US-Infrastruktur
15.03.2017

Tesla und Trump: Die neue Allianz

Foto: OnInnovation

Elon Musk könnte für den Ausbau seines E-Auto-Ladenetzes finanzielle Unterstützung aus Washington gut gebrauchen. Bei der Diskussion um ein Infrastruktur-Paket von US-Präsident Donald Trump war der Tesla-Chef schon mal dabei.

Es ist nicht bekannt, wer das Plakat in Auftrag gegeben hat, doch die Botschaft ist klar: „Elon: Dump Trump“ mit dem Zusatz „Resist“, heißt es auf einem Banner an der Interstate-Autobahn 880. Es steht gerade mal drei Meilen von der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont entfernt – und spielt darauf an, dass Tesla-Gründer Elon Musk jetzt Wirtschaftsberater von Donald Trump ist. Obwohl sich Musk öffentlich für seinen Sitz in Trumps „Advisory Council“ rechtfertigte, stößt seine Nähe zum umstrittenen US-Präsidenten öfter mal auf Ablehnung.

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Im Silicon Valley hingegen wird die neue Allianz inzwischen aber eher begrüßt. David Kirkpatrick, Chef des US-Medienunternehmens Techonomy Media, sagte kürzlich im TV-Sender CNBC, es sei „ermutigend“, dass sich Musk Gehör bei Trump verschaffen könne. „Wir brauchen Leute wie ihn mit Vertrauen in Technologie und eine zeitgemäße Infrastruktur – nicht nur in Brücken und Flughäfen“, meint Kirkpatrick.

Treffen im Weißen Haus

Anfang März traf sich das Advisory Council inklusive Musk im Weißen Haus, um Trumps Infrastrukturpaket zu besprechen. Trump hatte das eine Billion US-Dollar schwere Paket zur Sanierung der maroden Straßen, Brücken und Flughäfen angekündigt. Und die Frage drängt sich auf: Wie wird Elon Musk selbst davon profitieren? Schließlich hat er mit Hyperloop ein Hochgeschwindigkeits-Transportsystem erdacht, und probiert sich neuerdings auch im Bau von Tunneln aus – wenn auch vorerst nur testweise auf dem Gelände seiner Weltraumfirma SpaceX in Los Angeles. Vor allem aber wird Musk nach dem Markteintritt des neuen Tesla-Model 3 ein größeres E-Auto-Ladenetz brauchen, um mit seinem etwa 35.000 Dollar teuren „Volks-Stromer“ den Durchbruch in den Massenmarkt zu schaffen. Schon im zweiten Halbjahr 2017 will Tesla mit der Produktion beginnen und 2018 bereits eine halbe Million Fahrzeuge ausliefern.

Für Techonomy-Chef Kirkpatrick steht fest: „Eine Elektroauto-Infrastruktur ist genau das, was dieses Land braucht“. Im Techonomy-Aufsichtsrat sitzen die Chefs von Silicon-Valley-Größen wie Twitter, Salesforce und Linkedin. Trump hatte gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft die Nähe der Tech-Bosse gesucht und ihnen niedrigere Steuersätze für im Ausland geparkte Gewinne in Aussicht gestellt.

UBS-Analyst Colin Langan rechnet vor, dass Musk zwei bis acht Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Tesla-Ladeinfrastruktur investieren muss, um seine E-Autos im Vergleich zu Benzin-Fahrzeugen wettbewerbsfähig zu machen. Bei seiner Rechnung geht Langan von folgenden Prämissen aus: In den USA dauert eine Fahrt zur nächsten Tesla-Ladestation im Schnitt immer noch 31 Minuten, während die nächste reguläre Tankstelle durchschnittlich nur vier Minuten Fahrtzeit entfernt ist. Um auf den gleichen Wert zu kommen, müsste Tesla rund 30.000 neue Ladestationen aufbauen, schätzt der UBS-Analyst. Ohne Kapitalerhöhungen wird das nicht möglich sein.

„Die Frage ist, wie lange sich Tesla am Markt noch Geld beschaffen kann, wenn sie so viel Geld verbrennen“, sagt Langan. Tesla schreibt weiterhin rote Zahlen, wenngleich sich der Verlust im vierten Quartal von 320 Millionen auf nur noch 121 Millionen US-Dollar im Vorjahresvergleich verringerte. Um alle Ziele zu erreichen – die Massenproduktion des Model 3, den Bau der Gigafactories und die Ausweitung der Ladeinfrastruktur – braucht Tesla laut Langan bis 2025 insgesamt 35 Milliarden Dollar.

Steuerrabatte für Tesla laufen bald aus

Es gibt indes auch Stimmen, die nicht an eine Trump-Tesla-Allianz glauben. So rechnet Hedgefonds-Manager Mark Spiegel nicht mit Unterstützung der Regierung für Musk. Der sitze nur deshalb im Advisory Council, weil Trump seinem Unterstützer und Technologie-Berater Peter Thiel einen Gefallen tun wolle. Thiel und Musk kennen sich seit vielen Jahren, 1998 begründeten sie den Bezahldienst Paypal mit. „Ich bezweifle, dass Trump irgendwelches weitere Geld in Musks Taschen fließen lassen wird“, sagt Spiegel zu bizz energy. Der US-Präsident werde vielmehr versuchen, jegliche Steuerrabatte für Tesla-Fahrzeuge abzuschaffen. Allerdings wird die derzeitige Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar für den Kauf von E-Autos für Tesla ohnehin bald irrelevant: Sie läuft ab dem zweihunderttausendsten verkauften Fahrzeug aus. Läuft alles nach Plan, knackt Musk diese Marke im kommenden Jahr.   

Wie auch immer: Für Tesla hat sich der Schulterschluss mit Trump bereits gelohnt. Die Unternehmensaktie ist seit Beginn des Jahres um 25 Prozent gestiegen. Das dürfte sich auch damit erklären lassen, dass Musk und Trump trotz unterschiedlicher Ansichten etwa zum Klimawandel insgesamt ähnliche, extrem ehrgeizige Ziele verfolgen. So setzt Musk auf die Produktion in den USA und lässt in Kalifornien Autos, und in den neuen Fabriken in Nevada und New York Batterien und Solarpanels bauen. Trump will seinerseits als „größter Job-Präsident aller Zeiten“ in die Geschichte eingehen. Fazit: Trump wird Musk wohl keine Steine in den Weg legen. Im Gegenteil.

Jutta Maier
Keywords:
Elon Musk | Tesla | Model 3 | Donald Trump | Peter Thiel | Infrastruktur | Investitionen | Berater-Forum
Ressorts:
Governance | Markets

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