Drohende US-Sanktionen
05.07.2017

Russland bietet ExxonMobil Ölfelder an

Foto: Minale Tattersfield Roadside Retail

Während in den USA neue Sanktionen gegen Russland auf den Weg gebracht werden, suchen Russlands Ölkonzerne nach Verbündeten in Amerika. Dabei geht es auch um die geplante zweite Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, gegen die der US-Senat Front macht.

Der größte Ölkonzern des Landes, Rosneft, hat dem amerikanischen Öl- und Gas-Multi ExxonMobil Anteile an gleich vier Ölfeldern auf dem russischen Festland angeboten. Zu den Verkaufskandidaten zählen etwa Anteile am gigantischen Russkoye-Vorkommen, wie die russische Wirtschaftszeitung RBK berichtet. Dessen Vorräte liegen nach Rosneft-Angaben bei 1,4 Milliarden Tonnen Rohöl. Analysten beziffern den Preis für knapp die Hälfte dieses Felds auf bis zu 4,5 Milliarden US-Dollar.

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Im Gegenzug macht sich ExxonMobil, das bis Ende 2016 vom heutigen US-Außenminister Rex Tillerson geführt wurde, gegen neue amerikanische Russland-Sanktionen stark. Eine Sprecherin des Konzerns bestätigte, man habe die Gesetzgeber im Senat darüber informiert, wie die Sanktionen gegen Russland amerikanische Unternehmen benachteiligen würden.

Risiko für Uniper und Wintershall

Das neue Sanktionsgesetz gegen Russland, das kürzlich vom US-Senat beinahe einstimmig beschlossen wurde, hat für Wirbel gesorgt, und zwar über Russland hinaus. Schließlich könnten Sanktionen diesmal nicht nur russische Konzerne, sondern auch ihre internationalen Partner betreffen. Besonders deutlich richten sich die Sanktionspläne gegen das Projekt Nord Stream 2, das der Staatskonzern Gazprom gemeinsam mit europäischen Partnern vorantreibt, darunter die deutschen Unternehmen Wintershall und Uniper. Dem Gesetzesentwurf zufolge könnte Präsident Donald Trump nämlich westliche Konzerne bestrafen, sollten sie Russland beim Bau von Exportpipelines mit Technologien, Geld oder Dienstleistungen helfen. Für US-Firmen sieht das Gesetz konkret ein Exportverbot von Technik nach Russland vor, die bei Offshore-Bohrungen oder der Förderung von Schieferöl zum Einsatz kommen kann.

Das Gesetz, das vom Repräsentantenhaus vorerst wegen Formfehlern an den Senat zurückgereicht wurde, wird sich allerdings verzögern. Ohnehin demonstriert die russische Führung Gelassenheit. Präsident Wladimir Putin erklärte, die angedrohten Schritte stellten Russland „nicht vor unlösbare Probleme“. Gazproms Vizechef Alexander Medwedew bezeichnete den Entwurf gar als Test für Trump, ohne dessen Unterschrift die Maßnahmen keine Wirkung hätten. Zugleich verwies er auf das Engagement der mit den USA verbündeten Europäer: „Wir haben bisher von unseren Partnern anteilig etwa eine Milliarde Euro bekommen, die ins Nord-Stream-2-Projekt geflossen sind“, sagte Medwedew. Insgesamt will sich Gazprom etwa die Hälfte der Projektkosten von 9,5 Milliarden Euro bei seinen europäischen Partnern leihen.

Schwammiger Gesetzesentwurf

Aber sollten die USA ausländische Partner für die Zusammenarbeit mit Gazprom tatsächlich bestrafen, hätte dies gravierende Folgen für Russlands Exportstrategie. „Gazprom könnte auf ausländischen Märkten ohne Partner schlicht und ergreifend nicht arbeiten“, erklärt der Ökonom Andrej Movchan am Carnegie Moscow Center. Doch in dem Gesetzesentwurf sei dieser Aspekt schwammig formuliert, ergänzt der Experte. Demnach obliegt es dem amerikanischen Präsidenten, Sanktionen einzuleiten. Verpflichtet sei er dazu allerdings nicht.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt der frühere Vize-Energieminister Wladimir Milow, der  inzwischen das private Moskauer Institut für Energiesicherheit leitet: „Das Gesetz führt keine direkten Sanktionen ein. Es bedarf immer noch einer Entscheidung des Präsidenten“, sagt der Branchenkenner. Im Übrigen könne eine Blockade gegen Nord Stream 2 sogar für Russlands Wirtschaft förderlich sein - schließlich handele es sich um ein überteuertes Projekt. Dessen alleiniger Sinn sei die Bestrafung der Ukraine, indem das bisherige Gas-Transitland umgangen werde und ihm damit Transitgebühren entzogen würden.

Ob die US-Konzerne erfolgreich gegen die Initiative ankämpfen können, bleibt indes fraglich. Bereits im Frühjahr ist ExxonMobil mit der Bitte um eine Ausnahme von den bereits bestehenden Sanktionen abgeblitzt. Der Ölgigant hatte argumentiert, er würde die Förderrechte für ein Feld vor der russischen Küste verlieren, sollten die Arbeiten dort bis 2017 nicht beginnen.

Maxim Kireev
Keywords:
ExxonMobil | Gazprom | Rex Tillerson | Nord Stream | Erdgas | Erdöl | Ölfelder | Ostsee-Pipeline
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