Digitalisierung
10.06.2016

Hacken für den Elektrofrieden

Foto: Flickr / MINES ParisTech / CC BY-SA 2.0
Bei einem Hackathon tüfteln Programmierer gemeinsam an Lösungen für komplexe Probleme.

Um kaum ein Thema wird so erbittert gestritten wie um die Förderung der Energiewende. Die Bundesregierung rechtfertigt Einschnitte mit explodierenden Netzkosten. Die Deutsche Energieagentur will nun unkonventionelle Helfer einspannen: Start-ups und Hacker.

Für die Lobbyisten aus der Windbranche ist es ein fundamentaler Einschnitt: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will die Förderung für Rotoren ab kommendem Juni um fünf Prozent kürzen. Damit nicht genug: In Norddeutschland will er den Ausbau begrenzen. Schuld sei der schleppende Netzausbau, sagt Gabriel. Windstrom könne nicht genutzt werden, weil Leitungen fehlten, um ihn weiter nach Süden zu transportieren. 

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Zahlen müssen die Stromkunden trotzdem. Im vergangenen Jahr wurde so viel Ökostrom verschwendet, dass man damit 1,4 Millionen Haushalten hätte versorgen können. Für diese Ausfallarbeit und den Redispatch konventioneller Kraftwerke mussten die Verbraucher nach Angaben der Bundesnetzagentur über eine Milliarde Euro aufwenden. Werde nichts unternommen, könne die Belastung für die Stromkunden sogar auf vier Milliarden Euro steigen, zitierte Gabriel Prognosen der Bundesnetzagentur.

 

Belege für die Kostenexplosion fehlen

Die genaue Berechnung blieben Wirtschaftsministerium und Netzagentur allerdings schuldig, bemängelten prompt die Linken. Auch deshalb dringt der Wirtschaftsminister im Ökolager mit dem Argument nur schwer durch.

Die Deutsche Energieagentur (Dena) – maßgeblich kontrolliert von Gabriels Ressort – nutzt die Kostendebatte, um einen unkonventionellen Vorschlag zu machen.  Dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann hatte in dieser Woche sichtlich Freude daran, als er seine ungewöhnliche Idee auf einer Konferenz vor Energiemanagern in Berlin präsentierte. Mit verschmitztem Lächeln schlug Kuhlmann einen Hackathon vor.

 

Preisgeld von zehn Millionen Euro

Auf solchen Hacker-Marathons kommen Entwickler zusammen, um gemeinsam an Software-Lösungen für komplexe Aufgaben zu tüfteln. Hacker und Start-ups könnten nach dem Vorschlag der Dena nun Ideen entwickeln, um das Problem des überschüssigen Stroms und der steigenden Netzkosten zu lösen. Anlocken soll die Computer-Experten ein üppiges Preisgeld von zehn Millionen Euro.

Wenn die Antworten der IT-Experten nur ein Prozent der aktuell eine Milliarde Euro an Kosten sparten, wäre das Preisgeld schon finanziert, rechnet Kuhlmann vor. Für „unfassbar“ hält er, dass die drohende Ausgabensteigerung auf vier Milliarden Euro in der Öffentlichkeit kaum ein Thema sei. „So eine Prognose müsste doch eigentlich in der Lage sein, für eine ordentliche Debatte zu sorgen“. Gegenüber bizz energy sagte Kuhlmann: „Wenn unsere Antwort ist, da kann man nichts machen, dann wird das der Akzeptanz bei der Energiewende irgendwann einen ziemlichen Schaden zufügen.“

 

Oettinger will Sicherheitslabel für Versorger

Eine Lösung für ein anderes Problem, das eng mit der Digitalisierung zusammenhängt, schlug diese Woche EU-Digitalisierungskommissar Günther Oettinger (CDU) vor. Auf der gleichen Konferenz wie Kuhlmann kündigte er einen Vorschlag zur Zertifizierung von kritischer Infrastruktur wie Stromnetzen und digitalen Stromzählern an. Die Idee: Versorger werden Label für die Sicherheit ihrer Netze und Rechenzentren erhalten können. „Sicherheitslabel werden in Zukunft ein Argument für den Wechsel des Stromanbieters sein“, gibt sich Oettinger überzeugt.

Manuel Berkel
Keywords:
Digitalisierung | Netzausbau | Dena | Günther Oettinger
Ressorts:

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