Klimaschutz
07.11.2017

Städte haben größere Macht über Treibhausgasemissionen

Foto: iStock/Ulrike Stein
Auch Mega-Städte wie Mexico City können Klimaschutz-Wirkungen außerhalb ihrer Stadtgrenzen initiieren.

Städte können mehr für den Klimaschutz tun, als bislang gedacht. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat Treibhausgas-Fußabdrücke von Städten berechnet und außerhalb der Stadtgrenzen anfallende Emissionen in den Blick genommen.

Der Ausstoß von Treibhausgasen, den Stadtbewohner durch den Einkauf von Waren und Dienstleistungen von außerhalb der Stadtgrenzen verursachen, ist viel größer als bisher angenommen. Diese indirekten Emissionen sind in etwa gleich groß wie die Gesamtemissionen aus dem eigenen Stadtgebiet, wie eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt.

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Das sei aber keine schlechte Nachricht, schreiben die Autoren mit Blick auf den gerade gestarteten UN-Klimagipfel Cop 23 in Bonn. Die lokale Politik habe die Chance, mehr gegen den Klimawandel tun zu können.

„Es stellt sich heraus, dass dieselben Aktivitäten, die die meisten lokalen Emissionen städtischer Haushalte verursachen – Wohnen und Transport – auch für den Großteil der vorgelagerten Emissionen an anderer Stelle der Versorgungskette verantwortlich sind“, sagt Peter-Paul Pichler, Leitautor der Studie. Oft heiße es, dass Bürgermeister wenig gegen den Klimawandel tun könnten, weil ihr Einfluss auf das Stadtgebiet begrenzt sei. Aber tatsächlich könne ihr Handeln weitreichende Wirkung haben.

Große Wirkungen außerhalb der Stadtmauern

Als indirekte oder vorgelagerte Emissionen werden Treibhausgase bezeichnet, die nicht beim Konsumenten selbst anfallen, aber von ihm beispielsweise durch das Beziehen von Strom oder Wärme verursacht werden und bei der Produktion entstehen.

Die Herstellung von Zement und Stahl für Gebäude zum Beispiel verbraucht viel Energie – meist aus fossilen Brennstoffen. Wenn eine Stadt stattdessen den Einsatz von weniger CO2-intensiven Baustoffen wie etwa Holz fördert, kann der indirekte Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduziert werden. Weiteres Beispiel: Die Erhöhung der Dämmstandards für Gebäude verringert die lokalen Emissionen durch die Senkung des Heizenergiebedarfs. Sie kann zudem den Bedarf an elektrischer Kühlung im Sommer reduzieren, wodurch die Stromerzeugung und damit der Ausstoß von Treibhausgasen in Kraftwerken außerhalb der Stadtgrenzen reduziert wird.

Im Verkehrssektor können Städte durch den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs lokale Emissionen aus dem Autoverkehr minimieren. Dies reduziert aber auch die Anzahl der Autos, die außerhalb der Stadtgrenzen mit großem Energieaufwand gebaut werden müssen.

Und es kann noch mehr getan werden: Die Städte können entscheiden, aus welchen Quellen sie den Strom beziehen, um beispielsweise ihre U-Bahnen oder Elektrobusse zu betreiben. Entscheiden sie sich für Energie aus Sonne oder Wind, so können Stadtverwaltungen dazu beitragen, dass weiter entfernte Kohlekraftwerke geschlossen werden.

Kaum Unterschiede zwischen Städten bei vorgelagerten Emissionen

Im Rahmen der Studie hat das PIK auch den ersten international vergleichbaren Treibhausgas-Fußabdruck für Berlin, New York, Mexico City und Delhi berechnet. Demnach sind die Unterschiede zwischen den Treibhausgas-Fußabdrücken in den vier untersuchten Städten riesig – sie schwanken zwischen 1,9 (Delhi) und 10,6 (New York) Tonnen CO2-Äquivalent pro Kopf und Jahr. Berlin kommt auf einen Fußabdruck von 8,9 Tonnen und liegt damit hinter Mexico City an dritter Stelle.

Das Verhältnis zwischen lokalen und vorgelagerten Emissionen ist aber in allen Städten etwa gleich groß. Auch die Bedeutung der Sektoren Wohnen und Verkehr für die Treibhausgasemissionen ist in allen untersuchten Ballungsgebieten sehr ähnlich.

„Die Macht der Städte – als offene, verdichtete und vernetzte Systeme – den Klimawandel auch in Zeiten unsicherer nationaler und internationaler Klimapolitik anzugehen, wird von vielen lokalen Entscheidungsträgern und einem Großteil der internationalen Gemeinschaft unterschätzt“, sagt Helga Weisz, Co-Autorin der Studie. Weltweit müssten Städte ermutigt und befähigt werden, ihr gesamtes Emissionsspektrum – lokale und vorgelagerte Emissionen – zu beobachten. Erst dadurch könnten die notwendigen und ambitionierten Pläne vieler Städte zur Einhaltung der Zwei-Grad-Grenze verwirklicht werden.

Carsten Kloth
Keywords:
Klimaschutz | Städte | Studie
Ressorts:
Governance

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