Biomasse
28.10.2016

Fukushima: Strom aus verstrahltem Holz

Foto: Greg Webb / IAEA
Arbeiter im Jahr 2013 an der Unglücksstelle in Fukushima, zwei Jahre nach der Havarie des Reaktors.

Mehr als fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe will ein deutsches Cleantech-Unternehmen in der japanischen Präfektur Fukushima sauberen Strom mit Biomasse produzieren – und nebenbei ein Müllproblem lösen.

 

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Das deutsche Cleanteach-Unternehmen Entrade hat soeben einen 50 Millionen-Euro-Vertrag an Land gezogen. Bis zu 400 kleine Biomasse-Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 20 Megawatt soll die Düsseldorfer Firma in den nächsten Jahren in der japanischen Präfektur Fukushima aufstellen. Eine entsprechende Vereinbarung sei mit dem Vize-Gouverneur der Region, Toshiyuki Hata, unterzeichnet worden, teilte Entrade am Donnerstag mit. Demnach soll das erste Kraftwerk bereits im November ans Netz gehen.

Im März 2011 waren in Fukushima durch ein Erdbeben und einen Tsunami 18.000 Menschen ums Leben gekommen. Außerdem kam es in mehreren Reaktoren zu einer Kernschmelze. Die hatte Boden, Wasser, Land und Luft verseucht, sodass 160.000 Japaner ihre Häuser verlassen mussten.

 

Biomasse aus Holz

Das dabei radioaktiv verseuchte Holz und Laub soll ab November als Biomasse in den Entrade-Kraftwerken verbrannt werden. Damit könne die Masse des kontaminierten Materials um bis zu 99,5 Prozent geschrumpft werden, zitiert ein Erneuerbaren-Magazin Entrade-Geschäftsführer Julien Uhlig. Bislang lagern kontaminierte Blätter und Äste in großen Containern auf dem Gelände. Arbeiter hatten das Laub nach der Kernschmelze zusammengekehrt. „Durch die Verbrennung können wir die Radioaktivität zwar nicht beseitigen“, sagt Uhlig. „Aber wir können den Schutt zu Asche verbrennen und gleichzeitig viel saubere Energie produzieren.“

Die Entrade-Anlage produziert Strom, indem Holzpellets bei 1.200 Grad durch eine chemische Reaktion in Gas und Asche umgewandelt werden. Ein Generator produziert aus dem synthetischen Gas dann Strom und Wärme.  

Neben den Biomassekraftwerken sollen auch neue Solar- und Windkraftwerke in Fukushima entstehen. Jüngst hatte der deutsche Erneuerbaren-Projektierer Juwi angekündigt, gemeinsam mit der japanischen Solarfirma Shizen Energy bis März 2017 einen 1,5-Gigawatt-Park zu errichten. Auf einer Fläche von knapp 24.000 Quadratmetern soll das Kraftwerk jährlich rund 2,2 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom erzeugen.

 

Intelligente Steuerung

Laut Entrade-Chef Uhlig könne Biomasse-Anlagen dabei helfen, dass Netz zu stabilisieren. Mittels einer intelligenten Steuerung schalten sie sich automatisch ein, wenn keine Sonne scheint oder kein Wind weht und fahren herunter, wenn genug Solarstrom in Netz ist, „wie eine biologische Batterie“, sagt Uhlig. So würden „Photovoltaik und Windkraft grundlastfähig“.

Japans Premier Shinzō  Abé will Fukushima zum Zentrum für Erneuerbare ausbauen. Im März hatte der Premier angekündigt, die Präfektur „zum Hauptproduktionsort von Wasserstoff machen“ zu wollen (hier lesen). Ab 2020 soll demnach in Fukushima überschüssiger Ökostrom, beispielsweise aus Windanlagen, durch Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt werden – genug, um jährlich 10.000 Wasserstoff-Autos zu betanken. Die sollen unter anderem bei den Olympischen Sommerspielen 2020 öffentlichkeitswirksam vorfahren.

Jana Kugoth
Keywords:
Fukushima | Kernenergie | Biomasse | Radioaktivität | Wasserstoff | Solar
Ressorts:
Markets

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