Strommarkt
23.03.2017

Exportüberschuss beim Strom knackt Rekord

Foto: Amprion
Kraftwerke laufen für den Stromexport auf Hochtouren.

Im vergangenen Jahr hat sich in der Elektrizitätsversorgung vor allem die Handelsbilanz mit Frankreich deutlich verbessert.

Deutschlands Energiewirtschaft hat beim Stromexport die Rekordwerte der vergangenen Jahre erneut übertroffen. Wie aus der Datenbank des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, stieg der Handelsüberschuss auf rund 51 Terawattstunden (Milliarden Kilowattstunden). Das ist rund eineinhalb Mal so viel wie Dänemark insgesamt pro Jahr verbraucht. 2015 hatte das Plus bei 49 Terawattstunden (TWh) gelegen, 2011 hingegen nicht einmal bei zehn TWh. Die Exporte gingen laut den Zahlen der Statistiker zwar vergangenes Jahr etwas zurück - von knapp 85 auf gut 78 TWh. Die Importe sanken jedoch noch etwas stärker, und zwar von 33 auf 27 TWh.

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Ebenfalls gefallen sind aber auch die finanziellen Überschüsse, die die deutsche Wirtschaft durch den Stromhandel mit dem Ausland erzielen konnte. Sie sanken von 2,07 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf nur noch 1,75 Milliarden Euro im Vorjahr. Das hat zwei Gründe: Erstens sind insgesamt die Strompreise in Europa in diesem Zeitraum zurückgegangen. Zweitens ist eine exportierte Kilowattstunde im Schnitt inzwischen weniger wert als eine importierte Kilowattstunde. Das ist erst seit vorigem Jahr so.

Niederlande kaufen weniger Elektrizität

Die Gründe dafür sind komplex und hängen von der Struktur des Angebots und der Nachfrage sowohl in Deutschland als auch im benachbarten Ausland ab - und vielen Wechselwirkungen zwischen diesen Märkten. Ein wahrscheinlicher Grund ist jedoch, dass die deutschen Produktionsüberschüsse durch den Zubau an weiteren Wind- und Solarkapazitäten in Europa tendenziell an Wert verlieren: Deutschland produziert immer häufiger dann sehr viel Strom, der auf den Exportmarkt drängt, wenn das Preisniveau bei gutem Wind- und Sonnenangebot niedrig ist.

Die Hauptabnehmer der deutschen Stromexporte waren 2016 in absteigender Reihenfolge die Niederlande, die Schweiz, Österreich und Polen. Da die deutschen Nachbarstaaten allerdings ebenfalls Handel mit dem Ausland betreiben, lässt sich nicht sagen, wo der Strom letztlich genau landet. So deckt zum Beispiel Italien wiederum einen erheblichen Teil seines Strombedarfs mit Importen aus Österreich und der Schweiz. Die Niederlande, der größte Abnehmer, importierten 2016 deutlich weniger Strom aus Deutschland: Statt 24 TWh waren es nur noch knapp 17.

Segen und Fluch zugleich

In den Abnehmerländern wird der Import aus Deutschland häufig kontrovers diskutiert: Auf der einen Seite senken die Importe die durchschnittlichen Strompreise und helfen Haushalten und Industrieverbrauchern, Geld zu sparen. Wäre der Importstrom aus Deutschland nicht billiger als der aus heimischen Anlagen, würde er gar nicht fließen. Auf der anderen Seite setzt er aber auch die heimischen Versorger unter Druck und schafft Abhängigkeit. So mussten viele niederländische Gaskraftwerke auch wegen der Konkurrenz durch deutsche Erzeuger, seien es EEG-geförderte Anlagen oder Braunkohlekraftwerke, schließen.

Entscheidend für den neuen Exportrekord im Saldo war 2016, dass sich die Handelsbilanz mit dem einzigen Land, das große Mengen Strom nach Deutschland verkaufen kann, deutlich verbessert hat: Frankreich exportierte 2015 noch mehr als zwölf Terawattstunden nach Deutschland. Im vergangenen Jahr war es ein Drittel weniger. Andersherum verdoppelten sich die deutschen Ausfuhren - von niedrigem Niveau - auf 2,7 TWh. Die deutschen Erzeuger profitierten dabei wohl vor allem von den erheblichen Ausfallzeiten der alternden französischen Kernkraftwerksflotte.

Jakob Schlandt
Keywords:
Strommarkt | Stromerzeugung | Frankreich | Übertragungsnetz | Gaskraftwerke
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Kommentare

Sie schreiben:
"Die Deutschen profitieren"
Ich denke das Gegenteil ist der Fall. Die Deutschen werden geschädigt. Lediglich die Kraftwerksbetreiber profitieren. Denn jeder Deutsche subventioniert mit der EEG Umlage die Stromerzeugung, das Ausland muss jedoch, genau wie die deutsche stromintensive Industrie, keine EEG Umlage zahlen. Dadurch entgehen "uns" Einnahmen in Höhe von ca. 3,3 Milliarden Euro. Das ist eine Umverteilung von unten nach oben. Die Kosten werden sozialisiert und die Gewinne privatisiert. Dass die Konzerne dennoch Verluste in Milliardenhöhe einfahren ist völlig unverständlich. Ein Mitarbeiter von EON kostete uns 2016 ca. 250.000,- €. Schön!

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