Stromspeicher
03.01.2018

Megafabriken für Batterien treiben Lithiumpreise

Foto: Creative Commons/ Planet Labs
Die "Gigafactory" des Elektroauto- und Strompspeicherherstellers Tesla im US-Bundesstaat Nevada

Neue Batteriefabriken wie die Gigafactory von Tesla werden eine Preisspirale beim Rohstoff Lithium in Gang setzen, sagt der britische Marktforscher Benchmark Minerals voraus.

Chiles Energiewirtschaft war zum Jahreswechsel in heller Aufregung: Tesla-Gründer und Technologiepionier Elon Musk persönlich soll sich in dem südamerikanischen Land aufgehalten haben – aus Interesse an dessen riesigen Lithium-Reserven. Der frühere chilenische Arbeitsminister José Piñera hieß Musk per Twitter im „Saudi-Arabien des Lithiums“ willkommen.

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Musk hat vor einem Jahr im US-Bundesstaat Nevada ein großes Werk für Lithium-Ionen-Batterien in Betrieb genommen, das er „Gigafactory“ nennt. Dort fertigt Tesla gemeinsam mit dem japanischen Panasonic-Konzern Akkus für Elektroautos und stationäre Stromspeicher. Musk ist einer der weltgrößten Lithium-Käufer und dürfte sich in der Tat für die besonders reichen chilenischen Vorkommen des Minerals interessieren. Eine sichere und günstige Lithiumversorgung ist für den Unternehmer von strategischer Bedeutung, plant er doch bereits weitere Riesenfabriken in Europa und Asien.

"Wir sehen jetzt die Anfänge"

Schon im vergangenen Jahr hat die wachsende Nachfrage der Auto- und Energieindustrie die Preise für Lithium und Kobalt um mindestens ein Drittel steigen lassen. Nach Einschätzung des auf Batterie-Rohstoffe spezialisierten Marktforschungsunternehmens Benchmark Minerals in London war dies aber erst der Beginn einer globalen Preisrallye. Benchmark rechnet für den Zeitraum bis 2020 mit einem Durchschnittspreis für Lithiumkarbonat von rund 13 US-Dollar pro Kilo nach rund 9 US-Dollar pro Kilo in den Jahren 2015 und 2016.

Preistreiber seien vor allem große Batteriefabriken wie Musks Gigafactory: „Es gibt einen starken Trend im Energiespeichermarkt – wir sehen jetzt die Anfänge dieser Megafabriken“, wird Benchmark-Analyst Andrew Miller von der britischen Zeitung „The Times“ zitiert.

26 Megafabriken im Bau

Benchmark zufolge sind weltweit gegenwärtig 26 große Lithium verarbeitende Batteriefabriken im Bau. Allerdings werde es noch einige Jahre dauern, bis diese ihre Produktion und damit ihren Lithium-Bedarf hochfahren könnten.

Der chinesische Konzern Great Power plant ein Werk mit einer Produktionskapazität von zehn Gigawattstunden in Guangzhou, die LG-Gruppe aus Korea will eine Fabrik mit fünf Gigwattstunden Kapazität in Polen errichten. Ein von dem Konsortium Northvolt in Schweden geplantes Werk dürfte mit 32 Gigawattstunden das größte Europas werden –  zu den Investoren zählen der Energieversorger Vattenfall und die Fährgesellschaft Stena. SK Innovation aus Korea will eine 7,5-Gigawatt-Fabrik in Ungarn bauen.

TerraE plant Werk in Deutschland

In Deutschland plant das neue Konsortium TerraE unter Führung der BMZ-Gruppe aus Karlstein am Main eine Batteriefabrik für rund vier Milliarden Euro, die ähnliche Dimensionen wie Musks Gigafactory erreichen und Northvolt noch übertreffen könnte.

Alle 26 von Benchmark erfassten Fabrikprojekte könnten gemeinsam auf eine Kapazität von mehr als 344 Gigawattstunden kommen. Noch allerdings ist ungewiss, ob die Nachfrage insbesondere nach Autobatterien wirklich stark genug anzieht, um all diese Werke auszulasten. Die Nachfrage entwickelt sich bisher von Land zu Land sehr unterschiedlich. In Deutschland etwa sind Elektro-Pkw trotz staatlicher Kaufprämie nach wie vor Ladenhüter, während der Absatz in China stark steigt.

Unterdessen sichern sich vor allem chinesische Unternehmen den Zugriff auf Lithiumvorkommen, unter anderem in Südamerika und Australien.

Christian Schaudwet
Keywords:
Elektromobilität | Stromspeicher | Batterien
Ressorts:
Markets

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