Interview
21.07.2016

"Solar- und Windkraft schon heute wettbewerbsfaehig"

Foto: Pavlos Georgiadis
Rodolfo Lacy.

Der mexikanische Umweltstaatssekretär Rodolfo Lacy über die Klimaschutzziele seines Landes, Atomkraft, grüne Anleihen und die neue UN-Klimadiplomatin Patricia Espinosa.

 

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bizz energy: Gemeinsam mit den USA und Kanada hat Mexiko Anfang Juli verkündet, den Anteil sauberer Energien bis 2025 auf 50 Prozent steigern zu wollen. Welchen Beitrag leistet Mexiko?

Rodolfo Lacy: Es handelt sich um eine Zielvorgabe für die Region Nordamerika: Wenn Mexiko sein Ziel mit dem Kanadas und dem der USA kombiniert, soll insgesamt in der Region der Anteil sauberer Energien auf 50 Prozent bis 2025 steigen. Unser Land will bis zum Jahr 2030 rund 42 Prozent seiner Energie aus sauberen Quellen zu decken, im Jahr 2024 sollen es schon 35 Prozent sein. Dazu wollen wir insbesondere mehr Ökostromanlagen bauen, vor allem Windkraftwerke.

Welche Maßnahmen hat Mexiko bereist dafür in die Wege geleitet?

In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben wir bereits viele Maßnahmen ergriffen, beispielweise den Energiemarkt liberalisiert und für private Investoren geöffnet, nur das Stromnetz gehört noch dem staatlichen Energieversorger. Außerdem haben wir ein Energiewende-Gesetz auf den Weg gebracht, das Ausbauziele für Erneuerbare vorschreibt. Zudem haben wir seit diesem Jahr an der Börse einen Markt für Green Bonds etabliert. 2018 wollen wir einen Emissionshandel einführen. Bei dessen Entwicklung hat uns übrigens Deutschland beraten.

Zu den sauberen Energien zählen die Regierungen in Mexiko, Kanada und in den USA auch die Kernkraft. Welche Rolle spielen Atomkraftwerke in Ihrem Land?

Wir haben derzeit nur ein Kernkraftwerk mit zwei 700 Megawatt-Reaktoren in Betrieb. Am gleichen Standort sind zwei weitere Einheiten geplant. Allerdings steht derweil noch nicht fest, ob das Vorhaben tatsächlich umgesetzt wird. Aber: Wir verfolgen diese Technik weiter. Die Kernkraft ist in unserem Energieplan für die kommenden 15 Jahre verankert.

Wovon hängt der Ausbau der Atomkraft in Mexiko ab?

Davon, wie sich die Preise anderer Technologien entwickeln. Solar- und vor allem Windkraftwerke sind schon heute wettbewerbsfähig ­– auch ohne Subventionen und Steuernachlässe. Das ist entscheidend.

Welche Auswirkungen hat das Ziel der „drei Amigos“ Kanada, USA und Mexiko auf die Fossilen?

Das trilinguale Abkommen sieht die Senkung des Methanausstoßes in Nordamerika bis 2025 um 50 Prozent vor. In Mexiko betrifft das vor allem die Öl- und Gasindustrie, Kohle spielt nur eine untergeordnete Rolle, da nur drei Kohlekraftwerke in Betrieb sind. Für die Öl- und Gasindustrie will die Regierung neue Emissionsstandards erlassen und einen Kohlenstoffmarkt etablieren, um den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu deckeln.

Was plant Mexiko im Verkehrssektor?

Derzeit sind elektrische Autos und Plug-In-Hybride steuerbefreit. Außerdem haben sie den Vorteil, auch an solchen Tagen fahren zu dürfen, an denen in großen Städten aufgrund der Luftverschmutzung für herkömmliche Autos Fahrverbote gelten. In Städten wie Mexiko City wollen wir alle Taxis auf voll- und halbelektrifizierte Fahrzeuge oder Erdgas-Fahrzeuge umstellen. Taxifahrer, die ihr altes Fahrzeug durch ein klimafreundlicheres Modell ersetzen, erhalten von den Händlern Rabatte oder günstige Konditionen für die Finanzierung.

Ist eine Kaufprämie wie in den USA oder Deutschland geplant?

Eine Kaufprämie oder Förderprogramme wie in den USA oder Deutschland sind in unserem Land nicht zulässig. Unsere Gesetze verbieten es, mit öffentlichen Geldern private Investitionen und Anschaffungen zu bezuschussen. Außerdem besitzen nur 20 Prozent aller Mexikaner überhaupt ein eigenes Auto.

Ist die Energiewende in Mexiko innerhalb der Bevölkerung akzeptiert?

Soziale Konflikte gibt es nicht, die Bevölkerung steht hinter dem Erneuerbaren-Ausbau. Allerdings gibt es auf regionaler und kommunaler Ebene gelegentlich bei der Vertragsschließung mit Windprojektierern Streit. Wenn es um Geld geht, gibt es immer Probleme. So auch hier, beispielsweise über die Höhe der Pacht für das Land.

Was erwarten Sie von Patricia Espinosa, der früheren Botschafterin Mexikos in Deutschland und jetzigen höchsten UN-Klimadiplomatin, auf dem Weltklimagipfel im November in Marrakesch?

Patricia Espinosa ist in der Lage, viele verschiedene Sektoren um den Verhandlungstisch zu versammeln. Das ist ihre größte Stärke und in der jetzigen Phase der Klimadiplomatie die wichtigste Eigenschaft. Nach dem Klimagipfel im vergangenen Jahr geht es in Marrakesch darum, die in Paris vereinbarten Ziele umzusetzen. Dazu müssen alle ihren Beitrag leisten. 

Interview: Jana Kugoth
Keywords:
Mexiko | Windenergie | Erneuerbare | Kanada | USA | Verkehr | Atomkraft
Ressorts:
Governance

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