Kohle, Öl und Gas
29.07.2016

Kohlebranche schrumpft um ein Fünftel

Foto: Flickr/Erik Christensen

Die im Portfolio der globalen Kohleriesen schlummernden CO2-Emissionen sind innerhalb der vergangenen 17 Monate um 20 Prozent gesunken. Das liegt vor allem an der sinkenden Nachfrage in den USA und Europa.

 

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In den Portfolios der Kohle-, Öl-, und Gasriesen schlummern 747 Gigatonnen klimaschädlicher Emissionen. So viel CO2 würden die 200 größten börsennotierten fossilen Konzerne bei der Förderung ihrer Reserven bis Mitte des Jahrhunderts in die Luft pusten – 460 Prozent mehr, als laut Experten für die Einhaltung der globalen Klimaschutzziele erlaubt ist. Das ist das Ergebnis des soeben veröffentlichten Fossil Free Index (FFI), die von dem gleichnamigen US-Researchunternehmen erstellt wurde.  

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist demnach das im Portfolio schlummernde CO2-Budget der Kohle- und Ölgiganten um 15 Prozent gesunken. Laut Report ist das vor allem auf die Kohleindustrie zurückzuführen: Viele Minen sind stillgelegt oder geschlossen worden. Folglich ist das CO2-Budget in der Branche in den vergangenen 17 Monaten um 20 Prozent zurückgegangen, in der Öl- und Gasbranche nur um ein Prozent. Obwohl auch hier die Rohstoffpreise rapide sanken, drosselten die Konzerne die Produktion nicht. Allerdings beobachteten die Analysten eine Verschiebung der Öl-Förderung zugunsten von Gas.

Die Kohlebranche kämpft laut FFI mit einer leicht zurückgehenden Nachfrage, vor allem in den USA. Seit 2014 haben dort sechs Kohleriesen Insolvenz angemeldet, darunter Peabody Energy. In Europa haben sich derweil eine Reihe von Staaten als kohlefrei erklärt, beispielsweise Belgien und Malta. 
Wie sich die Entwicklung fortsetzt, sei jedoch noch nicht ausgemacht, schreiben die Analysten. Denn in Asien spielt das schwarze Gold nach wie vor eine große Rolle bei der Energieversorgung. Zwar schließen auch in China viele Kohlemeiler. Gleichzeitig wurden dort sowie in Indien laut einer aktuellen Greenpeace-Studie seit 2010 Kohlekraftwerke mit 473 Gigawatt hinzugebaut. Wie sich der Markt weiter entwickle, hänge also von diesen beiden Schwellenländer ab, schlussfolgert FFI.

 

Klimarisiken im Portfolio

Um den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen und den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen auf praktisch Null zu senken, steht weltweit nur ein bestimmtes Budget an Emissionen zur Verfügung. Nach Prognosen des Weltklimarates dürfen demnach bis Mitte des Jahrhunderts nur noch 103 Gigatonnen CO2 in die Luft gepustet werden. Um die weltweiten Klimaschutzziele einzuhalten, müsste also ein Großteil der fossilen Vorkommen im Boden bleiben.

Seit 2014 analysiert FFI jährlich das Kohlenstoffbudget der weltweit größten börsennotierten Kohle-, Öl- und Gaskonzerne. Weil für die Erreichung der Pariser Klimaziele ein Großteil der weltweiten fossilen Rohstoffe im Boden bleiben muss, warnen Wissenschaftler unter dem Begriff der Carbon Bubble (Kohlenstoffblase) vor einem Wertverfall. Denn die Unternehmen haben für die im Portfolio veranschlagten Vorkommen die Förderrechte bereits erworben. Das Carbon Tracker und Grantham Institute beziffert den drohenden Wertverlust derzeit auf 27 Billionen US-Dollar.

 

Divestment nimmt Fahrt auf

Mit dem Pariser Klimagipfel haben eine Reihe von Investoren angekündigt, ihre Investitionen in Fossile abzuziehen, darunter der norwegische Pensionsfonds, der französische Versicherungsriese Allianz und der Rockefeller Brothers Fund. Damit komme sie den Forderungen der weltweiten Divestment-Kampagne nach, die Universitäten, Kirchen, Gemeinden und Unternehmen dazu drängt, ihr Geld aus klimaschädlichen Investitionen abzuziehen. Obwohl Finanzexperten die Bewegung als rein politische Kampagne einstufen, sprechen sie ihr durchaus eine Wirksamkeit zu. Auch FFI-Chef und Mitautor der Studie Christopher Ito prognostiziert: „Sobald mehr Investoren den Wechsel in eine CO2-neutrale Wirtschaft bei der Beurteilung ihres Portfolios einbeziehen, werden Divestment, Selbstverpflichtungen, Risikomangement und eine Umschichtung des Portfolios als die angemessenen und sich gegenseitig ergänzenden Antworten auf die Klimarisiken gesehen werden.“ 

Jana Kugoth
Keywords:
Klimawandel | Klimarisiken | Divestment | FFI | Kohle | Öl | Gas | Fossile | Carbon Bubble
Ressorts:
Finance

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