Exklusiv-Interview
30.06.2016

"Schuldzuweisungen helfen uns nicht weiter"

Foto: Wikipeida/Tobias Koch
Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder über Nachbesserungen bei der EEG-Reform, den Einsatz von Erdkabeln beim Netzausbau, die Kosten der nuklearen Endlagerung und üppige Renditen für Offshore-Windparks.

 

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bizz energy | Herr Kauder, die Große Koalition reformiert schon wieder das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) obwohl die letzte Reform gerade erst zwei Jahre zurückliegt. Wozu dieser Aktionismus?

Volker Kauder | Von Aktionismus kann nicht die Rede sein. Die Umstellung auf ein wettbewerbliches Ausschreibungsverfahren ist schon lange geplant, um die Kosten einigermaßen im Griff zu behalten.

Gelingt das denn? 

Ab 2019 wird grundsätzlich auf ein Ausschreibungsverfahren umgestellt. In einem Bieterverfahren erhält zukünftig derjenige den Zuschlag, der den erneuerbaren Strom zum günstigsten Preis pro Kilowattstunde liefert. Dies wird sich kostendämpfend auf die Erzeugung erneuerbaren Stroms auswirken. 

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geht davon aus, dass die EEG-Umlage sinken wird. Und Sie?

Leider sehe ich keine kurzfristige Senkung, weil wir neue Anlagen in die Förderung aufnehmen. Gleichzeitig haben wir noch einen großen Sockel an Bestandsanlagen, die noch über Jahre sehr stark gefördert werden müssen, weil die Betreiber einen Vertrauensschutz besitzen, dass die Förderungszusagen auch eingehalten werden.  Man muss schon sehr optimistisch sein, um angesichts dieser Fakten von einer sinkenden EEG-Umlage auszugehen.

Der EEG-Kabinettsentwurf liegt vor und geht jetzt ins parlamentarische Verfahren. Was wollen Sie persönlich ändern?

Ein zentraler Punkt ist die Synchronisierung von Offshore-Wind-Ausbau und Netzausbau an Land. Nach der geltenden Rechtslage erhalten Erneuerbare-Energien-Anlagen auch dann Geld in Form einer Entschädigung, wenn sie zwar Strom erzeugen könnten, dieser aber nicht eingespeist werden kann, weil die nötige Netzanbindung zum Abtransport fehlt. Das kostet die Verbraucher jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge mit steigender Tendenz. Dieses Verfahren kann so nicht bleiben. Ich werde mich deshalb dafür einsetzen, dass den Verbrauchern nicht unnötige Kosten für Windenergieanlagen entstehen, die zwar Strom liefern könnten, aber letztlich aus dem Wind gedreht werden müssen, weil der Strom nicht in die großen Verbrauchszentren beispielsweise in Süddeutschland gelangen kann.  

Wer ist schuld, dass die Verzahnung von Netzausbau und dem Zuwachs der erneuerbaren Energien nicht schnell genug vorankommt? 

Schuldzuweisungen helfen uns nicht weiter. Der Netzausbau ist in der Tat die Achillesferse der Energiewende. Strom, den mangels Leitungen keiner abnehmen kann, nützt niemandem etwas. Bei dieser Aufgabe sind alle Akteure gefragt, von der Politik über die Netzbetreiber und die Erneuerbaren-Verbände bis zu den Bürgern, die zu oft zwar erneuerbare Energien befürworten, Anlagen oder Leitungen vor ihrer Haustür aber meistens ablehnen. 

Für höhere Bürger-Akzeptanz setzt die Bundesregierung jetzt auf Erdkabel. Doch auch die bergen Risiken. Wie gehen Sie damit um?

Man muss hier zwischen Wechselstrom und Gleichstrom unterscheiden. Bei den Wechselstromleitungen sind Erdkabel ein erhebliches technisches Risiko. Deshalb gibt es hier nur Pilotprojekte auf einigen wenigen Streckenabschnitten. Bei den drei geplanten großen Gleichstromleitungen, die quer durch Deutschland führen werden, sind die technischen Probleme, so sagen uns die Experten, beherrschbar. Daher haben wir uns hier für eine weitreichende Erdverkabelungsregelung entschieden, um die Akzeptanz für den dringend notwendigen Leitungsbau zu erhöhen. Es steht außer Frage, dass Erdkabel deutlich teurer sind als Freileitungen. Aber noch teurer würde es, wenn die großen Gleichstrom-trassen nicht gebaut würden. 

Mit Offshore-Windparks winken Investoren üppige Renditen, die deutlich höher liegen als für Windparks an Land. Ist das politisch gewollt?

Auf See bläst der Wind konstanter als an Land. Das macht Offshore-Anlagen interessant. Sie kommen auf durchschnittlich 4.000 bis 5.000 Betriebsstunden im Jahr. Anlagen an Land schaffen im Schnitt momentan höchstens die Hälfte. Offshore-Wind kann deshalb bedarfsgerechter Strom liefern, es entstehen weniger Versorgungslücken. Der Bau von Offshore-Windanlagen ist aber teurer und risikoreicher. Deshalb sind die Fördersätze höher. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Ausschreibungen sowohl bei der Windenergie an Land als auch bei Offshore-Wind zu deutlichen Kostensenkungen in der nächsten Zukunft führen.

Ist der geplante Ausbau der Biogas-Anlagen ökologisch sinnvoll? 

Biogasanlagen brauchen als Rohstoff Biomasse. Die Erzeugung von Strom aus Biomasse ist nur dann ökologisch, wenn auch der Rohstoff ökologisch verträglich wachsen kann. Das ist ein wichtiger Maßstab. Schon jetzt beklagen viele Menschen eine Vermaisung der Landschaft infolge des hohen Biomassebedarfs. Ich denke, dass dies ein Gesichtspunkt ist, der nicht kurz kommen darf.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Sommer-Ausgabe von bizz energy. Das Sommerheft ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder bei unserem Leserservice unter 040/38 66 66 111 erhältlich. Zusätzlich gibt es ab sofort die digitale Version im iKiosk.

 
Interview: Hans Peter Schütz
und Joachim Müller-Soares
Keywords:
Volker Kauder | EEG-Reform | Klimaabkommen | Biogas | Offshore-Wind | Netzausbau
Ressorts:
Finance | Governance

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