Photovoltaik
01.09.2016

Musk: Solarmodule sollen ins Dach

Foto: Mike Mozart, Flickr (CC BY 2.0)
Bisher installiert Solarcity normale Module auf Dächer.

Die erste Hürde hat Tesla-Chef Elon Musk bei der Übernahme von Solarcity genommen: Die Federal Trade Commission hat den Deal inzwischen abgesegnet. Musk hat auch schon eine Idee für ein neues Produkt – an dem allerdings viele andere Unternehmen gescheitert sind.

 

Anzeige*

Typisch Elon Musk: Die Übernahme von Solarcity ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern, da kündigt er schon ein neues Produkt für den Solarmodul-Installateur an. Bei der Konferenz zu den jüngsten Quartalszahlen sagte er, Solarcity werde künftig auch Dachelemente mit integrierten Modulen bauen – im Gegensatz zu Modulen, die auf bereits existierenden Hausdächer installiert werden. Hergestellt werden sollen die neuen Dachelemente in der riesigen Solarmodul-Fabrik, die Solarcity derzeit in Buffalo im Staat New York baut. Nach Angaben von CEO Lyndon Rive, der ein Cousin von Musk ist, werden in den USA jedes Jahr fünf Millionen Dächer neu gebaut. Wenn das Hausdach ohnehin erneuert werden müsse, sei das eine gute Gelegenheit, um sich für ein neues Dach mit integrierten Solarzellen zu entscheiden, erläuterte er. Cousin Musk legt dabei besonderen Wert auf das Design: „Es ist wirklich wichtig, dass wir die Panels selbst produzieren, weil sie entscheidend für die Ästhetik sind“, sagte er.

Die Idee ist nicht ohne Risiko – an dem Thema haben sich schon viele Firmen die Zähne ausgebissen. Zum Beispiel der Chemiekonzern Dow Chemical, der 2010 seine „Powerhouse Shingles“ herausbrachte. Weil es kein großes Interesse an den Dachschindeln mit Solarzellen gab, stellte das Unternehmen Ende Juni dieses Jahres die Produktion ein. Andere Firmen, die in dieser Zeit an Solardächern scheiterten, waren Applied Solar, Flexcell, Konarka, Odersun, Scheuten Solar, Pythagoras Solar und sogar der Ölriese BP.

 

Höhere Kosten, geringere Effizienz

Das größte Problem scheint zu sein, dass die Herstellungskosten von gebäudeintegrierten Modulen höher als bei herkömmlichen Paneelen sind – bei geringerer Effizienz. Der US-Solarexperte Eric Wesoff ist deshalb skeptisch, ob Elon Musks Idee für Solarcity eine gute ist. Zumal es eine große Herausforderung fürs Marketing sei, auf dem konservativen Dachmarkt ein neues Produkt einzuführen, schreibt er im Energiemagazin Greentech Media: „Traditionelle Solarmodule mögen nicht ästhetisch perfekt sein, aber sie haben einen Vertriebsweg und technisches Know-how.“ Auch Patrick Jobin, Analyst bei Credit Suisse, sorgt sich, dass Solarcitys neues Solardach zu teuer werden könnte. Dennoch kann er Musks Vorhaben auch etwas abgewinnen. „Es klingt, als könnte es ein sehr differenziertes Produkt werden – eines, dass sowohl die Ästhetik anspricht, als auch die Herausforderungen beim Verkauf an Kunden mit alten Dächern berücksichtigt“, schreibt er in einem Bericht.

Und wer weiß, ob Musk nicht der Richtige ist, um ein unscheinbares Produkt attraktiv und sexy zu machen – so, wie ihm das auch mit Elektroautos und Speicherbatterien gelungen ist.

 

Übernahme bis Ende des Jahres

Erstmal muss jedoch die Übernahme von Solarcity vollständig über die Bühne gehen. Die US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) hat den Deal inzwischen – wie erwartet – kartellrechtlich genehmigt, weil sich die Geschäftsbereiche der beiden Firmen kaum überschneiden. Nun müssen noch die US-Börsenaufsicht sowie die Aktionäre der Unternehmen zustimmen. Tesla will Solarcity für 2,6 Milliarden Dollar in eigenen Aktien kaufen. Der Autobauer rechnet damit, dass die Übernahme im vierten Quartal 2016 abgeschlossen wird.

Tesla-Chef Elon Musk, der als größter Anteilseigner auch im Solarcity-Aufsichtsrat sitzt, will künftig alles aus einer Hand anbieten: Solarzellen für private Hausbesitzer, die ihren selbst produzierten Ökostrom dann in der Tesla Powerwall-Batterie speichern und außerdem zum Betrieb ihrer Elektroautos nutzen können. Die Fusion soll nach Angaben von Tesla Kostensynergien in Höhe von 150 Millionen Dollar freisetzen – durchs Zusammenlegen verschiedener Abteilungen und gemeinsames Marketing. So sollen Solarcity-Produkte in Zukunft auch über die 190 Tesla-Stores vertrieben werden.

 

Verluste von Solarcity steigt

Allerdings hat Solarcity mit finanziellen Problemen zu kämpfen: Das Unternehmen steigerte seinen Verlust im zweiten Quartal wegen höherer Ausgaben auf 250 Millionen Dollar, nach 156 Millionen im Vorjahresquartal. Vergangene Woche gab das Solarunternehmen dann bekannt,  im Zuge des Tesla-Deals 108 Beschäftigte in zwei seiner Niederlassungen in Kalifornien zu entlassen. Um Geld zu sparen, haben zudem CEO Peter Rive und der Technologiechef, sein Bruder Peter Rive – ihre Gehälter für dieses Jahr auf einen Dollar reduziert. „Wir haben die Kosten an die erwartete Zahl von Neuinstallationen im zweiten Halbjahr angepasst“, erklärte außerdem Sprecherin Kady Cooper in einem Statement.

Eigentlich geht es der US-Solarindustrie nicht schlecht: Sie errang einen wichtigen Sieg, als die Regierung im vergangenen Jahr die Steuererleichterungen für die Installation von Solaranlagen für Privathaushalte verlängerte. Allerdings haben gleichzeitig einige Bundesstaaten ihre Subventionen für Solarenergie reduziert. So brachte eine besonders umstrittene Gesetzesänderung für Einspeisevergütungen in Nevada Solarcity sowie andere Solarfirmen dazu, sich komplett aus dem Staat zurückzuziehen.

Jutta Maier
Keywords:
Solarcity | Photovoltaik | Tesla | Elon Musk
Ressorts:

Kommentare

Pro und Contra Elon Musk?
Elonhat verstanden, dass die Einführung erneuerbarer Energie eine hoch komplexe Sache ist. Sein Zugang über Kostensenkung bei der Errichtung von Häusern, bei der (privaten) Speicherung von Strom für ein geiles Auto mit toller Beschleunigung und eingebautem Computer, trifft den Zeitgeist und ebnet damit den Weg zu erneuerbarer Energie. Wenn er auch die Versprechungen an Investoren nicht von heute auf morgen erfüllen kann (und dabei beträchtliches Geld in den Sand setzt): im Jahr 2100 kommt (hoffentlich) Energie nur mehr aus der Sonne.

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Sommer 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports.


Aktuelle Angebote:
» Jetzt anmelden zur 3. Runde unserer Ausschreibungssimulation Wind Onshore
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore


MEHR INFORMATIONEN HIER

 
 

bizz energy Veranstaltungen