Photovoltaik-Boom
01.06.2017

Sonnenernte im Osten

Foto: istockphoto/123ArtistImages
Solarpark in Shanghai

Weniger für mehr: Die Photovoltaik scheint nichts aufhalten zu können. Der globale Aufschwung steht auf breiten Füßen, besonders in Asien.

Vier Millionen Solarmodule, ein Gigawatt Leistung: Dieser Tage wird der bis dato größte Solarpark der Welt fertiggestellt. Nicht in Deutschland, dem ergrauten einstigen Weltmarktführer. Nicht in Italien, in Japan und den USA, den weiteren großen Märkten in Industrieländern. Und auch nicht in China, dem nun dominanten Land bei der Herstellung und der Installation von Modulen. Sondern in Indien. Der „Kurnal Ultra Mega Solar Park“ im Bundesstaat Andhra Pradesh hat rund eine Milliarde Euro gekostet und erstreckt sich über 24 Quadratkilometer. Gerade einmal zwei Jahre sind zwischen den ersten Ausschreibungsrunden des Projekts und der Fertigstellung vergangen.

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Die neuen Solarparks in Indien scheinen keinen Preisboden zu finden. Es wird immer noch ein Stückchen billiger mit jeder neuen Anlage. Bei einem 750-Megawatt-Park in Madhya Pradesh lagen die erfolgreichen Gebote kürzlich bei aus Rupien umgerechnet 4,3 Cent pro Kilowattstunde, noch einmal 20 Prozent unter den Zuschlägen für Kurnal. Damit liegt die Solarenergie weit jenseits des Preises fossiler Konkurrenten, erst recht, wenn man Umweltschäden mit einrechnet. Dort, wo die Sonne noch ein wenig  kräftiger vom Himmel brennt als in Indien, wo zumindest in der Monsunzeit die Erträge etwas zurückgehen, geht es indes sogar noch billiger. Zum Beispiel in den Golfstaaten und in Chile mit unter drei Dollarcent.

Nein zur neuen Schnäppchenpreis-Energie

Zurück nach Indien: Dort sind bereits 2016 vier Gigawatt ans Netz gegangen, fast dreimal so viel wie in Deutschland. Dieses Jahr könnten es laut den Marktspezialisten von EnergyTrend rund zehn Gigawatt werden. Das würde Indien global auf Platz drei hieven.
Immer weniger Länder sagen nein zur neuen Schnäppchenpreis-Energie. Trotz ihres bei zunehmender Produktion immer störrischeren Erzeugungsprofils mit den bekannten Mittagsspitzen ist Solar angesichts der fallenden Preise enorm attraktiv. Besonders günstig sind die Voraussetzungen, wenn das Stromnetz wie in Indien ohnehin ausgebaut werden muss und der Verbrauch stetig wächst. Deshalb steigen gerade die Schwellenländer voll ein. Ganz vorne beim globalen Solarausbau liegen – wieder einmal – China, die USA und Japan.

Die an der Spitze stehenden Chinesen bauen nach wie vor, was das Zeug hält. 34,5 Gigawatt, fast der halbe Weltmarkt, wurden dort 2016 errichtet. Der Hintergrund: Zentral- und Regionalregierungen wollen die Stromerzeugung umweltfreundlicher machen, aber vor allem geht die Angst um, dass die großen Hersteller JA Solar, Jinko und Trina in Schwierigkeiten geraten könnten, wenn die heimische Nachfrage wegbricht. 2017 soll es aufgrund von Änderungen in der Förderung etwas gemächlicher zugehen – 30 Gigawatt erwarten die Experten von GTM Research. Mittelfristig soll der Markt allerdings schrumpfen, das ist zumindest in der nationalen Zielvorgabe vorgesehen.

