Alternative Kraftstoffe
01.08.2016

LNG-Lkw nehmen in Deutschland Fahrt auf

Foto: Iveco
Die erste LNG-Tankstelle Deutschlands in Ulm.

Obwohl verflüssigtes Erdgas als einer der Treibstoffe der Zukunft gilt, ist es in Deutschland bislang kaum verbreitet. Umso bemerkenswerter ist es, dass eine hessische Logistikfirma jetzt 20 solcher Fahrzeuge auf die Straße schicken will.

 

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Die deutsche Logistikfirma Ludwig Meyer setzt jetzt auf den Kraftstoff Flüssigerdgas, auch LNG genannt. Rund 20 LNG-Laster für den Transport von Lebensmitteln sollen im Herbst aus der Garage rollen, teilt der hessische Logistiker mit Sitz in Friedrichsdorf mit.
„Weil wir mit einer Tankfüllung LNG bis zu 1.500 Kilometer weit fahren können, hat LNG einen Vorteil gegenüber anderen Gas-Kraftstoffen oder Elektro-Antrieben“, sagt ein Unternehmenssprecher gegenüber bizz energy. 

LNG ist nichts anderes als auf -161 Grad Celsius heruntergekühltes Erdgas. Durch die niedrigen Temperaturen wechselt es vom gasförmigen in den flüssigen Zustand. Dadurch schrumpft das Erdgas auf ein Sechsthundertstel seines ursprünglichen Volumens, es braucht also vergleichsweise wesentlich weniger Platz. Die größere Energiedichte ermöglicht die hohen Reichweiten, weshalb es sich besonders für den Transport von Gütern über lange Strecken eignet.

 

Besser fürs Klima

Außerdem gilt LNG bei der Verbrennung im Tank als besonders klimafreundlich. Im Vergleich zu herkömmlichen Diesel-Fahrzeugen stößt es weniger Schadstoffe und Treibhausgase aus. Nach vorläufigen Berechnungen von Meyer Logistik können jährlich pro Lkw rund 10.000 Kilogramm CO2 eingespart werden. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fördert die Anschaffung der Fahrzeuge bei Meyer Logistik mit 360.000 Euro. Der CSU-Politiker setzt in Zukunft vermehrt auf alternative Kraftstoffe, wie aus seinem neuen Bundesverkehrswegeplan hervorgeht. Dieser legt fest, in welche Straßen-, Schienen- und Wasserstraßen der Bund bis 2030 investiert.

Gebaut werden die Laster von dem italienischen Nutzfahrzeugehersteller Iveco. Der Lkw-Bauer plant, das Geschäft mit LNG-Brummis in Europa auszuweiten. Man arbeite mit weiteren deutschen Firmen zusammen, sagte ein Iveco-Sprecher auf Anfrage von bizz energy. „Vor allem aus der Lebensmittelbranche.“ Denn bei diesen stehe das Thema Nachhaltigkeit hoch im Kurs. Nicht zuletzt wegen der Transportgüter wie Milch, Obst und Fleisch, die oftmals ein Bio-Label tragen.

 

Tankstellen sind noch Mangelware

In anderen Ländern ist LNG schon weit verbreitet, die USA und China haben die Nase vorn. In Europa und speziell in Deutschland fehlt es indes noch an einer entsprechenden Infrastruktur. Im Juni nahm die Eon-Tochter Uniper die bundesweit erste LNG-Tankstelle in Betrieb, zunächst nur zu Testzwecken. Am Berliner Ring ist – unter anderem für die Fahrzeuge von Meyer Logistik – eine weitere Station geplant, an der schon ab Oktober getankt werden können soll. 
Europaweit ist im Rahmen des Förderprojekts LNG Blue Corridors bis Ende 2020 ein flächendeckendes Netz mit Flüssigerdgas-Tankstellen geplant. Alle 400 Kilometer sollen Fahrzeuge eine solche anfahren können.

Weil Deutschland bislang über kein eigenes LNG-Terminal verfügt, kommt das tiefgekühlte Flüssigerdgas für die Stationen aus den Niederlanden. Rotterdam verfügt über das größte LNG-Terminal Europas. Dort wird es per Schiff aus Katar, den USA und Kanada angeliefert und weiter in die Bundesrepublik transportiert. Seit dem Frühjahr kann das auch über die Schiene passieren. Im April hatte der Hafen im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel den ersten dafür geeigneten Kesselwagen eingeweiht. Dass ausgerechnet in Brunsbüttel der erste LNG-Wagon auf die Schiene gesetzt wurde, kommt nicht von ungefähr. Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports, wirbt seit Jahren für seinen Standort. Wenn es nach seinem Willen geht, soll dort Deutschlands erstes LNG-Terminal entstehen. Man sei mit möglichen Investoren sowie LNG-Abnehmern, insbesondere auf der industriellen Seite, im Gespräch, heißt es dazu aus der Geschäftsführung. „Unter anderem werden derzeit gemeinsam mit dem Unternehmen Nederlandse Gasunie (…) die Möglichkeiten zur Errichtung eines LNG-Importterminals am Standort Brunsbüttel geprüft.“

 

Gas als Kraftstoff

Grundsätzlich sind auf Gas basierende Kraftstoffe in Deutschland und Europa nichts Neues. Mit wachsendem Umweltbewusstsein werden komprimiertes Erdgas (CNG) und Autogas (LPG) immer beliebter. Und die Infrastruktur ist auch schon vorhanden: Für rund 100.000 mit Erdgas betriebene Autos gibt es nach Angaben des Automobilclubs ADAC derzeit um die 900 Erdgastankstellen, noch breiter ist das Netz für Autogas. Hauptbestandteil von CNG ist Methan. Bei Autogas handelt es sich wie bei LNG um tiefgekühltes Flüssiggas, es ist aber an die Diesel- und Benzinherstellung gebunden. Autogas besteht aus Propan und Butan, Nebenprodukten der Erdölförderung. Sie kommen mit maximal 500 Kilometern mit einer Tankladung jedoch nicht einmal halb so weit wie LNG-betankte Fahrzeuge. 

Jana Kugoth
Keywords:
LNG | Alternative Kraftstoffe | Gas | Erdgas | Flüssigerdgas | Autogas | Logistik
Ressorts:
Markets

Kommentare

Die Firma sollte sich mal an den "Energie-Campus-Nürnberg" wenden
soviel mir bekannt ist haben die eine Verbindung entwickelt zwischen
Wasserstoff und Chemischischen Stoffen so das eine Diesel ähnliche
Flüssigkeit endstaden ist

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