Wärmewende
23.11.2017

Heizungsindustrie plädiert für steuerliche Förderung von Sanierungen

Foto: Flickr/ullihaessler
in Deutschland gibt es immer noch viel zu viele alte Heizkörper

Die Branche will Steuerberater mit ins Boot holen, um die Sanierungsrate im Gebäudesektor zu erhöhen. Außerdem soll die Heizung digital werden.

Die Heizungsindustrie erwartet einen gravierenden Umbruch in der Gebäudetechnik. Wärmepumpen könnten dazu einen großen Beitrag leisten, sagt Manfred Greis, Präsident der Deutschen Heizungsindustrie und Generalbevollmächtigter bei Viessmann. Sie holen die Energie aus der Luft oder dem Erdreich über das Heizungssystem in den Wohnraum.

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„Die Wärmepumpe wird es nicht alleine schaffen, aber sie ist in Zukunft die dominierende Technologie“, sagt Greis am Donnerstag beim Forum Wärmepumpe in Berlin. Sein Verband rechnet mit 80.000 neu installierten Wärmepumpen in diesem Jahr, das entspricht einem Anstieg von 20 Prozent. 

Fossile Heizungen werden als Brücke gebraucht

Der Industrievertreter plädierte zugleich dafür, die anstehende Sektorkopplung technologieoffen zu gestalten. „Ein Technologie-Mix scheint die richtige Lösung sein, er wäre auch deutlich kostengünstiger als ein All-Electric-Szenario“, sagt Greis mit Blick auf eine jüngst von mehreren Industrieverbänden veröffentlichte Gebäudestudie. Verbrennungsbasierte Techniken seien noch eine Weile notwendig, um eine höhere Sicherheit des Systems zu gewährleisten. Dennoch sei der Ausstieg aus fossilen Energieträgern unausweichlich. Langfristig könnten nur noch aus erneuerbaren Energien erzeugte, synthetische Brennstoffe fürs Heizen zum Einsatz kommen.

Der Wärmemarkt ist verantwortlich für rund 40 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen, der Gebäudestand in Deutschland ist völlig veraltet und ineffizient. Das Marktvolumen für neue Heizungen liege momentan monatlich bei 700.000 Wärmeerzeugern einschließlich Neubau, sagt Greis im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. „Das ist viel zu wenig. Der Wert müsste mindestens bei einer Million liegen, damit wir bis 2030 die CO2-Minderungsziele für den Gebäudesektor erreichen.“ Aus seiner Sicht ist es deshalb unerlässlich, energetische Sanierungen steuerlich zu fördern. 

Steuerberater als "Animateure der Energiewende"

Dies sei nicht nur eine einfache Lösung, sie habe auch den Vorteil, dass die Steuerberater als „Animateure der Energiewende“ mit ins Boot geholt würden. „Steuerliche Förderung hat bei den Bürgern immer eine hohe Attraktivität“, sagt Greis. Er betonte, dass die richtigen Botschaften an die Investoren gesendet werden müssten. „Sie sollten nicht das Gefühl haben, zu etwas gezwungen zu werden.“ Steueranreize seien zudem ein guter Anreiz, privates Kapital im Sinne der Energiewende einzusetzen.

Außerdem plädiert der Industrievertreter für eine Digitalisierung der Heizungsbranche. „Die analoge Heizung wird digital werden müssen“, sagt Greis. Über die Digitalisierung komme die Heizung in das Bewusstsein der Nutzer. „Sie fristet heute sprichwörtlich ein Kellerdasein.“ Wenn Verbraucher ihre Heizung künftig per Smartphone oder ähnlichen Geräten bedienen könnten, würden sie ein anderes Verhältnis zu der Technik entwickeln.

Die Redaktion
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Wärmewende | Heizungsindustrie | Sektorenkopplung
Ressorts:
Governance | Technology

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