Schifffahrt
30.09.2016

Schifffahrt: Brennstoffzelle sticht in See

Foto: NOW
So könnte das elektrische Schubschiff einmal aussehen.

Forscher tüfteln derzeit an dem ersten mit Wasserstoff betriebenen Schiff. Eine Brennstoffzelle soll die Reichweite der elektrischen Batterie erhöhen. Geplanter Baubeginn ist 2017.

 

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Die Schifffahrt soll grüner werden. Dabei setzt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf Wasserstoff statt Diesel – und gibt durch die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie 2,14 Millionen Euro für ein Forschungsprojekt an der Technischen Universität Berlin. Das hybrid-elektrische Schiff soll zeigen, wie die Emissionen in der Schifffahrt gesenkt werden können.

Gemeinsam mit führenden Firmen der Branche wie der Papenburger Meyer Werft entwickeln die Berliner Wissenschaftler in dem insgesamt 4,47 Millionen Euro schweren Projekt namens Elektra ein mit Strom betriebenes sogenanntes Schubschiff. Dieser Schiffstyp ist vergleichbar mit dem Sattelzug eines Lkws: Selbst transportiert der „Schuber“ keine Last, sondern schiebt Container auf einem Auflieger durch das Wasser. Die werden dann im Hafen abgeladen.

Über kurze Strecken versorgen Batterien das Schiff mit Strom. Weil deren Akku für lange Strecken nicht reicht, will das Konsortium zusätzlich eine Brennstoffzelle an Bord installieren. „Bei größeren Distanzen zu einem weit entfernten Hafen – wie beispielsweise von Berlin nach Hamburg – soll die sich zuschalten und Wasserstoff in Strom umwandeln“, sagt Erik Schumacher, Bereichsleiter Stationäre Brennstoffzelle bei der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie.

 

Strengere Umweltvorschriften auf See

Überwiegend fahren Schiffe heute noch mit Schweröl oder Diesel. Deshalb ist vor allem in den Häfen der Ausstoß klima- und gesundheitsschädlicher Gase besonders hoch.

Deutlich strengere Umweltauflagen zwingen die Branche zum Umdenken. Schon seit 2015 gelten in der Nord- und Ostsee strengere Grenzen. Um die in Paris vereinbarten Klimaziele und die Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter zwei Grad einzuhalten, könnte es außerdem bald neue Schutzzonen geben. Im Gespräch sind Gebiete in Asien und Australien, aber auch im Mittelmeer.

Neben dem Schubschiff-Piloten fördert der Bundesverkehrsminister deshalb eine ganze Reihe weitere Schiffsprojekten mit Brennstoffzelle. Beispielsweise hat die Meyer Werft zwei Kreuzfahrtschiffe umgerüstet und bewiesen, dass mehrere an Bord verbaute Brennstoffzellen das Schiff während der Ankerzeit im Hafen mit Strom, Wärme und Kälte versorgen können. Die Papenburger Meyer Werft tankt dafür allerdings Methan – und keinen Wasserstoff.

 

Leiser und sicherer

So umgerüstet, pusten die schwimmenden Hotels im Hafen vergleichsweise wenig umwelt- und klimaschädliche Schadstoffe in die Luft. Dass die Branche auf die Technik setzt, hat aber noch andere Gründe. Mit Strom aus der Brennstoffzelle laufen die Maschinen an Bord wesentlich leiser. Außerdem sorgen die dezentralen Systeme für mehr Sicherheit. Weil das „Kraftwerk“ des Schiffes nicht mehr in einem Maschinenraum konzentriert ist, sondern sich auf verschiedene kleine Anlagen verteilt, legt ein Ausfall nicht gleich das ganze Schiff lahm. Damit solche Systeme allerdings in Serie gehen könnten, müssten noch gesetzliche Regelungen geändert werden. Zudem ist die Brennstoffzelle heute noch um ein Vielfaches teurer als herkömmliche Motoren.

Autobauer entwickeln schon seit Jahren elektrische Autos mit Brennstoffzelle. Auch für Fahrzeuge auf der Schiene steht die Brennstoffzelle kurz vor der Serienreife. Vergangene Woche wurde auf der Zugmesse Innotrans in Berlin der erste Wasserstoff tankende Zug vorgestellt.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt setzt große Hoffnungen auf die alternative Antriebe mit Brennstoffzelle. Diese Woche hat das Bundeskabinett die Forsetzung des Förderprogramms beschlossen. 250 Millionen Euro sollen demnach bis 2019 in Projekte auf der Straße, Schiene und auf dem Wasser fließen.  

Jana Kugoth
Keywords:
Schifffahrt | Brennstoffzelle | Wasserstoff | Meyer Werft | NOW | Bundesverkehrsministerium | Schubschiff
Ressorts:
Technology

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