Bürgeranleihe
03.12.2013

Tennets schwache Bürgerleitung

Tennet

Der holländische Netzbetreiber Tennet zieht ein Resümee über das schwache Abschneiden der ersten Bürgeranleihe für den Netzausbau. Mit deutlich weniger als einer Million Euro beteiligten sich die Bürger am Trassenbau – erhofft waren rund sechs Millionen Euro.

Von Juni bis Ende September 2013 bot der holländische Netzbetreiber Tennet erstmals in Deutschland eine Bürgeranleihe für den Bau einer neuen Stromtrasse an der Westküste Schleswig-Holsteins an. 142 Haushalte zeichneten die Anleihe und generierten damit 833.000 Euro. Die maximal möglich Anleihehöhe lag bei 40 Millionen Euro, was 15 Prozent der Gesamtkosten entspricht.

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Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung von Tennet hatte das Konzept im Februar im Gespräch mit BIZZ energy today erläutert. „Für uns ist das viel Aufwand. Es ist sicherlich nicht der Weg, um Kapital einzusammeln." Vorrangiges Ziel sei es, mehr Akzteptanz für den Leitungsbau zu erreichen.

Zwei Monate nach Zeichnungsfrist zieht der Netzbetreiber nun Resümee zum Pilotprojekt Bürgerleitung. Das Projekt habe wichtige Hinweise zur Akzeptanz von Energie-Infrastrukturprojekten und möglichen Beteiligungsformen geliefert, sagte Hartman.  „Diese Erfahrungen können Grundlage für die von der Politik geplante Weiterentwicklung der Bürgerbeteiligung sein.“

Dabei versprach die Bürgeranleihe im Vergleich zu konventionellen Geldanlagen mit fünf Prozent nach Baubeginn eine lukrative Verzinsung. Für einen Mindestbetrag von 1.000 Euro konnten sich die Bürger am Bau der Stromtrasse beteiligen. Wieso die Nachfrage nach der Anlage trotzdem gering blieb, analysierte Tennet nun unter anderem aus Zeichnungsaufträgen, Bürgeranfragen und zwei Umfragen. 

Öffentliche Debatte ließ Interesse sinken

Das Interesse sei demnach mit Einsetzen der öffentlichen Debatte ab August deutlich gesunken. In der Debatte hatten Kritiker unter anderem das Risiko des Totalverlusts, die Komplexität  sowie Unsicherheiten eines nicht garantierten Rückkaufs ins Spiel gebracht.

Dabei sahen die Bürger laut parallel durchgeführten Umfragen, an denen das Marktforschungsinstitut TNS Emnid mitwirkte, gerade am Anfang der Zeichnungsfrist die Idee einer Bürgeranleihe zu über 80 Prozent positiv. 

Die Umfragen machten jedoch auch die Probleme der Anleihe deutlich. Bei annähernd der Hälfte der Befragten fehlte zum Beispiel das nötige Geld für den Kauf. Einige Bürger bewerteten die Anleihe als „nicht interessant“ (39 Prozent), rund ein Viertel bekundeten, grundsätzlich kein Interesse an derartigen Investmentformen zu haben. Für ein Drittel wiederum war das Finanzprodukt zu kompliziert.  

32 Prozent würden sich nach eigenen Angaben am Stromnetzausbau beteiligen – die Bereitschaft bei Windparks liegt laut Tennet mit 53 Prozent deutlich höher.

 

Daniel Seeger
Keywords:
Bürgeranleihe | Netzausbau | Projektfinanzierung | Finance | Bürgerbeteiligung
Ressorts:
Finance

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