Elektromobilität
14.11.2017

Toyota-Allianz nimmt neuen Anlauf zu Wasserstoff-Mobilität

Foto: Creative Commons/Bexim
Ein Toyota Mirai mit Brennstoffzellen- und Elektroantrieb vor einer Wasserstoff-Tanksäule.

Wasserstoff könnte 2050 fast ein Fünftel des globalen Energiebedarfs decken. Mit dieser Prognose will Toyota-Chairman Takeshi Uchiyamada Investoren und Politiker auf den Energieträger einschwören.

Auf der UN-Klimakonferenz in Bonn hat der Toyota Topmanager den Aufbruch in die „globale Wasserstoffgesellschaft“ verkündet. Uchiyamada führt mit dem japanischen Autokonzern die Industrie-Allianz „Hydrogen Council“ an, zu der unter anderem Daimler, BMW, Audi sowie Shell, Total und der Bergbaukonzern Anglo American zählen. Wasserstoff (H2) hat in etablierten Industriekonzernen viele Fans. Ihr Herauforderer, der Tesla-GründerElon Musk, hält dagegen wenig von dem Energieträger.

Anzeige*

Die neuen Zahlen, berechnet von der Unternehmensberatung McKinsey & Company, sollen nun die Zweifler überzeugen: Im Jahr 2050 kann Wasserstoff demnach 18 Prozent des globalen Energiebedarfs decken, den CO2-Ausstoß der Welt um etwa sechs Gigatonnen senken und damit 20 Prozent der angestrebten Reduktion des Treibhausgases bewirken. Im Jahr 2030 soll Wasserstoff bis zu 15 Millionen Pkw und 500.000 Lkw antreiben. Der Hydrogen Council traut der H2-Industrie zu, in den kommenden 32 Jahren 30 Millionen Jobs zu schaffen.

„Lokal produzieren, lokal verbrauchen“

Toyota-Chairman Takeshi Uchiyamada. Foto: Creative Commons/Bertel Schmidt
„Die Welt muss dramatisch energieeffizienter werden“, sagte Uchiyamada am Montag auf dem „Sustainable Innovation Forum“ am Rande der Bonner Klimakonferenz. Da Wasserstoff sich aus überschüssigem Wind- und Solarstrom generieren lasse und speicherbar sei, sei er die ideale Energiequelle für die Zukunft. „Wasserstoff kann lokal produziert und lokal verbraucht werden“, sagte Uchiyamada. „Toyota glaubt fest an Wasserstoff.“

Mit H2 lässt sich in Brennstoffzellen Strom für Elektroantriebe erzeugen. Toyota, Daimler, BMW und Audi trauen ihm deshalb einen großen Anteil am künftigen E-Auto-Markt zu. Aldo Belloni, der Vorstandschef des deutschen Gase-Produzenten und Anlagenbauers Linde, berichtete, der Hydrogen Council habe das Wasserstoff an der Wall Street ins Gespräch gebracht und dort viel Aufmerksamkeit erhalten. „Dies sind große, reiche Unternehmen. Wenn der Finanzmarkt sieht, dass wir in diesem Sektor investieren, weckt das Interesse“, sagte Belloni.

Wirtschaftlichkeit steht in Frage

Im Anfang des Jahres auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gegründeten „Hydrogen Council“ haben sich 18 Industriekonzerne zusammengeschlossen. Ihre Geschäftsmodelle beruhen bisher vor allem auf fossilen Energieträgern, insbesondere Öl und Gas. Die industrielle Wasserstoffproduktion aus Ökostrom per Elektrolyse, die Toyota-Chairman Uchiyamada in Aussicht stellt, findet erst in kleinem Maßstab in Pilotprojekten statt. Noch wird Wasserstoff vor allem mithilfe von Erdgas hergestellt, somit sind Produzenten noch auf fossilen Brennstoff angewiesen.

Kritiker der Strategie, Wasserstoff im großen Stil als Energieträger für Mobilität zu etablieren, zweifeln an der Wirtschaftlichkeit der energieaufwändigen und noch relativ ineffizienten Elektrolyse-Methode, mit der Wasserstoff aus Strom und Wasser gewonnen wird. Der Tesla-Gründer und Solarunternehmer Elon Musk bezeichnete das Vorhaben gar als „verrückt“.

Lesen Sie auch: Toyota präsentiert neuen Brennstoffzellen-Bus

 

Keywords:
Brennstoffzelle | Wasserstoff | Elektromobilität
Ressorts:
Technology | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die aktuelle Ausgabe gibt es am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research