Elektromobilität
02.05.2017

Shanghai stellt die IAA in den Schatten

Foto: Lynck&Co

Die große chinesische Autoshow hat Lust auf saubere Mobilität gemacht. Ein Kommentar von unserem Kolumnisten Ferdinand Dudenhöffer.

Die Autoshow von Shanghai ist zu Ende. Was sich bereits vor Messebeginn abzeichnete, hat sich bestätigt: Shanghai ist die Leitmesse der Branche und stellt sogar die Frankfurter IAA in den Schatten. Während in Shanghai so viele Autobauer wie noch nie ihre Neuheiten zeigten, hagelte es sechs Monate vor der IAA viele Absagen. Alfa Romeo, Fiat, Jeep, Peugeot, DS, Nissan, Infiniti, Mitsubishi und Volvo haben keine Lust mehr auf Frankfurt. In Shanghai jedoch durften und wollten sie nicht fehlen, schon allein wegen der Bedeutung des chinesischen Automarkts.

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In China leben 24 Millionen Käufer von neuen Autos – das entspricht knapp 30 Prozent des Weltmarkts. Tendenz: Weiter steigend. Und China setzt die Trends. Der wichtigste ist das Elektroauto. Im europäischen Premium-Segmnet dürfte Jaguar die Nase vorn haben. Orange-lackiert strahlte der Jaguar i-pace auf dem Messestand: das neue Elektroauto der Engländer mit mehr als 500 Kilometer Reichweite. Nahezu alle Hersteller planen Elektroauto-Produktionen in China.

VDA agiert ewig gestrig

Währenddessen agiert Matthias Wissmann als Präsident des deutschen Automobilindustrieverbandes (VDA) auf ewig gestrige Art: Er lobt den Diesel über den grünen Klee und verharmlost die (trotz jahrzehntelanger Entwicklung) inakzeptablen Abgaswerte neuester Euro 6 Diesel mit den Worten: „Hersteller und Zulieferer arbeiteten mit Hochdruck an der weiteren Verbesserung der Dieseltechnologie". Bei solchen Sätzen kann man sich das Schmunzeln nicht verkneifen. In China gibt es keine Diesel-Pkw, aus gutem Grund.

Während Wissmanns Verband in Shanghai mit ein paar Zulieferern abseits in einer leeren Nebenhalle ausstellte, gaben die Autobauer der Welt in den Haupthallen das große Konzert. Es waren mehr denn je da, so viele wie nirgends auf der Welt.

Die Messe hat Lust auf saubere Mobilität gemacht und die Chinesen können sich bei diesem Thema sehen lassen. Der chinesische Autobauer Changan war mit 1,28 Millionen verkauften Neuwagen letztes Jahr auf Platz vier der Top 10 Autounternehmen des Riesenreiches. Das Modell Haval H6 des chinesischen Autobauers Great Wall war mit 580.700 verkauften Fahrzeugen das zweitbeste verkaufte Auto im letzten Jahr in China. Für Furore sorgten auf der Shanghai-Masse die neuen Marken NIO und Lynk&Co, der neuen Marke von Geely. Auf dem Stand von Lynk&Co bildeten sich während der Pressetage regelrechte Menschentrauben, während andere Stände wie der von BMW nur überschaubare Besucherzahlen anlockten. Attraktion auf dem Messestand von Lynk&Co war neben dem ersten Auto der Marke ein großes Ketten-Karussell. Mobilität und modernes Leben wurde gezeigt, nicht tote Blechkarossen in Reihe aufgestellt.

Autos werden in Zukunft online verkauft

Lynk&Co plant für 2018 den Markteintritt in Europa, mit der größten Vertriebsinnovation seit Carl Benz und Gottfried Daimler. Die Autos werden online verkauft statt in langweiligen und teuren Autohäusern in Gewerbegebieten. 

Immerhin: Hierzulande gab es kurz vor Ostern einen neuen Rekord: Im März 2017 wurden in Deutschland 2.642 reine Elektroautos neu zugelassen. Nicht mitgezählt wurden dabei Plug-In-Hybride, die in der Regel weniger als 50 Kilometer rein elektrisch fahren und dann mit Benzin oder Diesel weiterlaufen. Die Zukunft gehört nicht diesen Hilfskonstruktionen, sondern den echten, richtigen Elektroautos. Die Shanghai Automesse wird das auch in den kommenden Jahren verdeutlichen.

Über den Autor:

Ferdinand Dudenhöffer, seit vier Jahren regelmäßiger bizz-energy-Kolumnist, hat gerade ein lesenswertes Buch über die Zeitenwende in der Autoindustrie (Titel „Wer kriegt die Kurve?“) geschrieben, das im Campus-Verlag erschienen ist. Der Autor ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Ferdinand Dudenhöffer
Keywords:
Shanghai Autoshow | Elektromobilität | IAA | China | VDA
Ressorts:
Technology | Markets

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