Brennstoffzellen
21.04.2017

Futter für die Bullen

Foto: iStockphotos/Lucky-photographer

Wasserstoff ist ein Megatrend an der Börse. Wer davon profitieren will, sollte diese fünf Unternehmen und ihre Aktien im Auge behalten.

Wie kann man sein Geld möglichst direkt in Wasserstoff investieren? Nach Börsenwert gelten die hier vorgestellten Aktien als Small Caps – mit höherer Kursphantasie, aber auch mit höherem Risiko als Blue Chips wie Siemens und General Electric; bei denen aber sind die Wasserstoffsparten bislang nur Nischengeschäfte.

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1. Ballard Power 
Kein Unternehmen besitzt im Brennstoffzellen-Bereich mehr marktfähige Produkte. Vorne liegt die kanadische Firma auch bei der Zahl angemeldeter Patente. Und eine gute Börsenstory können die Kanadier schon heute erzählen. Das Unternehmen ist schuldenfrei und verfügt mit rund 76 Millionen US-Dollar über ausreichende Liquidität. Es ist in vielen Teilmärkten aktiv, produziert zum Beispiel für Busse, Bahnen, Gabelstapler und Heizgeräte. Die Ballard-Tochter Protonex produziert Brennstoffzellen für Drohnen unter anderem für den Flugzeugriesen Boeing. Gerade wurde bekannt, dass das Protonex-Brennstoffzellen-System bei einem Testflug erfolgreich das unbemannte Flugobjekt der Boeing-Tochter Insitu mit Strom versorgt hat. Ballard-Zellen stecken auch im Audi A7 h-tron quatro, dem SUV-Prototyp, den der VW-Konzern Anfang 2016 auf der Detroit Motor Show vorstellte.  In Japan, das sich 2020 zur Olympiade als „Hydrogen Society“ präsentieren will, kooperiert Ballard mit Toyota Tsusho; die Tochter des weltgrößten Autokonzerns macht allein 70 Milliarden Dollar Umsatz.
Größter Ballard-Aktionär mit einem Anteil von 9,9 Prozent ist der Motorenproduzent Broad Ocean aus China. Das passt: Für Ballard ist China ist der wichtigste Markt; das Potential ist riesig. So werden viele der dort jährlich hergestellten 600.000 Busse mit Brennstoffzellen fahren. Ballard hat ein Joint Venture mit der chinesischen Firma Guangdong Synergy Hydrogen Technology gegründet, das ab Juli produzieren soll. Ziel sind mehr als 20.000 Stacks pro Jahr.

2. Fuelcell Energy
Brennstoffzellen-Kraftwerke produzieren Strom und Wärme hocheffizient und ultrarein. Die US-Firma Fuelcell Energy aus Connecticut sieht sich als Weltmarktführer in diesem Bereich und verweist auf einen Auftragsbestand von gut 430 Millionen US-Dollar – mehr als viermal so viel wie der Umsatz im Jahr 2016, der bei 106 Millionen Dollar lag. Der selbsternannte Technologieführer arbeitet auch als Projektentwickler, baut Anlagen für Kunden auf eigene Rechnung und generiert dabei Einnahmen über Contracting. Ende März verkündete Fuelcell eine weltweite Allianz mit dem südkoreanischen Spezialisten Posco Energy, mit dem man in dessen Heimat bereits zusammenarbeitet; noch am gleichen Tag kletterte der Aktienkurs um sieben Prozent. Dennoch dominierten bislang die Bären gegen die Bullen: Der Börsenwert von 58 Millionen Dollar wirkt wie ein Schnäppchen: Die frei verfügbaren liquiden Mittel sind mit rund 56 Millionen Dollar ähnlich hoch.
Zusätzlich verfügt Fuelcell Energy noch über „restricted cash“, also Millionen von Dollar, mit denen aktuelle Projekte besichert werden. Das birgt Risiken. Als sich das Großprojekt Beacon Falls wegen des aufwändigen Genehmigungsverfahrens verzögerte, sackte der Fuelcell Energy Kurs um gut 38 Prozent ab. Fuelcell Energy ist aber weiterhin als Bieter für das Projekt im Rennen.
Für industrielle Anwendungen hat sich Fuelcell das Patent für eine eigene Carbon-Capture-Technik gesichert. Dabei wird Kohlendioxid mit Wasserstoff zu Methan verbunden („Methanisierung“) und anschließend hocheffizient in Energie umgewandelt. Der Ölriese ExxonMobil setzt auf diese Technik. Dessen Strategievorstand William Colton nutzte Ende Januar eine Rede in Berlin, um seinen Partner zu loben: Fuelcell Energy. Aktuell betreiben beide eine Carbon-Capture-Testanlage. Künftig könnten viele Großaufträge allein durch ExxonMobil hereinkommen. Die Technik könnte auch bei der Verarbeitung von Ölsanden in Kanada zum Einsatz kommen.  

