Verkehrswende
08.02.2017

Hybridfähren stechen in See

Foto: Scandlines/Lars Sørensen

Zwei Hybridschiffe in der Ostsee sollen die Verkehrswende auf See einleiten. Künftig könnten auch rein elektrische Antriebe zum Einsatz kommen. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Während die Elektromobilität auf der Straße langsam ins Rollen kommt, tut sich zur See fast nichts. Emissionsarme Anriebe sind – bis auf wenige Pilotprojekte – Fehlanzeige.  

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Die deutsch-dänische Reederei Scandlines mit Hauptsitz in Hamburg will das ändern. Zwischen Rostock und dem dänischen Gedser verkehren seit kurzem die beiden Hybridfähren „Berlin“ und „Copenhagen. Laut Hersteller sind sie die größten Hybridschiffe der Welt.

„Berlin“ verbindet bereits seit Mai 2016 die beiden Städte, „Copenhagen“ ist im Dezember dazu gestoßen, teilte die Reederei kürzlich mit. Jedes Schiff biete Platz für 460 Autos und 1.300 Passagiere und verfüge über Dieselmotoren und ein batteriegetriebenes Hybrid-Antriebssystem, heißt es seitens der Reederei. Insgesamt verfügt sie über sechs Hybridfähren.

Diesel und Batterie

Angetrieben werden die Schiffe aus einer Kombination aus konventionellem Dieselantrieb und Batterie. Produziert der Generator mehr Energie als gerade benötigt, speichert die Batterie diese. Die Batterie gibt wiederum Energie ab, wenn mehr benötigt wird als vom Generator produziert. Durch den gleichbleibenden Betrieb des Dieselgenerators können laut Scandlines um bis zu 15 Prozent Kohlenstoffdioxid-Emissionen eingespart werden.

Der Bau der vergleichsweise emissionsarmen Antriebe war von Pannen geprägt. Insgesamt verzögerte sich die Fertigstellung um vier Jahre. Zuletzt mussten die Schiffe Anfang dieses Jahres noch einmal in die Werft. Grund waren laut Scandlines fehlerhafte Einspritzdrüsen. Nun aber seien die Probleme behoben, teilt das Unternehmen mit. 

Hybridfähren sind für die deutsch-dänische Reederei nach eigenen Angaben nur ein Zwischenschritt. Ziel sei ein emissionsfreier Fährverkehr, so eine Unternehmenssprecherin. Als nächstes solle eine Plug-In-Hybrid-Fähre in See stechen. Geplant ist die Entwicklung von Batterien, die während der Liegezeit am Hafen aufgeladen werden. „Auf der Strecke Puttgarden-Rødby werden wir in der Lage sein, die komplette Überfahrt 100 Prozent mit Batteriebetrieb zurückzulegen“, sagt eine Sprecherin.

Für die längere Strecke von Rostock bis Gedser reiche das jedoch nicht. Hier werde eine Zusatztechnologie benötigt. „Dies könnte beispielsweise durch einen kombinierten Hydrogen- und Batterieantrieb geschehen.“

Auch die finnische Fährgesellschaft FinFerries setzt in Norwegen auf eine rein elektrische Fähre. „Die Hybridfähren sind ein Schritt in die richtige Richtung“, begrüßt Daniel Rieger, Verkehrsexperte bei der Umweltschutzorganisation Nabu, die neuen Schiffe in der Ostsee. Eine Trendwende sieht er darin allerdings noch lange nicht.  

Die internationale Schifffahrtsbranche weigere sich seit Jahren, ihren Treib- und Schadstoffausstoß zu reduzieren. Dabei zählt die Branche zu den Hauptverursachern klimaschädlicher Treibhausgase. „Die internationale Schifffahrt zusammen mit dem Luftverkehr sind als einzige Sektoren aus den Reduktionszielen des Pariser Klimaabkommens ausgenommen“, kritisiert Rieger.

Gesetz für geringeren Schwefelausstoß

Auf dem Weltklimagipfel in Paris haben die knapp 200 UN-Mitgliedsstaaten festgelegt, bis Mitte des Jahrhunderts den weltweiten Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen bilanziell auf Null zu senken, um die globale Erwärmung um deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

Ein bisschen sauberer wird die Schifffahrt allerdings schon. 2015 wurden Schutzgebiete, sogenannte "Sulphur Emission Control Areas" (SECA) erlassen. Seitdem dürfen Fracht- und Kreuzfahrtschiffe in Nord- und Ostsee sowie im Ärmelkanal nur noch unterwegs sein, wenn der Schwefelgehalt nicht mehr als 0,5 Prozent beträgt – statt bis zu 3,5 Prozent wie zuvor. Zum Vergleich: Der in Verruf geratene dreckige Straßendiesel hat einen Schwefelanteil von 0,001 Prozent.

Erreichen können die Reedereien die Grenzen nur, wenn sie zusätzliche Abgasfilter einbauen oder statt Mineralöl wesentlich teureren Schiffsdiesel als Kraftstoff nutzen. Erlassen wurden die Schutzgebiete von der IMO, einer Abteilung der Vereinten Nationen. Die EU-Kommission in Brüssel hat sie in ein Gesetz umgesetzt. 

Gesundheitsschädliche Stickoxide

Seitdem sind die Emissionen durch Schwefel um bis zu 60 Prozent zurückgegangen, berichtet Nabu-Experte Rieger. Für den Menschen verbessere sich dadurch allerdings wenig. Schwefeloxide sind vor allem schädlich für die Umwelt. Sie führen zur Versauerung der Wälder und des Bodens. Die gesundheitsschädlichen Stickoxide, Ruß und Partikel werden jedoch weiter in die Luft gepustet und können beim Menschen Herz-Kreislauf- und Atemwegprobleme verursachen.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sind bis zu 50.000 vorzeitige Todesfälle in Europa auf giftige und krebserregende Schiffsemissionen zurückzuführen.
Um der Luftverschmutzung durch Schiffe Herr zu werden, müssten auch hier Grenzwerte festgelegt werden, fordert Rieger deshalb.

Jana Kugoth
Keywords:
Emissionen | Schifffahrt | Elektromobilität | Batterie | Brennstoffzelle | Nabu
Ressorts:
Governance | Markets

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