CCS
06.07.2016

Norwegen verschiebt CCS-Projekt

Illustration: Alligator Film / Statoil
Im Gasfeld Sleipner speichert das norwegische Staatsunternehmen Statoil seit 1996 geringe Mengen CO2.

Die norwegische Regierung visiert für 2022 ein groß angelegtes Projekt zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid an. Damit verschiebt sie frühere Planungen um zwei Jahre.

 

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Norwegen will weltweit einer der ersten Staaten sein, der in industriellem Maßstab die CCS-Technologie einsetzt. Das Kürzel steht für Carbon Capture and Storage, also die Abscheidung des Klimagases CO2 aus den Abgasen von Kohlekraftwerken oder Industrieprozessen und dessen unterirdische Speicherung. Machbarkeitsstudien aus der Wirtschaft zeigten, dass in Norwegen alle Schritte des CCS-Prozesses bis 2022 umgesetzt werden könnten, sagte Energieminister Tord Lien Anfang der Woche bei der Vorstellung eines neuen Regierungsberichts.

Noch vor zwei Jahren hatte sich die Regierung in Oslo das Ziel gesetzt, bis 2020 ein vollwertiges CCS-Projekt zum Laufen zu bringen. Damit wird der Einstieg in die groß angelegte Nutzung ein weiteres Mal verschoben. Norwegische Unternehmen wollen die CO2-Abscheidung in der Öl- und Gaswirtschaft, der Chemie- und Zementindustrie sowie in der Müllverbrennung einsetzen. Für die alte Energiewirtschaft und energieintensive Unternehmen ist sie die einzige Chance, ihre Geschäfte klimaneutral weiter zu betreiben.

 

Kosten von bis zu 1,9 Milliarden Euro pro Projekt

Die Kosten sind allerdings gewaltig. Die Investitionen für ein einzelnes Großprojekt schätzt die norwegische Regierung auf bis zu 1,9 Milliarden Euro, die jährlichen Betriebskosten auf bis zu 130 Millionen Euro. Die hohen Kosten würden sich für die Betreiber nur bei extrem hohen Preisen für die Vermeidung von Kohlendioxid lohnen.

Bei der Speicherung unter dem Meeresgrund und dem Transport des Treibhausgases über 500 Kilometer lange Pipelines müsste der CO2-Preis bei 50 bis 60 Euro pro Tonne liegen, schätzt Heinz Bergmann, Geschäftsführer der deutschen CCS-Vereinigung IZ Klima. Der schottische Europaabgeordnete Ian Duncan, bis zum Brexit-Referendum Berichterstatter für den europäischen Emissionshandel, hält die Technologie sogar erst bei einem Preis von 70 bis 80 Euro für wettbewerbsfähig, wie er dem Informationsdienst Euractiv sagte. Aktuell werden CO2-Rechte allerdings für nicht einmal 5 Euro die Tonne gehandelt.

In Deutschland ist CCS so umstritten, dass sich zum Jahresende die Lobbyorganisation IZ Klima auflöst.

Manuel Berkel
Keywords:
IZ Klima | CCS | Norwegen | Statoil | Öl | Erdgas
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