Windenergie
02.08.2013

Größter deutscher Offshorepark fertig

Fotos: Bard

Vor der Küste der Nordseeinsel Borkum hat die Bard-Unternehmensgruppe die letzte von 80 Windturbinen für den Windpark Bard Offshore I installiert. Ab September sollen alle Anlagen Strom einspeisen. Die Zukunft des Unternehmens bleibt jedoch ungewiss.

Die Emdener Bard-Gruppe hatte den Ausbau ihres Offshoreparks zuletzt stark forciert. Seit Jahresbeginn wurden 40 Anlagen im Meer aufgestellt und vom Netzbetreiber Tennet angeschlossen. Rund drei Viertel der insgesamt 80 Anlagen speisen bereits Strom ein, die restlichen sollen bis Mitte September folgen. 

Anzeige*

Bard Offshore I verfügt über eine Leistung von 400 Megawatt und ist neben dem Forschungsprojekt Alpha Ventus und dem EnBW-Park Baltic 1 in der Ostsee der mit Abstand größte deutsche Windpark auf See. Er erstreckt sich über eine Fläche von rund 8.500 Fußballfeldern. „Die Performance im Jahr 2013 zeigt, mit welcher Geschwindigkeit Hochsee-Windparks zukünftig errichtet werden können. Dieser Errichtungserfolg von Bard wird der Branche einen positiven Impuls geben“, sagt Michael Baur, CEO der Bard-Gruppe.

Bard: Offshore-Alleskönner?

Ob die Bard-Gruppe davon profitieren kann, ist allerdings fraglich  die Probleme sind massiv. Das 2003 vom russischen Investor Arngolt Bekker aus dem Boden gestampfte Unternehmen will sich nicht nur auf Planung und Betrieb konzentrieren, sondern hat auch eine eigene Turbinen- und Rotorblattfertigung in Emden und Cuxhaven aufgebaut. Das Unternehmen wollte in der gesamten Wertschöpfungskette tätig sein, um höhere Gewinne zu erzielen.

Als Neuling in der Branche musste Bard allerdings reichlich Lehrgeld bezahlen. Die Kosten für Bard Offshore I verdreiffachten sich auf geschätzte 2,9 Milliarden Euro. Bereits vor drei Jahren drohte dem Unternehmen die Insolvenz, Gründer Arngolt Bekker musste das Unternehmen verlassen. Der damalige Geschäftsführer Heiko Ross wechselte zum Offshore-Konkurrenten Windreich.

Suche nach Investoren

Im vergangenen Jahr musste Bard die Rotorenfertigung in Emden schließen, es fehlte an Aufträgen. Von der Schließung waren 100 der zwischenzeitlich 1.000 Beschäftigten des Unternehmens betroffen.

Wie es nun weitergeht, ist offen. Bard-Sprecher Axel Bahr betonte gegenüber BIZZ energy today, es gebe bis zum nächsten Jahr noch genügend Arbeit rund um den Bard Offshore I. Mit Veja Mate verfügt das Unternehmen über ein weiteres Projekt in der Nordsee. Es fehlt allerdings an Investoren, um die milliardenschweren Baukosten zu stemmen. Das Unternehmen ist schon seit längerem auf der Suche nach Kapitalgebern. Neuigkeiten konnte Bard-Sprecher Bahr hier nicht vermelden.

Investoren halten sich derzeit zurück. Der Grund: Das sogenannte Stauchungsmodell, das für Windparks eine erhöhte Anfangsvergütung vorsieht, läuft 2017 aus.  Fällt ein Park aus dem attraktiven Stauchungmodell heraus, steht die Finanzierung auf der Kippe. „Nach dem heutigen Stand würde kein Park ohne das Stauchungsmodell gebaut", sagte Brigita Jeroncic von der WindMW kürzlich zu BIZZ energy today.

Neues Geschäftsfeld

Mit der Gründung einer neuen Service- und Betriebsgesellschaft will sich das Unternehmen nun ein neues Geschäftsfeld erschließen. Die Bard-Mitarbeiter sollen Meereswindparks anderer Unternehmen warten, so die Idee. Eine Hoffnung für die verbliebenen Beschäftigten. Dafür müsste aber der Ausbau der deutschen Offshore-Windenergie deutlich schneller vorankommen als bisher

Lesen Sie dazu: Beitrag von Ronny Meyer, Chef des Offshore-Netzwerkes WAB zur Situation der Branche.

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Windenergie | Offshore Windenergie | Bard Offshore | Maschinen- und Anlagenbau
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 14.12. am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research