Ökostrom
15.09.2016

Kostenrutsch bei Erneuerbaren

Foto: Pixabay
Der Trend bei den Erzeugungskosten für erneuerbare Energien zeigt nach unten.

Nach einer Prognose von Beratern der Bundesregierung werden die Zuschüsse für Ökostrom-Kraftwerke in den nächsten Jahrzehnten drastisch fallen. Voraussetzung ist allerdings eine ernsthaftere Klimapolitik.

 

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Rund 24,3 Milliarden Euro zahlten deutsche Stromkunden im vergangenen Jahr für die EEG-Umlage. Damit finanzieren sie den Betreibern von Solaranlagen, Windrädern und Biogas-Kraftwerken die Differenz zwischen dem niedrigen Strompreis an der Börse und dem höheren Vergütungssatz nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Pro Kilowattstunde des erzeugten Ökostroms betrug der Zuschuss rund 15 Cent.

Bis 2030 wird dieser Betrag auf nur noch 2,5 bis 3,7 Cent zusammenschrumpfen, das hat EWI Energy Research & Scenarios (EWI ER&S) berechnet, die Tochtergesellschaft für anwendungsnahe Forschung des renommierten Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) an der Universität Köln. Anlass für die Kalkulation war das Gutachten Black Swans in der Energiewende für das Bundeswirtschaftsministerium zu Risiken bei der Umstellung auf Erneuerbare. Das Kölner Forschungsinstitut hat die Berechnungen, die als Grundlage für das Gutachten dienten, auf Anfrage von bizz energy offengelegt.

Der errechnete Wert ist nicht hundertprozentig mit dem heutigen System der EEG-Umlage vergleichbar, weil in den derzeitigen Fördersätzen auch eine Rendite für Investoren und Betreiber einkalkuliert ist. Mit den Förderbeträgen, die EWI ER&S errechnet hat, werden dagegen lediglich die Kosten der Stromerzeugung gedeckt.

 

Entscheidend ist der CO2-Preis

Gleichwohl geben die Zahlen einen Einblick, wie drastisch die zusätzlichen Ausgaben für Erneuerbare in den nächsten Jahrzehnten sinken werden. Zusätzlich deshalb, weil es sich immer um den nötigen Aufschlag gegenüber dem Börsenpreis handelt. Bei niedrigen Strompreisen ist der Aufschlag höher, bei hohen Börsenpreisen fällt er niedriger aus.

Neben dem technologischen Fortschritt bei den Erneuerbaren und den Rohstoffpreisen für Kohle und Gas beeinflusst vor allem der Preis für CO2-Zertifikate die Entwicklung des Strompreises und damit die Förderkosten für Ökoenergie. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Klimapolitik in der EU ambitionierter wird und deshalb der Preis für Verschmutzungsrechte stark anzieht – von aktuell nur 4 Euro pro Tonne Kohlendioxid auf 40 Euro im Jahr 2030 und 76 Euro bis 2050. In einigen Staaten ist dieses CO2-Preis-Niveau sogar schon heute üblich.

 

2050 kommen Erneuerbare ohne Förderung aus

Bei dieser ambitionierteren Klimapolitik rechnet EWI ER&S mit einem Ökostrom-Zuschuss von nur noch 0,5 bis 0,7 Cent im Jahr 2040. Zur Mitte des Jahrhunderts kämen Erneuerbare dann vor allem dank des hohen CO2-Preises komplett ohne weitere Förderung aus.

Dank der sinkenden Kosten pro Kilowattstunde würde sich der jährliche Förderbetrag schon in den 2030er-Jahren mehr als halbieren, obwohl die Ökostrom-Menge kräftig steigt. In den Jahren 2030 und 2035 könnten die Betreiber schon mit 7 bis 10,5 Milliarden Euro kostendeckend Grünstrom erzeugen. Die jährlich geförderte Strommenge würde von derzeit rund 160 Terrawattstunden auf 330 Terrawattstunden in 2035 zulegen.

Manuel Berkel
Keywords:
EWI | erneuerbare Energien | Strompreis | EEG | Strommarkt | Marktdesign
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Kommentare

Üblicherweise bekommen die Regenerativen ihre Subventionen über 20 Jahre (so war es bisher jedenfalls). Bedeutet die Aussage, dass ab 2050 die Regenerativen ohne Subventionen auskommen, die letzte Subventionszahlung erfolgt 2050 oder aber erst 2070? Das würde bedeuten, dass die Regenerativen erst nach 70 Jahren (Start des EEG 2000) wettbewerbsfähig sind. Und die Sonne scheint dann immer noch nicht nachts - soll heißen die Kosten der Speicherung bzw. Verluste durch Überschussstrom sind dabei immer noch nicht berücksichtigt. Aus meiner Sicht der falsche Weg für das richtige Ziel (CO2-Reduktion).

Die Erneuerbaren kommen nach dieser Rechnung zwischen 2040 und 2050 ohne Subventionen aus.

Die EEG-Umlage beträgt 6,4 cent je Kilowattstunde auf meiner Stromrechnung. Wie sie da auf 15 cent kommen, kann ich nicht nachvollziehen. Bezogen auf den gesamten Stromverbrauch ist es deutlich weniger je kWh, weil inzwischen viele Großverbraucher eine Befreiung in Anspruch nehmen können.

@"Stütze bis 70": Der Zusammenhang zwischen Suventionierung und Wettbewerbsfähigkeit ist leider nicht so einfach. Die konventionellen Energieträger wurden jahrzehntelang mit sehr viel Geld unterstützt, durften massiv unsere Umwelt schädigen und die Entsorgung des Atommülls in der Zukunft hat die Allgemeinheit auch teilweise übernommen, damit die Konzerne nicht pleite gehen.

Das Atomkraftwerk, das die Briten gerade bauen wollen, wird nur laufen, weil sich die Betreiber einen staatlich garantierten Preis gesichert haben, der das doppelte des Marktpreises beträgt, 30 Jahre lang, mit Inflationsausgleich. Entsorgung? Offen, aber das Meer ist nicht weit in Britannien.

Die 15 Cent sind NICHT die EEG-Umlage, sondern die durchschnittliche Vergütung für jede Kilowattstunde Ökostrom. Die EEG-Umlage ist v.a. deshalb niedriger, weil sie auf den gesamten Stromverbrauch gewälzt wird und nicht nur auf die Ökostrom-Produktion.

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