Russland
02.03.2016

Gazproms Südroute: Dritter Versuch

foto: flickr/ Thawt Hawthje
Gasleitung von Gazprom.

Russland überrascht mit einem neuen Pipeline-Projekt für Südeuropa. Die EU-Kommission reagiert gelassen, zumindest offiziell. Experten zweifeln an der Machbarkeit.

 

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Russlands Energieriese Gazprom lässt nicht locker – und macht sich für eine neue Südroute für russisches Gas nach Europa stark. Anfang der Woche kündigte Konzernchef Alexei Miller bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin an, er wolle die Details des neuen Projekts bis Jahresende ausarbeiten. „Italien und Griechenland werden das Projekt unterstützen“, sagte Miller. Zuvor traf sich die Gazprom-Spitze mit Italiens Wirtschafts- und Griechenlands Außenminister in Rom; dort unterzeichnete sie ein entsprechendes Memorandum mit dem italienischen Energiekonzern Edison und Griechenlands Gasförderer DEPA.

 

Route bleibt unklar

Die Route des neuen Projekts ist indes noch unklar. Laut Gazprom soll die Pipeline Erdgas über den Boden des Schwarzen Meeres nach Griechenland und später nach Italien schaffen. Dabei sollen auch Pläne der Mitte der 2000er Jahre geplanten, jedoch nie realisierten Poseidon-Pipeline zwischen Griechenland und Italien verwendet werden. Damals ging es um den Transport von jährlich 12 Milliarden Kubikmeter Gas aus Azerbaidschan nach Griechenland und Italien. Allerdings lässt der Konzern offen, wie nun das russische Gas überhaupt nach Griechenland gelangen soll. Auf Anfrage von bizz energy wollte sich Gazprom nicht dazu äußern.

Das Problem: Eine Anbindung Griechenlands wäre theoretisch nur über Bulgarien oder die Türkei möglich, doch mit beiden Ländern sammelte Moskau keine guten Erfahrungen. Das neue Projekt ist bereits der dritte Versuch des russischen Erdgasexporteurs eigene Infrastruktur in Südeuropa aufzubauen. Der erste Anlauf mit South Stream, an dem auch die deutsche Wintershall beteiligt gewesen ist, scheiterte an Bulgarien. Das Land zog sich nach Druck der Brüsseler EU-Kommission aus dem Projekt zurück. Turkish-Stream, eine Alternative über das türkische Territorium liegt nach dem Abschuss eines russischen Bombers durch die Türkei auf Eis. Dass eines der beiden Länder sich plötzlich für ein neues russisches Projekt erwärmen könnte, halten Beobachter für unwahrscheinlich.

 

Experten sind skeptisch

Auch die Reaktionen der EU auf den neuen Vorstoß sind bisher eher verhalten. Maros Sefcovic, EU-Energiekommissar sagte, es gebe noch keine einheitliche Position gegenüber dem neuen Projekt. „Angesichts dessen, dass die Infrastruktur derzeit nur zu 50 Prozent ausgelastet ist, stellt das bereits die Effizienz des Projekts infrage“, kommentierte Sefcovic. Gazprom-Chef Miller verwies seinerseits auf den gestiegenen Export nach Westeuropa. Allein Italien habe 2015 12,6 Prozent mehr Gas gekauft, Deutschland sogar 17,1 Prozent. „Ohne Zweifel sind alle Infrastrukturprojekte Richtung Europa wirtschaftlich sinnvoll“, sagte Miller. 

Experten zweifeln indes, ob das Projekt realisiert werden kann. Gazprom fehle momentan schlicht und ergreifend das Geld für neue Projekte sagt Mikhail Kotschemkin von East European Gas Analysis. Einem Bericht der angesehenen Wirtschaftszeitung RBK zufolge könnte hinter dem Vorstoß auch der Versuch stecken, an anderer Front Fortschritte zu erreichen. „Das Memorandum soll die Verhandlungen über Nord Stream 2 ankurbeln“, zitiert das Blatt einen namentlich nicht genannten Gazprom-Manager. Demnach fürchte die EU-Kommission, dass Gaslieferungen nach Südeuropa gefährdet seien, sollte der Bau von Nord Stream 2 durch die Ostsee den Gastransit über die Ukraine obsolet machen. 

 
Maxim Kireev
Keywords:
Russland | Gazprom | East European Gas Analysis | Maros Sefcovic | EU-Kommission | Alexei Miller | Erdgas
Ressorts:
Governance | Markets

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