Koalitionsverhandlungen
11.10.2017

Klimaökonom Edenhofer rechnet mit Jamaika und Kohleausstieg

Foto: MCC, Startseite: Creative Commons/SPber
Ottmar Edenhofer, Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin und Mitglied des Weltklimarats IPCC.

Ein Bündnis Union/FDP/Grüne ergibt für MCC-Direktor Ottmar Edenhofer nur in Verbindung mit dem Kohleausstieg Sinn. Auch die E-Mobilität hänge davon ab, sagt Edenhofer im Gespräch mit bizz energy.

Deutschlands führender Klimaökonom Ottmar Edenhofer hat eine klare Vorstellung davon, was die Parteien der künftigen Bundesregierung im Koalitionsvertrag verabreden müssen. Er rechnet damit, dass sich CDU/CSU, FDP und Grüne auf einen deutschen Kohleausstieg verständigen – sonst werde es keine Jamaika-Koalition auf Bundesebene geben. „Wenn Union, FDP und Grüne den Kohleausstieg nicht beschließen, können sie sich Jamaika sparen“, sagt Edenhofer im Gespräch mit bizz energy.

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Der aktuell hohe Kohleanteil am Strommix konterkariere insbesondere den gewünschten Klimaeffekt der Elektromobilität. „Der Stromsektor muss dringend dekarbonisiert werden, sonst macht doch die ganze Elektromobilität wenig Sinn.“ (Lesen Sie auch: Klimaökonom Edenhofer fordert "koordinierte CO2-Bepreisung" ab 2030)

 

Restbudget für Kohle-Emissionen

 
Zum möglichen Zeitplan erklärt Edenhofer: „Für den Kohleausstieg ist nicht das Datum entscheidend, wann der letzte Kohlemeiler vom Netz geht. Vielmehr sollte die kommende Bundesregierung ein Restbudget für Emissionen der deutschen Kohlekraftwerke festgelegen“. Damit würde der Kohleausstieg analog zum Atomausstieg verlaufen; im Jahr 2000 hatten sich Bundesregierung und Energiekonzerne auf eine kollektive Reststrommenge für Kernkraftwerke verständigt.

 
Edenhofer, Inhaber des Lehrstuhls für die Ökonomie des Klimawandels an der Technischen Universität Berlin, ist ein führendes Mitglied des Weltklimarats IPCC, der 2009 den Friedensnobelpreis erhielt. Als Co-Vorsitzender einer der drei IPCC-Arbeitsgruppen setzte er sich 2010 öffentlich – und erfolgreich – für eine Reform des Weltklimarats ein. 2012 wurde Edenhofer zudem Gründungsdirektor des „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change“ (MCC) in Berlin, das er seitdem führt.

 

Lesen Sie auch: China – Kohleausstieg nach Konfuzius

Joachim Müller-Soares
Keywords:
Kohleausstieg | Energiewende | Bundesregierung
Ressorts:
Governance

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