USA
06.10.2016

Sonnenstrom aus der Hood

Foto: Gaamha / Marilyn Humphries
Das Mill Street Solar Project in Massachusetts liefert den Strom an Bürger aus der Nachbarschaft.

Im nächsten TV-Duell zur US-Wahl am Sonntag dürfen Bürger die Fragen an die Kandidaten auswählen. Erneuerbare Energie wird ein großes Thema, was sich auch an den beliebten Community-Solarparks zeigt.

 

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„Wie werden Sie als US-Präsident den Klimawandel bekämpfen?“, lautet eine beliebte Frage von US-Bürgern für das kommende Fernseh-Duell vor der Präsidentschaftswahl. Oder auch: „Würden Sie als Präsident eine Komplettwende hin zu erneuerbaren Energien bis 2020 unterstützen?“ Die ganze Woche über kann die Allgemeinheit noch online darüber abstimmen, welche Fragen die Fernsehmoderatoren den Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump an diesem Sonntag stellen sollen. Fragen aus dem Internet und sozialen Medien werden die Hälfte der Sendung ausmachen, die wie eine Bürgerversammlung aufgezogen wird. Die anderen 50 Prozent können die Studio-Zuschauer direkt stellen.

Es ist kein Wunder, dass sich dabei viele Fragen auch um den Klimawandel und erneuerbare Energien drehen: Das Thema ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das zeigt zum Beispiel auch die wachsende Zahl an Community-Projekten für Erneuerbare. Vor allem sogenannte Solar-Farmen sind in den USA auf dem Vormarsch. Dabei bekommen Bürger Zugang zu grünem Strom, der zum Teil auf winzigen Grundstücken in der Hood erzeugt wird, wie die Nachbarschaft im Slang genannt wird. Die Anlagen, die in der Regel eine Leistung von 10 bis 2.000 Kilowatt haben, werden auch Solar-Gärten genannt. Sie sind eine Alternative zu den herkömmlichen Solarparks großer Stromerzeuger einerseits und Solaranlagen auf privaten Hausdächern andererseits.    

 

Non-Profit-Organisationen als Investoren

Verbraucher, die sich in ein solches Gemeinschaftsprojekt einkaufen, beziehen den erzeugten Strom nicht direkt, sondern dieser wird an einen lokalen Energieversorger verkauft. Der Eigentümer ist häufig eine Drittpartei, zum Beispiel ein Solarentwickler. Es kann sich aber auch um eine Kooperation der Stadt mit einer Entwicklungsgesellschaft und einer Non-Profit-Organisation handeln, wie zum Beispiel bei dem Mill Street Solar Project in Massachusetts, das ein Megawatt Leistung bietet.

Das Prinzip: Der zuständige Energieversorger reduziert im Gegenzug die Stromrechnung der Community-Kunden, je nachdem, wie viel Megawatt er der Farm abnimmt. Dadurch bekommen auch Mieter oder Hausbesitzer, deren Dächer nicht für Photovoltaik-Anlagen taugen, Zugang zu Sonnenstrom. Außerdem werben manche Anbieter damit, dass die Kosten für die Kunden geringer seien als bei klassischen Stromlieferverträgen.

 

Community-Projekte mit 100 Megawatt

Solche Gemeinschafts-Solarprojekte sind bislang in 14 US-Bundesstaaten zugelassen. Zusammen kommen die bisher gebauten Sonnen-Farmen auf 100 Megawatt – genug, um etwa 30.000 Haushalte zu versorgen. Besonders häufig sind sie im Staat New York zu finden – und natürlich in Kalifornien, dem US-Staat mit dem größten Solarstrom-Anteil.  Zum Vergleich: Die Solar-Gesamtkapazität in den USA liegt derzeit bei rund 30 Gigawatt Leistung.

Immerhin: Nach Einschätzung der Solar Energy Industries Association (SEIA) könnte sich der Anteil von Strom aus Gemeinschafts-Solarfarmen innerhalb der nächsten fünf Jahre auf rund 1,8 Gigawatt erhöhen. Die Vereinigung begründet dies damit, dass immer mehr Bundesstaten solche Projekte fördern und auch mehr Privatpersonen die Steueranreize der Regierung nutzen. Beispielsweise hat das US-Energieministerium Mitte des Jahres angekündigt, 287 Millionen Dollar zur Finanzierung von Solarprojekten für Geringverdiener bereitzustellen.

 

Grünstrom direkt aus Windparks

Community-Projekte gibt es auch im Bereich Windenergie. In den USA tragen sie die Bezeichnung „dezentral“, die hierzulande für sämtliche erneuerbaren Energien unabhängig vom Status der Eigentümer verwendet wird. Nach Angaben des US-Energieministeriums wurden zwischen 2003 und 2015 zwar mehr als 75.000 „dezentrale“ Windturbinen mit einer Kapazität von 934 Megawatt installiert. Allerdings verlor das Thema im vergangenen Jahr ein wenig an Popularität: Die zugebaute Leistung reduzierte sich, die Investitionen gingen leicht zurück.

Die Behörde begründet dies unter anderem mit den relativ niedrigen Energiekosten infolge von billigem Erdgas und der Konkurrenz durch Photovoltaik. Community-Windfarmen seien aber ein Wachstumsfeld. Das Unternehmen United Wind etwa geht mit dem Bau einer Turbine in Vorleistung und kümmert sich um Betrieb und Wartung. Die Kunden zahlen nur einen festen Monatsbetrag für die gelieferte Energie.

Jutta Maier
Keywords:
Solarenergie | Windenergie | Mieterstrom | USA | Hillary Clinton | Donald Trump
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