Alternative Antriebe
18.10.2017

Toyota präsentiert neuen Brennstoffzellen-Bus

Foto: Toyota
Der Brennstoffzellenbus "Sora" stößt nur Wasserdampf aus.

Der japanische Autobauer produziert sein Wasserstoff-Modell ab 2018 in Serie – mit Unterstützung der Regierung. Auch in Deutschland schaffen sich immer mehr Verkehrsbetriebe Brennstoffzellen-Busse und -Züge an.

Toyota feiert eine Weltpremiere: Der neue, mit Wasserstoff betriebene Bus „Sora“ wird zum ersten Mal auf der diesjährigen Tokyo Motor Show vom 25. Oktober bis 5. November zu sehen sein. Der japanische Autobauer geht mit dem Sora bereits im kommenden Jahr in Serienproduktion. Schließlich will Japans Regierung im Vorfeld der Olympischen Spiele im Jahr 2020 mehr als 100 Brennstoffzellenbusse auf den Straßen haben.

Anzeige*

Der Modellname Sora leitet sich ab von den englischen Begriffen für die natürlichen Elemente des Wasserkreislaufs: Sky, Ocean, Rover und Air. Er ist eine Anspielung darauf, dass der Bus keine Schadstoffe ausstößt – bei der Umwandlung von Wasserstoff in elektrische Energie entsteht nur Wasserdampf. Der gut zehn Meter lange Sora verfügt über 22 Sitz- und 56 Stehplätze.

Japan fördert Wasserstoff großzügig

Premierminister Shinzo Abe arbeitet mit einem groß angelegten Förderprogramm daran, nach dem Fukushima-Gau H2 als neuen Energieträger zu etablieren. Bis 2020 will die Regierung rund 400 Millionen US-Dollar in Wasserstoff-Fahrzeuge und den Aufbau einer H2-Infrastruktur stecken. Dazu zählen auch städtische Reinigungsfahrzeuge sowie Brennstoffzellenheizungen für Firmen und Eigenheime, die Wärme und Strom produzieren.

Für Premier Abe ist Wasserstoff ein Mittel, um der Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten entgegen zu steuern. Schon jetzt ist Japan mit 91 H2-Tankstellen weltweiter Spitzenreiter. Bis 2020 soll ihre Zahl auf 160 steigen, bis 2025 auf 320. Toyota, Honda und Nissan haben sich für den Bau der Zapfsäulen mit acht japanischen Gaslieferanten und Unternehmen zusammengeschlossen.

Gelockerte Vorgaben für H2-Tankstellen

Um das Vorhaben zu beschleunigen, beschloss die japanische Regierung im September, die staatlichen Vorgaben für Wasserstoff-Tankstellen zu lockern. Errichtung und Betrieb der Zapfsäulen sollen dadurch deutlich günstiger werden. Brennstoffzellen-Fahrzeuge haben den Vorteil, dass sie auf ähnliche Reichweiten wie Diesel und Benziner kommen. Außerdem lassen sie sich innerhalb von fünf bis sieben Minuten auftanken – ein großer Vorteil gegenüber den langen Ladezeiten von batterieelektrischen Fahrzeugen.

In Deutschland und Europa wird ebenfalls daran gearbeitet, mehr Wasserstoff-Fahrzeuge auf die Straßen zu bringen. Im hessischen Taunus fahren vom kommenden Jahr an elf Brennstoffzellen-Busse, zwei sind schon jetzt im Industriepark Höchst probeweise im Einsatz. Außerdem will der Rhein-Main-Verkehrsverbund rund 26 Brennstoffzellen-Triebzüge vom Hersteller Alstom anschaffen, die ab 2022 Züge mit Diesel-Antrieb ersetzen sollen.

Infrastruktur in Deutschland wächst

Coradia iLint heißt das H2-Modell, das Alstom in Salzgitter baut und das im nächsten Jahr zum ersten Mal in Niedersachsen, genauer gesagt zwischen Buxtehude und Cuxhaven, fahren wird. Die größte Flotte von Brennstoffzellen-Bussen in Europa wiederum wird ab 2019 im Kölner Umland unterwegs sein, wo die Verkehrsbetriebe 30 Fahrzeuge anschaffen wollen. 

Auch die Infrastruktur ist im Aufbau: An diesem Mittwoch eröffneten die Mineralölfirma Allguth und der Technologiekonzern Linde in München die 41. Wasserstoff-Tankstelle in Deutschland. Bis zu 400 Zapfsäulen will die Initiative H2 Mobility (Air Liquide, Daimler, Linde, OMV, Shell und Total) in den nächsten Jahren aufbauen. Die ersten 50 davon werden in Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms (NIP) gefördert. NIP zählt zusammen mit dem EU-Verbundprojekt Jive zu den wichtigsten Förderinitiativen für Fahrzeuge und Infrastruktur hierzulande. Die Koordination des NIP übernimmt die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW).

Lesen Sie auch: Wie Wasserstoff den Güterverkehr anschiebt

Jutta Maier
Keywords:
Brennstoffzelle | Wasserstoff | Brennstoffzellenbus | Alternative Antriebe | erneuerbare Energien | Verkehrswende
Ressorts:
Technology | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die aktuelle Ausgabe gibt es am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research