Atomausstieg
07.11.2017

Nuklearunternehmen Urenco: Kein Interesse am Atomfonds

Foto: Flickr/UAANee
Urenco reichert im westfälischen Gronau Uran zur Verwendung als Kernbrennstoff an.

Beim Uran-Anreicherer Urenco lagern tausende Tonnen radioaktive Reststoffe. Dennoch hat das Unternehmen keine Ambitionen, dem Atommüll-Endlagerfonds des Bundes beizutreten.

Urenco Deutschland im westfälischen Gronau will die Entsorgung seiner nuklearen Reststoffe – anders als Siemens – nicht dem Bund übertragen. Eine Aufnahme in den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung sei „kein Thema“, sagt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von bizz energy. Der Atomfonds des Bundes sei für Urenco allenfalls eine „hypothetische Zukunft“.

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Bisher haben nur die deutschen Kernkraftwerksbetreiber rund 24 Milliarden Euro an den Fonds überwiesen. Dafür nimmt ihnen der Bund die Verantwortung für die Endlagerung ihrer hochradioaktiven Kernbrennstoffe ab.

Brennelementefabrik ANF offen für Gespräche

Nun möchte auch der Siemens-Konzern in den Fonds einzahlen, damit der Bund die Endlagerung von rund 10.000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktiver Stoffe aus der früheren Siemens-Brennelementefabrik Hanau und aus dem benachbarten Standort Karlstein übernimmt. In mindestens zwei hochrangig besetzten Treffen hat der Konzern darüber bereits mit dem Bundeswirtschaftsministerium verhandelt.

Der französische Staatskonzern Areva hat ebenfalls Interesse. Seine deutsche Tochtergesellschaft, die Brennelementefabrik Advanced Nuclear Fuels (ANF) im emsländischen Lingen, ist nach eigener Darstellung bereit zu Gesprächen über eine Aufnahme in den Fonds, sofern der Gesetzgeber diesen für weitere Unternehmen öffnet. (Lesen Sie auch: Gespräche mit dem Bund – Wer darf noch in den Atomfonds?)

Abgereichertes Uran auf dem Firmengelände

Bei Urenco liegen die Dinge anders: Tausende Tonnen abgereichertes Uran lagern auf dem Firmengelände bei Gronau. Das Unternehmen betrachtet den Stoff, der beim Anreichern von Uran für die Brennelemente-Produktion anfällt, aber nicht als Abfall, sondern als Wertstoff. Nach Aussage des Urenco-Sprechers soll das Material noch einmal in die Herstellung von Kernbrennstoffen einfließen.

Dennoch bildet die deutsche Tochter des britischen Urenco-Konzerns nach Vorgaben der Bundesregierung Rückstellungen für den Fall, dass die Bestände endgelagert werden müssen. Atomkraftgegner bezweifeln, dass das Material wirklich noch einmal verwertet wird und stufen es als Atommüll ein. Seit Jahren kommt es zu Protestaktionen. Immer wieder blockieren Demonstranten Bahntransporte mit Urenco-Fracht.

Endlager Schacht Konrad ausgebucht

In Gronau reichert Urenco mithilfe von Gaszentrifugen natürliches Uran an, so dass es – integriert in Brennstäbe – als Brennstoff für Kernreaktoren dienen kann. Die Gruppe mit Hauptsitz in Stoke Poges bei London beliefert von Gronau aus den internationalen Markt. Ähnliche Anreicherungsanlagen betreibt sie in Almelo in den Niederlanden und im nordenglischen Capenhurst.

Falls Urencos schwach- und mittelradioaktiver Uranreststoff aus Gronau tatsächlich einmal in einem deutschen Endlager untergebracht werden soll, dürfte das schwierig werden: Das derzeit entstehende Endlager Schacht Konrad, das solche Stoffe aufnehmen soll, ist bereits ausgebucht.

Christian Schaudwet
Keywords:
Atomausstieg | Kernenergie | Atommüll | Atomfonds
Ressorts:
Governance

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