Klimapolitik
26.04.2017

Trotz Trump: China setzt weiter auf Klimaschutz

Foto: Le Grand Portage
Der Three Gorges Dam in China ist das größte Wasserkraftwerk der Welt.

Die Klima-Kehrtwende der USA gilt in Peking als Chance für die eigene Industrie. Allerdings wird vor überzogenen Erwartungen gewarnt.

Nach der Abkehr der USA vom internationalen Kampf gegen die Erderwärmung bekennt sich China weiter zum Klimaschutz. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking sprach von einer "Herausforderung für die ganze Menschenheit" und davon, dass China seine Verpflichtungen nach dem Pariser Klimaschutz-Abkommen einhalten werde.

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Die chinesische Staatszeitung „Global Times“, ein Propagandaorgan unter der Kontrolle der Regierung, warnt allerdings vor überzogenen Erwartungen an das eigene Land. „Westliche Medien hoffen nun darauf, dass China in die Bresche springt“, heißt es dort. „Doch China befindet sich noch im Aufholprozess der Industrialisierung.“ Die Möglichkeiten seien daher beschränkt. Amerika verfüge dagegen bereits über den Wohlstand und die Technik, eine Energiewende zu stemmen. Doch die Staatszeitung macht auch klar, dass China die USA eben nicht zum Vorbild nimmt: „Peking fühlt sich verpflichtet, die Erklärung von Paris hochzuhalten“ und die Wirtschaftsentwicklung mit Emissionszielen in Einklang zu bringen. Die Zeitung verweist auch auf die Vorteile, die eine aktive Klimaschutzpolitik der eigenen Industrie langfristig bringt.

Tencent kauft Anteil an Tesla

Ein bezeichnendes Zusammentreffen: Am Tag, als Donald Trump ein Dekret unterschrieb, mit dem er die Klimabemühungen seines Vorgängers Barack Obama zurückdreht, kaufte der südchinesische Technikkonzern Tencent einen fünfprozentigen Anteil an dem US-Elektroautospezialisten Tesla. Denn in China geht das Rennen um die Vorherrschaft in der Zukunftstechnik weiter. 1,4 Milliarden Chinesen streben einen höheren Lebensstandard an, und ihre Staatsführung weiß: Das geht nicht, indem wir noch mehr Kohle verbrennen.

Saubere Luft und sauberes Wasser sind jetzt schon ein riesiges Problem in China; wegen des Klimawandels dehnen sich die Wüsten aus. „Es bleibt dem Land nicht anderes übrig, als eine nachhaltige Klimapolitik durchzuziehen“, sagt Varum Sivaram, Energieexperte der Washingtoner Georgetown University und im Council on Foreign Relations.

Präsident Xi Jinping reagierte bereits im Januar auf Trumps Energiepolitik. Auf dem Weltwirtschaftsforum gab er dem Klimaschutzabkommen von Paris Rückendeckung. „Alle Unterzeichner sollten daran festhalten“, sagte er mit Blick auf das, was sich in Washington abzeichnete. „Diese Verantwortung müssen wir in Hinblick auf künftige Generationen übernehmen.“ China soll Vorreiter der „ökologischen Zivilisation“ werden, hatte Xi kurz zuvor angeordnet.

Keiner verbrennt mehr Kohle als China

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. China ist derzeit das Land mit dem höchsten Kohlendioxidausstoß der Welt. Es verbrennt mehr Kohle als alle anderen Länder auf dem Planeten zusammen. Doch China ist aktiv. In diesem Jahr beginnt ein landesweiter Emissionshandel, der mit marktwirtschaftlichen Mitteln helfen soll, den Ausstoß an Treibhausgasen zu vermindern. Der Fünfjahresplan der Energiewirtschaft gibt erhebliche Effizienzsteigerungen vor. Das Land baut die Solar- und Windenergie im Rekordtempo aus – dazu die Atomkraft, die hier als klimafreundliche Alternative zur Kohle gilt. Die Regierung lässt zudem reihenweise veraltete Stahlwerke und Kohlekraftwerke schließen. „China will zu den globalen Vorreitern in der Umweltpolitik gehören und auch ein entsprechendes Beispiel für andere Schwellenländer sein“, sagt Zou Ji vom National Center for Climate Change Strategy and International Cooperation.

All das geschieht nicht aus Nettigkeit, sondern entspringt harten wirtschaftlichen Interessen, sagt Zou. Einerseits fürchten Xi und seine Partei den Zorn des Volkes, wenn die Luft weiter schmutzig bleibt. Andererseits sehen die Wirtschaftsplaner einen weltweiten Zukunftsmarkt für saubere Technik. „China mag der weltgrößte Verschmutzer sein, aber China ist auch der größte Hersteller von Produkten aus dem Bereich saubere Energie wie Windturbinen, Solarzellen oder Elektroautos“, sagt Sivaram.

Finn Mayer-Kuckuk, Peking
Keywords:
Xi Jinping | Donald Trump | China | USA | Pariser Klimaabkommen | Klimawandel | Kohle | erneuerbare Energien
Ressorts:
Governance

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