Photovoltaik
11.07.2016

Mieter bekommen Solarstrom vom eigenen Dach

Foto: Berliner Energieagentur
Installation von Photovoltaik-Modulen auf einem Wohngebäude in Berlin.

Nach Hausbesitzern können bald auch immer mehr Mieter Solarenergie vom eigenen Dach beziehen. Doch genauso billig wie für Eigentümer wird der Ökostrom nicht.

 

Anzeige*

Es sind nur wenige Zeilen im neuen Ökostrom-Gesetz, die den Energiemarkt in Deutschland tiefgreifend ändern könnten. Kurz vor Verabschiedung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) am vergangenen Freitag hatten die Fraktionen von Union und SPD eine entscheidende Verbesserung für Mieterstrom-Projekte in den Text aufgenommen.

Für Strom, der vom eigenen Hausdach kommt, soll demnächst nur noch eine verringerte EEG-Umlage fällig werden. Die Solarwirtschaft hatte immer wieder gefordert, nicht die volle Umlage von zurzeit 6,4 Cent pro Kilowattstunde zu erheben, weil die Lieferung an Mieter sonst in vielen Fällen unwirtschaftlich sei.

 

Regierung muss die Details noch regeln

Wie viel EEG-Umlage Vermieter für gelieferten Strom abführen müssen, wird die Bundesregierung in einer Verordnung regeln. Orientiert sie sich an der Vergünstigung für gewerbliche Stromerzeuger, käme es zu einer Ermäßigung von 60 Prozent. Damit wären Mieter allerdings Hausbesitzern immer noch nicht völlig gleichgestellt. Eigentümer müssen nämlich überhaupt keine EEG-Umlage zahlen, wenn sie Strom vom eigenen Dach verbrauchen und ihre Anlage unter der relativ hohen Freigrenze von zehn Kilowatt bleibt. Im neuen EEG ist für Mieter ausdrücklich nur von einer „verringerten Umlage“ die Rede, nicht von einer Befreiung.

Außerdem ist nicht sichergestellt, dass Vermieter die gesamte Kostenersparnis an ihre Mieter weitergeben. Solarstrom lässt sich inzwischen für unter 12 Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Elektrizität von einem Versorger kostet dagegen durchschnittlich 28 Cent. Vermietern bleibt also ein großer Spielraum für Gewinne.

 

Wohnanlagen werden benachteiligt

Dritte Einschränkung: Die Ermäßigung bei der EEG-Umlage gilt laut dem Gesetzestext nur für jene Mieter, die im gleichen Gebäude wohnen, auf dem auch die Solarmodule installiert sind. Für Wohnanlagen wird es also schwieriger, von der Besserstellung zu profitieren.

Verbraucherschützer begrüßten die neue Mieterstrom-Regelung dennoch. "Mieter werden bei der Energiewende bisher besonders belastet. Sie haben häufig geringere Einkommen als Eigenheimbesitzer, tragen aber die Lasten des Ausbaus erneuerbarer Energien zu einem großen Anteil. Es ist daher nur fair, wenn Mieter von Modellen alternativer Energiequellen profitieren können", sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

 

Mieterbund pocht auf freie Anbieterwahl

Ähnlich äußerte sich der Deutsche Mieterbund. Wichtig sei aber, dass Mieter ihren Stromversorger auch künftig frei wählen können. „Eine Verknüpfung von Mietvertrag und Strombezug darf es nicht geben“, forderte Mieterbund-Chef Lukas Siebenkotten.

Nun bleibt abzuwarten, wie viele Vermieter tatsächlich Stromlieferungen an Mieter anbieten werden. Der Eigentümer-Verband Haus und Grund hält die bürokratischen Hürden immer noch für hoch. Vermietern müssten für die Stromlieferungen ein Gewerbe anmelden, mit einzelnen Mietern Verträge abschließen und Vereinbarungen mit Netzbetreibern und Energieversorgern schließen. Der Verband forderte eine Stromkostenverordnung, mit der Vermieter die Kosten ähnlich wie bei der Wärmelieferung unkompliziert als Betriebskosten abrechnen könnten.

Manuel Berkel
Keywords:
Mieterstrom | Solarenergie | Photovoltaik
Ressorts:

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 14.12. am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research