Rekordjahr in den USA

Auch in den USA war 2016 ein Rekordjahr mit knapp 15 Gigawatt installierter Leistung. Schon Anfangs des Jahres dürften die Amerikaner Deutschland bei der insgesamt installierten Leistung hinter sich gelassen haben. Deutschland hatte zum Jahresende gut 41, die USA etwas mehr als 40 Gigawatt in Betrieb. Lediglich ein Rückgang um zehn Prozent wird für 2017 vorhergesagt. In vielen Staaten lohnt es sich massiv, auf Solar zu setzen. Die Investment Tax Credits (ITC) wurden schon vor der Wahl Donald Trumps vom Kongress für fünf Jahre verlängert. Und schließlich Japan, der dritte Teil der Triade, die ganz oben steht: Auch dort wird es 2017 eher etwas bergab als nach oben gehen.

Insgesamt kommt der globale Photovoltaikmarkt auf stolze 75 Gigawatt neuer Kapazität. Eine Steigerung um rund 50 Prozent zu 2015. Dieses Jahr soll der Markt sich auf diesem hohen Niveau stabilisieren und allenfalls wenig zulegen, erwarten die Marktanalysten übereinstimmend. Der Unterschied zur Situation vor einigen Jahren: Hinter den Spitzenreitern tut sich viel. Es gibt Dutzende Länder, wo Solarstrom inzwischen eine gewichtige Rolle spielt. Der globale Markt steht auf vielen Füßen. Das macht einzelne politische Entscheidungen nahezu irrelevant für die globale Entwicklung.

Beispiele für den breiten Boom sind Korea mit 850 Megawatt Neubau im Jahr 2016, Australien (knapp 840 Megawatt), Türkei (583) Chile (746) und Thailand (726), wie die Internationale Energie-Agentur (IEA) gezählt hat. Und in Dutzenden Ländern wird für die Solarenergie in den kommenden Jahren ein Aufschwung erwartet, darunter mögliche Riesenmärkte der Zukunft wie Malaysia, Vietnam und Indonesien in Asien sowie Mexiko und Brasilien. Auch in Afrika gelingt es, endlich Fuß zu fassen. 500 Megawatt wurden in Südafrika installiert. In Algerien geht es bislang nur langsam los, aber die  Ausschreibungen summieren sich auf vier Gigawatt.

Strukturwandel in der PV-Industrie

Der Grund dafür ist auch ein Strukturwandel der globalen Photovoltaik-Industrie, englisches Stichwort: Commoditisation. Ein Solarkraftwerk zu bestellen ist nicht viel schwieriger, als einen Dieselgenerator zu ordern. War es früher ein deutlicher Nachteil bei Ausschreibungen, wenn ein Land keinen etablierten Heimatmarkt hatte, zieht der Solarzirkus inzwischen problemlos um die Welt. Benjamin Attia von GTM sagt: “Heute ist es möglich für viele Länder, Solarkraftwerke auszuschreiben auch ohne einen Heimatmarkt zu haben.”

Eine bittere Erkenntnis klingt da mit: Den Europäern scheinen die frühen Investitionen in die Lernkurven kaum Vorteile gebracht zu haben – wenn man den Anschub einer globalen, sauberen Energiequelle nicht als Erfolg zählt, sondern die Sache industriepolitisch betrachtet. Da passt die jüngst avisierte Pleite von Solarworld ins Bild. Der letzte große deutsche Solarkonzern steckte schon lange in Schwierigkeiten, 2012 schrammte er knapp an der Pleite vorbei. Anfang Mai wurde nun die Insolvenz verkündet. Aber: Auch Solarworld hatte längst einen großen Teil der Produktion und des Absatzes in die USA verlagert.

Den vollständigen Text und weitere Extras zum Thema Photovoltaik finden Sie in der aktuellen Ausgabe von bizz energy, bestellbar bei unserem Aboservice unter bizzenergy@pressup.de oder als E-Paper unter ikiosk.de/shop/epaper/bizz-energy.html

Jakob Schlandt
Keywords:
Photovoltaik | Globaler Markt | Deutschland | Asien | Indien
Ressorts:
Technology | Markets

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