Digitalisierung
03.11.2017

Tennet und Sonnen stabilisieren Stromnetz mit Blockchain

Foto: iStock/Christian Cam
Windkraftanlagen müssen oft abgeregelt werden, wenn das Stromnetz überlastet ist.

Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Speicherhersteller Sonnen starten das europaweit erste Pilotprojekt, in dem Heimspeicher überschüssige Energie aus dem Netz aufnehmen.

Tennet hat nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich Heimspeicher für den sogenannten Redispatch genutzt. Unter Redispatch versteht man normalerweise Eingriffe in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken, um Leitungen vor einer Überlastung zu schützen.

Anzeige*

Die über die Blockchain vernetzten Heimspeicher können stattdessen je nach Bedarf überschüssigen Strom sekundenschnell aufnehmen oder abgeben und damit dazu beitragen, Transportengpässe im Netz zu reduzieren. „Letztlich hilft das, die teure Abregelung von Windanlagen zu begrenzen, die notwendig ist, um das Netz zu stabilisieren“, sagt Urban Keussen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Tennet.

Heutzutage kommt es wegen der zunehmenden, dezentralen Einspeisung erneuerbarer Energien immer öfter zu Transportengpässen im Stromnetz. Um solche Engpässe handzuhaben, greifen Tennet und die anderen Übertragungsnetzbetreiber in die Stromerzeugung durch konventionelle Kraftwerken und durch Erneuerbaren ein und sorgen so dafür, dass der Stromtransport im Rahmen der Übertragungskapazität des Netzes liegt. 2016 kosteten solche Maßnahmen deutschlandweit rund 800 Millionen Euro. Insbesondere Windanlagen abzuregeln ist teuer. Die Kosten trägt über die Netzentgelte letztlich der Stromverbraucher.

Batteriepool kann Netzschwankungen ausgleichen

Speicherhersteller Sonnen vernetzt nun die dezentralen Heimspeicher seiner Community untereinander, die so einen virtuellen Batteriepool bilden. Dieser kann gezielt Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Das erleichtert wiederum die Nutzung von erneuerbaren Energien insgesamt, da sie gleichmäßiger verteilt werden und Produktionsspitzen aufgefangen werden. Privathaushalte mit einem Speicher können auf diesem Weg zudem vom Energiemarkt profitieren – überschüssigen Strom können Sie über die Blockchain an ihren Nachbarn verkaufen.

Schon heute erhalten die teilnehmenden Haushalte außerdem kostenlosen Strom, wenn sie ihre Speicher für wenige Minuten am Tag für Netzdienstleistungen zur Verfügung stellen. „Bei dem gemeinsamen Projekt mit Tennet nutzen wir bei Netzengpässen erstmals grüne Energie aus Speichern statt Kohle- oder Atomstrom. Statt grünen Strom im Norden wegzuwerfen, speichern wir ihn. Statt Großkraftwerke im Süden hoch zu fahren, rufen wir Solarstrom aus Speichern ab. Damit entsteht eine grüne, virtuelle Stromleitung von der sowohl unsere Kunden als auch die Allgemeinheit profitieren“, sagt Philipp Schröder, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei Sonnen.

Blockchain für die dezentrale Energiewirtschaft

Die Pilotphase des Projekts soll bis zum zweiten Quartal 2018 dauern. Während dieser Zeit werden bis zu 6000 dezentrale Batteriespeicher in ganz Deutschland über eine Blockchain-Lösung in das Netz von Tennet eingebunden. Die Blockchain-Lösung entwickelte IBM entwickelt und der Pool von Photovoltaik-Heimspeichern stellt Sonnen bereit.

Milliarden Geräte müssen für die dezentrale Energiewende integriert werden. Doch die heutige Netz-Infrastruktur ist dafür bislang nicht ausgelegt. Die Blockchain-Technologie könnte die Netze schneller und stabiler machen. Das Projekt von Sonnen, Tennet und IBM ist das bislang größte Blockchain-Projekt im Bereich der Energie-Vernetzung.

Lesen Sie hier mehr über die Bedeutung der Blockchain für die Netzstabilität.

Carsten Kloth
Keywords:
Blockchain | Stromnetz | Windkraft | Photovoltaik | Digitalisierung
Ressorts:

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die aktuelle Ausgabe gibt es am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research