importieren Polen und Litauen Flüssigerdgas aus den USA.

Verflüssigtes Erdgas (LNG) wird zum wichtigsten Hebel in Donald Trumps Strategie, die USA zur Großmacht auf dem Gasmarkt zu machen. Russland will an der Ostsee mit einem eigenen LNG-Terminal dagegenhalten.

Paul N. Cicio sorgt sich um Amerikas Fabriken. In einem Brandbrief an US-Energieminister Rick Perry warnte der Chef des Verbandes energieintensiver Industrieunternehmen in den USA (ICEA) seine Regierung kürzlich davor, Schiefergas zu freigiebig in alle Welt zu verschiffen. Sein Negativszenario: Werden weiterhin so viele neue Terminals für den Export verflüssigten Erdgases (LNG) genehmigt, könnten die US-Reserven binnen 30 Jahren drastisch schrumpfen.

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Cicios Brandbrief wurde  auch in Moskau gelesen – mit viel Wohlwollen. Der Plan von US-Präsident Donald Trump, die Vereinigten Staaten durch aggressiven LNG-Export zur Erdgas-Großmacht zu machen, missfällt der russischen Führung. So stellt sich Präsident Wladimir Putin den Bund mit Trump, mit dem ihn die Liebe zu fossilen Energien eint, bestimmt nicht vor.

Russische Gazprom im Rückstand

Russlands Kunde Polen und hat im Juni erstmals US-amerikanisches LNG an seinem Terminal Swinemünde gelöscht. Litauen folgte im August. Sollten diese Beispiele Schule machen und LNG aus den USA viel Platz  im europäischen Energiemix finden, stünde die Wirtschaftlichkeit russischer Pipelines wie Nord Stream in Frage. (Lesen Sie auch: Erstes LNG-Terminal in Deutschland auf heiklem Terrain)

Für den Kreml wäre das gefährlich, denn der russische Staatshaushalt finanziert sich zum Großteil aus dem Rohstoffexport. Eilig versucht nun der Staatskonzern Gazprom, seinen Rückstand bei LNG-Kapazitäten und -Know-how aufzuholen. Im Juni vereinbarte der russische Riese mit Shell den Bau eines LNG-Terminals bei Ust-Luga an der Ostsee. Doch in der Zwischenzeit hat der US-Kongress die Möglichkeit zu neuen Sanktionen gegen Unternehmen geschaffen, die mit Russland Energiegeschäfte machen. Das steigert Shells Risiko und könnte das Projekt behindern. Bisher betreibt der weltgrößte Gasförderer nur eine einzige Verflüssigungsanlage auf der Pazifikinsel Sachalin. Die Expertise kam auch hier von Joint-Venture-Partner Shell.

EU will flächendeckende LNG-Versorgung

In Europa kann Gazprom dem US-amerikanischen Expansionsdrang noch kein eigenes LNG entgegensetzen. Doch auch hier wächst das Interesse an der Alternative zu Pipelinegas – angefacht von der EU-Kommission: Ihre Strategie sieht eine flächendeckende europäische LNG-Infrastruktur vor. Durchaus möglich, dass in ein paar Jahren auch in Deutschland Tanker mit verflüssigtem Erdgas anlegen: Der niederländische Gasversorger Gasunie prüft gemeinsam mit den Tanklagerbetreibern Oiltanking aus Hamburg und Vopak aus Rotterdam, ob sich ein erstes deutsches LNG-Terminal in der Elbmündung bei Brunsbüttel rechnen würde.

Dieser Bericht stammt aus der September-Ausgabe von bizz energy. Unser Print-Magazin ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel, bei unserem Abonnentenservice unter bizz-energy@pressup.de oder als E-Paper im iKiosk erhältlich.

Christian Schaudwet
Keywords:
LNG | USA | Erdgas | Polen | Litauen | Russland | Gazprom | Donald Tump | Wladimir Putin
Ressorts:
Governance | Markets

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