Intelligente Zähler
12.01.2017

Smart-Meter-Start verzögert sich

Foto: Flickr/ Portland General Electric
Bis es tatsächlich zum Einbau intelligenter Zähler kommt, könnte es noch ein Jahr dauern.

Ab diesem Jahr soll eigentlich der massenhafte Einbau intelligenter Stromzähler beginnen. Doch Branchenkenner gehen davon aus, dass der Rollout der Smart Meter erst Anfang 2018 startet.

 

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Smart Meter sind nicht zum Nulltarif zu haben. Energieunternehmen müssen den Einbau deshalb mit einem gewissen Vorlauf ankündigen. „Die Anpassung der Preisblätter wird nicht unterjährig, sondern turnusgemäß zum 1. Januar des kommenden Jahres geschehen“, sagt Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE). „Wir gehen davon aus, dass es mit dem flächendeckenden Rollout von Smart Metern erst Anfang 2018 losgeht.“

Dabei greifen die Vorgaben aus dem neuen Messstellenbetriebsgesetz der Bundesregierung vom vergangenen Sommer eigentlich schon seit dem Jahreswechsel. Der Einbau intelligenter Stromzähler soll nun zunächst bei Gewerbekunden und Industriebetrieben beginnen. Haushalte überschreiten nur in Ausnahmefällen die aktuellen Schwellenwerte beim Stromverbrauch oder der Einspeiseleistung von Solaranlagen. Bei den meisten Verbrauchern werden die neuen Zähler erst nach 2020  installiert.

 

IT-Umstellung dauert bis Herbst

Auch wenn sich in der Energiewirtschaft nicht alle so weit vorwagen wie der BNE, ist sich die Branche doch weitgehend einig, dass die ab 2017 greifenden Einbaupflichten frühestens ab Herbst umgesetzt werden. Grund sind umfangreiche Anpassungen der IT in den Energieunternehmen.

Sämtliche Prozesse für Abrechnungen sind auf Regeln für die Marktkommunikation abgestimmt, die von der Bundesnetzagentur festgelegt werden. Nötig wurden die Anpassungen, weil in den Regularien bisher die Verteilnetzbetreiber im Mittelpunkt standen. Das Messstellenbetriebsgesetz hat aber die neue zentrale Rolle des Smart Meter Gateway Administrators geschaffen: Er empfängt künftig alle Messdaten und leitet sie an berechtigte Energieunternehmen weiter.

 

Neue Regeln kamen erst kurz vor Weihnachten

Die Regeln für das neue Interimsmodell der Marktkommunikation hatte die Bundesnetzagentur erst kurz vor Weihnachten veröffentlicht. Messunternehmen haben nun mehrere Monate Zeit, ihre IT-Systeme umzustellen. „Wegen der Vorbereitungen für das Interimsmodell wird der Rollout von Smart Metern frühestens zum 1. Oktober starten“, sagt Stefan Baasner, Geschäftsführer des Unternehmens meter2grid Consult, das Energiefirmen bei der Neuausrichtung berät.

Die federführenden Stadtwerke werben jedenfalls um Verständnis, dass es mit den Smart Metern noch etwas dauert. „Man sollte beim Smart Meter Rollout nichts über das Knie brechen“, sagt ein Sprecher des Stadtwerkeverbandes VKU und verweist ebenfalls auf die neuen Regularien der Bundesnetzagentur: „Die notwendigen Anpassungen der Prozesse für die Kommunikation der einzelnen Marktrollen sind erst ab 1. Oktober 2017 von den Unternehmen verbindlich anzuwenden.“ Stadtwerke fungieren in der Regel als grundzuständige Messstellenbetreiber, die die Smart Meter einbauen müssen.

 

Sicherheitschecks ziehen sich hin

Damit aber nicht genug: Für Smart Meter müssen in diesem Jahr noch eine Reihe weiterer Hürden aus dem Weg geräumt werden. So greifen die Vorgaben des Messstellenbetriebsgesetzes erst dann, wenn mindestens drei Hersteller von Smart Meter Gateways nach den Schutzprofilen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert sind. Das Gateway ist das Herzstück der im Fachjargon „intelligente Messsysteme“ genannten Smart Meter. Diese Kommunikationsschnittstelle sammelt Daten aus Zählern und gegebenenfalls auch Haushaltsgeräten und leitet sie an Energieunternehmen weiter.

Bizz energy fragte bei den acht Zählerherstellern nach, die eine Zertifizierung beim BSI beantragt haben. Keiner rechnet mit dem Abschluss des Verfahrens bis März, im zweiten Quartal könnte immerhin die Schwelle von drei zertifizierten Herstellern erreicht werden. Allerdings mussten die Produzenten immer wieder erleben, dass das Verfahren länger dauert als angenommen. BNE-Geschäftsführer Busch rechnet erst zum Sommer mit der nötigen Zahl von Zertifizierungen.

 

Hickhack um ein Display

Fast schon bizarr klingt schließlich der Behördenstreit um eine Grundfunktion von intelligenten Zählern, mit der die Bundesregierung deren Einführung überhaupt erst begründet hat: Es geht schlicht um ein Display, das dem Kunden die Daten aus dem Smart Meter anzeigt – beispielsweise, wie viel Strom er in den vergangenen 24 Stunden im Vergleich zu anderen Tagen verbraucht hat. Gerade diese Funktion soll Verbraucher dazu anhalten, Strom zu sparen.

Für das in Fachkreisen so genannte Bundesdisplay ist allerdings nicht nur das Bonner BSI zuständig, sondern auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Deren Bauartzulassungen sind beispielsweise für die Genehmigung von Messgeräten nach dem Eichrecht wichtig. „BSI und PTB haben unterschiedliche Anforderungen und noch gibt es keine Einigung, was gelten soll“, sagt Unternehmensberater Baasner.

 

Manuel Berkel
Keywords:
Smart Meter | BNE | Stadtwerke | Messstellenbetriebsgesetz | Smart Meter Gateway
Ressorts:
Governance

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