Klimawandel
28.03.2017

Sonne doch kein Klima-Joker

Foto: istock.com / sborisov
Eine schwächere Sonne würde die globale Temperatur senken und der Klimaerwärmung entgegenwirken.

Eine mögliche kleine Eiszeit ist eine der großen Unbekannten in der Klimaforschung. Doch selbst neue, extreme Prognosen zeigen: Den erhofften großen Abkühleffekt wird eine weniger aktive Sonne nicht bringen.

Für Skeptiker des menschengemachten Klimawandels ist sie der Hoffnungsstrahl schlechthin: Eine erneute Minderung der Sonnenaktivität, wie sie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einer kleinen Eiszeit führte. Weniger Wärme von der Sonne gleich kein Problem mit CO2, mit dieser Formel versuchen Klimaskeptiker immer wieder, ihren Thesen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. „Die kalte Sonne“ war beispielsweise der Titel eines Bestsellers von Ex-RWE-Manager Fritz Vahrenholt. Nun zeigen Berechnungen renommierter Institute aus der Schweiz, dass eine neue kleine Eiszeit die Klimaerwärmung selbst bei optimistischen Annahmen lediglich um ein paar Jahre verzögern würde.

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Die globale Durchschnittstemperatur werde um ein halbes Grad sinken, wenn die Sonnenaktivität in den nächsten 100 Jahren ihr nächstes Minimum erreiche, schreibt der Schweizerische Nationalfonds, Förderer der Studie des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums Davos, der ETH Zürich und der Universität Bern. Damit werde der Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals belastbar beziffert, hält der Fonds fest.

Doch Forscherkollegen sind skeptisch. „0,5 Grad sind eine sehr extreme Annahme und in der internationalen Klimawissenschaft eher eine Außenseiterposition“, sagt der Physiker Georg Feulner, der am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) die Entwicklung von Klimamodellen leitet. „Wenn man so starke Änderungen der Sonnenhelligkeit annimmt wie in dem Modell aus der Schweiz, könnte man die Klimaschwankungen der vergangenen Jahrhunderte nicht plausibel erklären."

„Nur eine sehr kleine Verschnaufpause“

Auf Nachfrage geben sich auch die Schweizer Forscher zurückhaltender als in der ersten Meldung. „Die 0,5 Grad sind eine Maximalabschätzung“, sagt Werner Schmutz, Direktor des Observatoriums in Davos. Sein Potsdamer Kollege Feulner berichtet, dass die Mehrheit der Klimawissenschaftler den Effekt eines größeren Rückgangs der Sonnenhelligkeit mit 0,1 bis 0,2 Grad beziffere. „Das würde uns nur eine sehr kleine Verschnaufpause verschaffen", gibt Feulner zu bedenken.

Angesichts eines prognostizierten Temperaturanstiegs um zwei bis drei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit sieht selbst der Davoser Experte Schmutz bei einem Rückgang von 0,5 Grad nur einen geringen Effekt auf die Klimaerwärmung. „Wir würden den Anstieg um zwei Grad vielleicht zehn Jahre später erreichen“, sagt der Wissenschaftler.

Noch ist auch noch keineswegs ausgemacht, ob es tatsächlich zu einem erneuten großen Einbruch der Sonnenaktivität kommt. Genaueres werde man erst um das Jahr 2030 wissen, sagt Schmutz.

Manuel Berkel
Keywords:
Klimawandel | Klimaskeptiker | Klimaforschung | PIK
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