Bonner Klimakonferenz COP23
07.11.2017

„Öl-Lobbyisten sollten kein Mitspracherecht haben“

Foto: Shubhangi Singh / Survival Media Agency
Brianna Fruean und andere Aktivisten der Pacific Climate Warriors bei einer Solidaritätsaktion in Kerpen-Manheim, mitten in der Abbauzone des rheinischen Tagebaus Hambach.

Die Pazifik-Inseln machen Druck: Die „Pacific Climate Warriors“ fordern einen Kohleausstieg, den Ausschluss von Erdöl-Lobbyisten von der Klimakonferenz und Finanzhilfe für geschädigte Staaten.

Brianna Fruean weiß aus eigener Erfahrung, was Klimawandel bedeutet: Beim Heranwachsen auf der Pazifik-Insel beobachtete die heute 19-Jährige, dass auf dem Markt immer weniger Fische angeboten werden, und sie sah die wegen der gestiegenen Meerestemperatur ausgebleichten Korallen in der Südsee.

Anzeige*

Kurz bevor sie zur Bonner Klimakonferenz aufbrach, berichtete ihr eine Freundin, dass deren Elternhaus wegen des gestiegenen Meeresspiegels vom Wasser unterspült wurde. „Es existiert nicht mehr“, sagt Fruean im Gespräch mit bizz energy.   

„Wir ertrinken nicht, wir kämpfen“

Fruean ist seit dem Alter von acht Jahren als Klima-Botschafterin aktiv, ihre erste Klimakonferenz war die COP21 in Paris. In Bonn nimmt die Politik-Studentin als Vertreterin der Pacific Climate Warriors teil, die zwölf pazifische Inseln repräsentieren. „Wir ertrinken nicht, wir kämpfen“, lautet das Motto der Gruppe, die zu der internationalen Bewegung 350.org gehört.

Fidji hat die Präsidentschaft über die 23. UN-Klimakonferenz, die Pazifik-Inseln zählen zu den bereits jetzt vom Klimawandel am stärksten betroffenen Nationen. Am Donnerstag wollen sie Staats- und Regierungschefs bei der Klimakonferenz eine Erklärung übergeben.

Öl-Lobby hat andere Agenda

Darin fordern sie ein Ende des fossilen Zeitalters und den Ausschluss von Öl-Lobbyisten von Klimaverhandlungen. „Sie haben eine andere Agenda“, erklärt Fruean. Für sie und die anderen Aktivisten aus dem Pazifik hingegen ist klar, dass nur ein sofortiger Kohleausstieg den Klimawandel stoppen kann. „Die Bedrohung ist so viel näher gekommen“, sagt Fruean.

Längst seien nicht mehr nur die pazifischen Inseln betroffen, sondern auch die USA und Puerto Rico würden bereits Opfer von Überflutungen und Zyklonen. „Es ist offensichtlich, dass es ein Problem gibt, und unsere Entscheidungsträger können das nicht länger bestreiten“, sagt Fruean, die am Wochenende in der Nähe des rheinischen Tagesbaus Hambach mit einer traditionellen Blumen- Zeremonie für mehr Klimaschutz demonstrierte.

Klimaschulden statt Hilfe

Teil der Erklärung ist zudem die Forderung nach finanzieller Unterstützung für geschädigte Insel-Regionen. „Es geht nicht um Hilfe, sondern um Klimaschulden“, sagt Fruean selbstbewusst. Die Akteure in den nördlichen Industriestaaten seien verantwortlich für die Erderwärmung, während die Pazifik-Inseln kaum Anteil am Klimawandel hätten.

Wegen des gestiegenen Meeresspiegels ist die Regierung von Fidschi momentan dabei, 64 Dörfer umzusiedeln, weiteren 830 droht das gleiche Schicksal. Besonders gravierend ist die Lage auf der Insel Kiribati, die nur zwei Meter über dem Meeresspiegel liegt und vollständig zu versinken droht. Präsident Anote Tong hat bereits mehrere Quadratkilometer Land auf der 2.000 Kilometer entfernten Insel Vanua Levi gekauft, um perspektivisch allen 110.000 Bewohnern Kiribatis eine neue Heimat geben zu können.   

„Werden Einfluss auf die Verhandlungen haben“

Fruean ist begeistert von der Vielzahl an Vertretern indigener Völker, die in diesem Jahr den Weg nach Bonn gefunden haben. „Ich hatte bei Klimagesprächen sonst immer das Gefühl, dass die am meisten Betroffenen in den Hintergrund gedrängt werden“, sagt die 19-Jährige. Die Inselbewohner träten laut und klar für ihr Anliegen ein. „Das wird Einfluss auf die Verhandlungen haben.“

Von Deutschland wünscht sich Fruean eine engere Beziehung zu den Pazifik-Staaten. „Wenn der Norden sich mit dem Süden verpartnert und sieht, welche fürchterlichen Auswirkungen der Klimawandel in den Dörfern hat, wird es für ihn dringlicher, sofort zu handeln und den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren“, ist sie überzeugt.

 

Jutta Maier
Keywords:
Klimakonferenz | COP23 | Klimawandel | erneuerbare Energien | Kohleausstieg
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die aktuelle Ausgabe gibt es am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research