Russland
28.10.2016

LNG wird zweitwichtigste Gasquelle

Foto: istock.com / akiyoko
Flüssigerdgas wird in speziellen Tankschiffen vor allem aus Qatar transportiert.

Verflüssigtes Erdgas (LNG) wird nach einer Studie für die Bundesregierung bis 2035 der wichtigste Ersatz für die zurückgehende Gasförderung in der EU. Die Höhe des Anteils hängt vor allem von der Strategie Gazproms ab.

 

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Bis zum Jahr 2035 wird der Anteil von LNG am gesamten Gasangebot von zuletzt 9 Prozent auf 25 bis 37 Prozent steigen, prognostiziert eine aktuelle Studie im Auftrag des Auswärtigen Amtes. Erstellt haben sie das Forschungsinstitut EWI ER&S aus Köln und das European Centre for Energy and Resource Security (Eucers) aus London.

Liquefied Natural Gas (LNG) wird per Tankschiffen transportiert und ist nicht auf Pipelines angewiesen. Damit bietet das Flüssigerdgas der Europäischen Union die Chance, sich ein Stück weit unabhängiger von traditionellen Exportländern zu machen – allen voran Russland.

Allerdings bestimmt vor allem die Preispolitik des russischen Staatskonzerns Gazproms der Analyse zufolge ganz wesentlich, wie viel LNG-Schiffe Europa anlaufen werden. „Eine russische Oligopol-Strategie führt zu einem starken Wettbewerb mit LNG und dem südlichen Gaskorridor“, schreiben die Studienautoren.

 

Ausfall der Türkei würde Bedarf stark steigern

Über den sogenannten südlichen Gaskorridor soll in den nächsten Jahrzehnten mehr Gas vom Kaspischen Meer über die Türkei in die EU gelangen. Wenn die politischen Spannungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei anhalten und der Gaskorridor nicht gebaut wird, wird das LNG der Studie zufolge umso bedeutender machen. Der LNG-Anteil würde dann auf einen Spitzenwert von 37 Prozent im Jahr 2035 klettern.

Nur in diesem doppelt ungünstigen Fall – hohe Gaspreise von Gazprom und ein Scheitern des Südlichen Gaskorridors – sieht die Studie einen möglichen Bedarf für ein eigenes LNG-Terminal in Deutschland. Bisher gibt es solche Terminals, in denen das tiefgekühlte und mit hohem Druck transportierte Flüssiggas wieder regasifiziert wird, im französischen Dunkerque, im belgischen Zeebrügge und im niederländischen Rotterdam.

Auch bei hohem LNG-Bedarf in Europa sei die nötige Kapazität bei dem deutschen Terminal allerdings mit 1,9 Milliarden Kubikmetern pro Jahr relativ gering, heißt es in der Studie. Die Wirtschaftlichkeit eines deutschen Terminals sei deshalb auch in diesem Fall nicht gesichert.

Manuel Berkel
Keywords:
Gazprom | Russland | LNG
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