Energiewende in Russland
23.02.2017

Putin fördert PV-Module auf privaten Hausdächern

Foto: pixabay
Russland will Fördermechanismen für Solarstrom ausarbeiten.

Die geplante Liberalisierung könnte den erneuerbaren Energien in Russland einen Schub verleihen - und die Solarindustrie aus ihrem Schattendasein befreien. 

Russlands erste Fabrik für Solarmodule heißt Hevel und will jetzt ihre Produktion verdoppeln. Das Joint Venture des Staatskonzerns Rosnano und der Renova- Holding des russischen Milliardärs Wiktor Wekselberg verkündete diese News erst vor ein paar Tagen. Der Zeitpunkt ist perfekt gewählt. Russlands Präsident Putin hat gerade beschlossen, Stromerzeugung auf privaten Hausdächern zu erlauben. Künftig dürfen nach Putins Plänen Anlagen mit einer Leistung bis 15 Kilowatt ihren Ökostrom ins öffentliche Netzt einspeisen und erhalten dafür vom zuständigen Regionalversorger eine Einspeisevergütung.

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Das klingt ein bisschen wie das bundesdeutsche EEG. Der für Energie zuständige Vizepremier Arkadi Dworkowitsch hat sein Ministerium angewiesen, bis zum 1. April mögliche Fördermechanismen auszuarbeiten. Laut Dworkowitsch wird die Einspeisevergütung steuerfrei gewährt. Deren Höhe ist freilich noch offen. Ob die Einspeisetarife über den Regeltarifen der Grundversorger liegen werden, hat die Regierung noch nicht entschieden. Klar ist hingegen, dass Wohnblocks und Mehrfamilienhäuser von der neuen Regelung zumindest vorerst ausgeschlossen sind.

Experten: „Durchbruch“ für russische Erneuerbaren-Sparte

Eigenheimbesitzer können den erzeugten Strom selbst nutzen und Überschüsse ins öffentliche Netz leiten. Versorger will der Kreml verpflichten, den Solarstrom abzunehmen und zu vergüten. „In der Anfangsphase sind Einspeisevergütungen oberhalb des Normaltarifs eine der Triebfedern der Entwicklung von erneuerbaren Energien insbesondere in den westlichen Ländern gewesen“, erklärt Tatjana Lanschina, Energieexpertin der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Verwaltung. Putins Pläne bezeichnet sie als „Durchbruch“ für die russische Renewables-Branche, die bisher fast keine Rolle spielt. Nur gut zwei Prozent des russischen Stroms kommen aus erneuerbaren Quellen.

Bislang schrecken russische Hausbesitzer davor zurück, Solaranlagen auf eigenen Dächern zu installieren, schließlich ist es bis dato nicht erlaubt, diesen Strom ins Netz einzuspeisen und daran Geld zu verdienen. Die geplante Gesetzesänderung wird zwar wohl keinen sofortigen Boom entfachen. Aber für Bewohner entlegener Siedlungen oder Hausbesitzer in südlichen Regionen ist die Modul-Installation auf dem Hausdach interessant. „Bei den aktuellen Stromtarifen würden sich Solarmodule in Zentralrussland erst nach etwa acht Jahren rentieren“, rechnet Anton Usatschow vom russischen Verband der Sonnenenergie vor.
Offenbar hat sich Putin ein Beispiel an der deutschen Energiewende genommen. Die sieht er wohl heute in anderem Licht als 2010, als der russische Staatschef auf einem Wirtschaftsforum in München noch über die deutsche Energiepolitik spottete. „Atom wollt ihr nicht, Gas wollt ihr nicht. Mit was wollt ihr denn heizen?“, fragte Putin in den Saal voller Wirtschaftsvertreter. Selbst für Holz müsse man ja nach Sibirien fahren.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Russland | erneuerbare Energien | Solarstrom | Rosnano | Renova | Hevel
Ressorts:
Governance

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