3. Plug Power 
Die US-amerikanische Plug Power fokussiert sich auf „Material Handling“ – Brennstoffzellen in Gabelstaplern. Sie hat eine treue Klientel: Viele Bestandskunden erhöhen ihre Aufträge für immer mehr Logistikzentren. Der aktuelle Auftragsbestand von Plug Power beträgt 325 Millionen US-Dollar. Damit konnte die Firma das Auslaufen der staatlichen Förderprogramme wegstecken; unter US-Präsident Donald Trump ist eine Neuauflage solcher Wasserstoff-Programme unwahrscheinlich.  
Immer mehr Konzerne wie Walmart, Nike und BMW setzen auf Plug Power.  Daher gilt die alte Börsenweisheit „The trend is your friend“ auch für das operative Geschäft von Plug Power. Mehr als 11.000 Gabelstapler wurden schon von Batterien auf Brennstoffzellen umgerüstet. Das bringt insbesondere bei Mehrschichtbetrieb Vorteile, weil die Wasserstoff-Stapler in nur drei Minuten betankt werden – ein Bruchteil der Batterie-Ladezeiten.  Plug Power will Wasserstoff perspektivisch selbst produzieren, um ihn gewinnbringend zu verkaufen. An über 40 Standorten, vorwiegend in den USA, unterhält die Firma bereits heute eigene H2-Tankstellen.

4. Hydrogenics
Wie Ballard Power hat Hydrogenics seinen Sitz in Kanada und entwickelt seit Jahrzehnten Systeme für H2-Tankstellen und Elektrolyseure, in denen Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. In Deutschland kommen Hydrogenics-Elektrolyseure in Power-to-Gas-Anlagen zum Einsatz, die Hydrogenics im Verein mit Eon entwickelt. Dem französischen Schienenfahrzeughersteller Alstom liefert Hydrogenics die Brennstoffzellen für dessen neue Hightech-Züge. Zudem hat Hydrogenics verschiedene Kooperationen für die Umrüstung von LKW und Bussen in China. Das Unternehmen verfügt über wichtige Patente und Know-how – allerdings für Märkte, die allein schwer zu bedienen sind. Daher gilt Hydrogenics als Übernahmekandidat.

5. ITM Power
Als erstes Brennstoffzellen-Unternehmen notiert ITM am Alternative Investment Market (AIM), der Londoner  Börse für Wachstumswerte. Ähnlich wie bei Hydrogenics reicht das Produktportfolio von Elektrolyseuren über Wasserstofftankstellen bis hin zu Power-to-Gas-Anlagen. Zu den Kunden gehören Weltkonzerne wie Shell, Toyota, Hyundai und Linde. Das ist ein gutes Zeichen, auch wenn der Auftragsbestand mit 24 Millionen britischen Pfund viel niedriger ist als etwa bei Ballard und Plug Power. Auch der Umsatz liegt mit zwei Millionen Pfund bei einem Bruchteil der Konkurrenten aus Nordamerika. Auf der diesjährigen Hannover-Messe Ende April dürfte die englische Hightech-Schmiede aus Sheffield für Furore sorgen: Sie will einen Hochleistungs-Elektrolyseur präsentieren, der nach Firmenangaben 100 Megawatt Leistung bietet. Das wäre ein neuer Weltrekord.

Die Daten sind vom Stand Ende März, vor allem die Kurse von Ballard Power und Plug Power haben seither kräftig zulegt.

Sven Jösting
Keywords:
Wasserstoff | Ballard Power | Brennstoffzellen | Hydrogenics | Fuel Cell Energy | ITM Power | Börse
Ressorts:
Finance | Markets

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