Mobilität
19.01.2017

Neuer Drive für Wasserstoff

Foto: flickr/Stephan Zieger
Eine der bislang knapp 40 Wasserstofftankstellen in Deutschland.

Die Brennstoffzelle, die in der Autobranche bislang ein Nischendasein fristet, erhält plötzlich Rückenwind.

Emissionsfreie Mobilität braucht die Brennstoffzelle. Das sagt zumindest Verkehrsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin. Er warnt davor, Batterie und Brennstoffzelle gegeneinander auszuspielen. „Die Technologien sind aufeinander angewiesen“, sagt er zu bizz energy. „Nur im Verein können sie der E-Mobilität in Deutschland zum Durchbruch verhelfen.“

Anzeige*

Mit Blick auf die deutsche Energiewende fügt er hinzu: „Wasserstoff hat gegenüber der Batterie den Vorteil, dass er für die Sektorkopplung gut einsetzbar ist.“ Wasserstoff könnte für die Speicherung von Sonnen- und Windstrom eine Schlüsselrolle spielen und die schwankende Erzeugung von Ökostrom stabilisieren. Der Strom wird benötigt, um Wasser per Elektrolyse in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Hergestellt aus erneuerbaren Quellen könnte das „grüne Gas“ künftig fossile Brennstoffe ersetzen – nicht nur im Verkehr, sondern auch im Wärmemarkt. 

 

Konzerne: Brennstoffzelle gehört ins Auto

Auch aus anderen Richtungen kommt Unterstützung für Wasserstoff und Brennstoffzelle. Weltweit glauben 80 Prozent der Topmanager in der Automobilindustrie, dass die Brennstoffzelle der E-Mobilität den Durchbruch bringen werde, lautet das Ergebnis einer KMPG-Umfrage.

Um ihren Durchbruch zu beschleunigen, haben sich jüngst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Topmanager aus 13 internationalen Konzernen zusammengeschlossen, darunter der Gasespezialist Linde, die Autobauer Daimler und BMW sowie der Zugbauer Alstom. Mindestens 1,9 Milliarden Euro jährlich wollen die Mitglieder des Hydrogen Council bis 2022 in die Wasserstoffforschung stecken.  

Bislang sind allerdings kaum Wasserstoff tankende Fahrzeuge auf dem Markt – und die wenigen verfügbaren Modelle sind mitunter doppelt so teuer wie vergleichbare Diesel oder Benziner. Auch bei der Ladeinfrastruktur gibt es Deutschland viele weiße Flecken. Die sind sogar deutlich größer als jene bei den Ladesäulen.

 

Batterieantrieb auf dem Vormarsch

Für Stefan Bratzel, Direktor am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, ist die Brennstoffzelle nur die zweite Wahl. „Sollte der Durchbruch der E-Mobilität mit Batterien in den nächsten Jahren nicht gelingen, wird die Brennstoffzellentechnologie als Alternative wieder in den Vordergrund rücken“, erklärt Bratzel auf Anfrage von bizz energy.  

Derzeit sieht Bratzel elektrische Autos mit Akku im Wettrennen mit Brennstoffzelle und Wasserstoff auf der Überholspur. Weil die Branche kräftig in den Batterieantrieb investiert, sind die Hürden für Batteriefahrzeuge in puncto Reichweite, Kosten und Infrastruktur in den 2020er Jahren voraussichtlich aus dem Weg geräumt, glaubt er. „Die Hersteller „bringen Fahrzeuge hervor, die künftig mindestens 300 bis 500 Kilometer Reichweite ermöglichen.“ Bratzel ergänzt: „Gleichzeitig sinken die Batteriekosten.“

Ebenso hätten die deutschen Hersteller mittlerweile erkannt, dass die Ladeinfrastruktur ein „erfolgskritisches Thema ist, dem sie sich widmen müssen.“

Ende November kündigten Audi, BMW, Daimler, Ford und an, Hunderte Schnelllader entlang der Autobahnen aufzustellen – als Konkurrenz zu den Superchargern von US-Pionier Tesla.

Jana Kugoth
Keywords:
Wasserstoff | Brennstoffzelle | Mobilität | Andreas Knie | Stefan Bratzel | Batterieantrieb | Elektromobilität
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports.


Weitere Informationen finden Sie auf der Website von bizz energy Research